Wespen – besser als ihr Ruf
23.07.2026 RegionWespen werden ihren schlechten Ruf einfach nicht los. Bereits mit ihrer auffälligen, gelb-schwarzen Färbung warnen sie uns: Achtung giftig! Dabei sind es hierzulande im Prinzip nur drei Arten der staatenbildenden, sozialen Wespen, die den Ruf der Wespen bestimmen: die Gemeine Wespe, die ...
Wespen werden ihren schlechten Ruf einfach nicht los. Bereits mit ihrer auffälligen, gelb-schwarzen Färbung warnen sie uns: Achtung giftig! Dabei sind es hierzulande im Prinzip nur drei Arten der staatenbildenden, sozialen Wespen, die den Ruf der Wespen bestimmen: die Gemeine Wespe, die Deutsche Wespe und leider auch die Hornisse. Ihren schlechten Ruf verdanken diese Wespen vor allem ihrer vermeintlichen Stechlust im Hochsommer, wenn die Wespenstaaten gross geworden sind und viele reife Früchte und Süssigkeiten vorhanden sind. Leider besteht über die Hornisse ein weitverbreiteter, unsinniger Mythos: «Sieben Hornissen töten ein Pferd, drei einen Erwachsenen und zwei ein Kind». Hornissen sind für den Menschen grundsätzlich nicht gefährlich. Sie sind, ausser bei Störung am Nest, sehr friedfertige Tiere, die im Gegensatz zu andern Wespenarten nicht an menschlichen Lebensmitteln interessiert sind. Ein Stich ist zwar schmerzhaft, aber das Gift ist für Nicht-Allergiker meist harmloser als ein Bienen- oder Wespenstich.
Soziale Wespen machen nur ca. 3% der Wespenarten aus. Die überwiegende Mehrheit (rund 97 %) lebt solitär als Einzelgänger (=Solitärwespen, z. B. Lehm- oder Grabwespen). Sie bauen keine Nester, leben nicht in Staaten und sind für den Menschen absolut harmlos und friedfertig, da sie sich nicht für unser Essen interessieren. Wie alle Wespen haben sie zwar einen Stachel, aber dieser ist klein und kann kaum die menschliche Haut durchdringen.
Die sozialen Wespenstaaten bestehen wie bei den Bienen aus drei Kasten: einer Königin, Arbeiterinnen und Drohnen (männliche Wespen). Sie überwintern aber nicht wie die Honig-bienen als Staat. Nur begattete Jungköniginnen überleben und bauen im Frühling die ersten Zellen, legen die ersten Eier und ziehen die ersten Arbeiterinnen auf. Danach legt die Königin bis zum Lebensende im Herbst nur noch Eier. Die Arbeiterinnen übernehmen den Nestbau, die Futtersuche, die Pflege der Larven und die Verteidigung des Nestes. Im Spätsommer ent-stehen aus unbefruchteten Eiern Männchen, aus befruchteten Eiern werden Königinnen, die den Winter in Winterstarre verbringen.
Alle Wespennester bestehen aus «Papier» im Gegensatz zu den Wachswaben der Honigbienen oder Hummeln. Als Rohstoff dient Holz, das die Wespen von Ästen, Pfählen oder modrigem Holz abnagen und mit Speichel vermischen. Die Nester der Gemeinen und Deutschen Wespe werden vorwiegend unterirdisch angelegt, wozu Mauslöcher und Maulwurfsgänge erweitert werden. Die Hornissen sind wärmeliebend und bauen ihre Nester mit Vorliebe an Gebälken von Holzhäusern, Bienenhäuschen und Nistkästen. Die Nester werden mit einer schützenden, mehrschichtigen Aussenhülle umgeben, die wärmeisolierend wirkt. Die Waben sind im Innern stockwerkartig, horizontal angeordnet.
Soziale Wespen sind vorwiegend Jäger. Die Larven werden laufend mit frischer Fleischbeute (Eiweisse), vor allem Insekten und Spinnen versorgt. Die ausgewachsenen Wespen ernähren sich hauptsächlich mit Kohlenhydraten (Zucker als Betriebsstoff), weshalb sie sich gerne an reifem Obst gütlich tun. Dies ist vor allem im Spätsommer zu beobachten, wenn die Wespenstaaten gross geworden sind und viele reife Früchte vorhanden sind. Einen Grossteil des Jahres werden die erwachsenen Wespen von ihren Larven gefüttert, die im Tausch gegen die vorgekauten Beutetiere eine Zuckerlösung abgeben.
Anders als Bienen haben Wespen in der Natur nicht allein die Aufgabe der Bestäubung, sondern als vielzählige Beutejäger halten sie andere Insekten und Gliederfüsser in Schach. Sie sind deshalb ökologisch wichtig wie Vögel, Amphibien, Reptilien und Kleinsäuger.
Ernst Hofmann, Unterkulm

