«Wir haben keinen Einfluss, das ist politisch gewollt.»
17.09.2026 MenzikenDer Gemeinderat Menziken stand in letzter Zeit mehrfach in der Kritik. Warum tut er nichts gegen die Spital-Schliessung, verhindert gar, dass der VPOD seine Versammlung im Gemeindesaal abhalten konnte? Zudem haben belästigende oder bedrohliche Vorfälle rund um die Schule den Weg ...
Der Gemeinderat Menziken stand in letzter Zeit mehrfach in der Kritik. Warum tut er nichts gegen die Spital-Schliessung, verhindert gar, dass der VPOD seine Versammlung im Gemeindesaal abhalten konnte? Zudem haben belästigende oder bedrohliche Vorfälle rund um die Schule den Weg bis in die Boulevardpresse gefunden. Was ist los in Menziken? Frau Gemeindeammann Ursula Friederich nimmt Stellung.
Ein Punkt, der letzte Woche viel zu reden gab, war die VPOD-Versammlung. Warum hat der Gemeinderat dafür den Gemeindesaal nicht hergegeben?
Ursula Friederich: Der Grund war, dass sich die Gemeinde neutral positioniert. Der VPOD hat eine Versammlung einberufen für die Bevölkerung und die betroffenen Mitarbeiter, hat aber die Spitalleitung aussen vorgelassen. Und darum haben wir gesagt, wir geben den Saal nicht.
Aber letzten Freitag ist der Gemeindesaal für die Informationsveranstaltung «Nein zum EU-Unterwerfungsvertrag» der SVP freigegeben worden. Dort war der Gemeinderat ja auch nicht neutral.
Ja, das stimmt, aber dies war eine politische Versammlung einer Ortspartei.
Roland Marti
Eine der Ideen, die man in den letzten Wochen oft hörte, ist, dass die Gemeinden im Oberwynental und im Seetal das Spital hätten retten sollen oder dies sogar immer noch könnten. Wie realistisch ist so ein Szenario?
Aus meiner Sicht ist es nicht realistisch, weil wir als Gemeinde für das Spital nicht zuständig sind. Das Spital ist eine privatrechtliche Institution, es ist eine Aktiengesellschaft. Und die Gebäude vom Spital gehören dem Spitalverein. Das ist ebenfalls eine juristische Person, und Gemeinden haben da keinen Anteil. Was auch wichtig ist: Das Spital geht ja nicht zu. Man macht keine Operationen mehr und die Akutabteilung schliesst, aber die Langzeitpflege bleibt, die Küche bleibt, der Notfall bleibt. Es gibt einfach einen Tagesnotfall, und auch die Rettung bleibt.
Was wir von den Gemeinden aus als Verpflichtung haben, ist, im Zusammenhang mit der GGPL 2030 eine Versorgungsregion aufzubauen. Das ist die gesundheitspolitische Gesamtplanung 2030, die der Kanton ausgearbeitet hat. Hier ist die Strategie für die Zukunft festgehalten. Und dort ist vorgesehen, dass Gemeinden sich zu Versorgungsregionen zusammenschliessen. Die Versorgungsregionen haben die Aufgabe, die gesundheitliche Grundversorgung der – zunehmend älteren – Bevölkerung sicherzustellen.
In diesem Sinn haben wir ein grosses Interesse daran, dass das Spital erhalten bleibt, aber nicht mehr in der bisherigen Funktion als Akutspital. Das Ganze ist für die Gemeinden keine einfache Aufgabe. Aber wir können sicher Hand bieten und zusammenarbeiten, so dass wir gute Angebote haben im Tal.
Ist Menziken mit anderen Gemeinden im Austausch betreffend Gesundheitsversorgung im Wynental?
Ja, im Moment läuft alles noch über den Regionalplanungsverband aargau-Süd regio. Dieser ist beauftragt, die Versorgungsregion aufzugleisen. Und innerhalb dieses Konstrukts sind wir im Austausch.
Der Gemeinderat wurde scharf kritisiert, weil er so lange nichts zur Spitalschliessung sagte. Warum hat sich der Gemeinderat bis letzte Woche Zeit gelassen mit seiner Stellungnahme?
Das stimmt nicht ganz. Als die Schliessung bekannt wurde, haben wir sehr wohl Stellung bezogen (siehe Wynentaler Blatt Nr. 27). Danach waren Sommerferien, und es ist ein bisschen ruhiger geworden. Aber wie gesagt, letztlich ist das ein Entscheid, den die Gemeinde nicht beeinflussen kann.
Wäre es nicht die Rolle des Gemeinderats, in solchen Themen fürs Volk da zu sein und die Bevölkerung wenigstens zu beruhigen?
Was wir zu erklären versucht haben, ist, dass wir uns den Prozess anders gewünscht hätten, als wie er schliesslich ablief. Wir hätten gern gesehen, wenn die Veränderungen in der gesundheitlichen Versorgung rollend vonstatten gegangen wären. Dass das jetzt so Knall auf Fall gekommen ist, war auch für uns ein Schock. Aber auf die Schliessung dieser Abteilung hatten wir keinen Einfluss. Diese Veränderung ist politisch gewollt.
Wie meinen Sie das?
Es ist eine politische Absicht, von Kanton und Bund, dass die Akutversorgung zentralisiert wird. Und inwiefern wir da die Bevölkerung beruhigen können, ist schwer zu sagen. Das ist ein sehr emotionales Thema.
Der Gemeinde Menziken wird Untätigkeit vorgeworfen. Was hat der Gemeinderat bis jetzt gemacht, seit die Schliessung bekannt wurde?
Wir haben unsere Unterstützung bei der Koordination angeboten, im Sinne von: Was brauchen wir von der Versorgungsregion her? Wo sehen wir Felder, die man vielleicht mit dem Spital zusammen erarbeiten kann? Das ist, was wir unterstützend leisten können. Aber letztlich können es die Gemeinden nicht finanzieren. Die Akutabteilung wieder öffnen können wir ebenfalls nicht.
Fanden Gespräche mit der Asana-Gruppe statt?
Bisher ist eigentlich kein Kontakt mit der Asana-Gruppe da. Mit dem Spitalverein besteht der Kontakt, und es werden Gespräche stattfinden.
Wie beurteilen Sie das, wenn Sie als Gemeinde quasi aussen vorgelassen werden?
Es ist korrekt, weil wir nicht Teil dieser Aktiengesellschaft sind. Das Aussergewöhnliche an dieser Situation ist, dass es um ein Spital und damit um die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung geht. Würde man das jetzt aber anschauen wie eine «normale wirtschaftliche» Firma, dann würde niemand danach fragen.
Ehemalige Gemeinderäte halten sich mit Kritik an aktuellen Gemeinderäten oder am Gemeinderat insgesamt nicht zurück. Wie wirkt das auf Sie?
Damit setze ich mich nicht auseinander. Wir hatten letztes Jahr schon eine Schlammschlacht in den sozialen Medien im Zusammenhang mit den Gemeinderatswahlen. Damals hat niemand von mir dazu einen Kommentar gehört. Und das wird auch jetzt so sein. Ich bin nicht aktiv auf den sozialen Medien.
Meine Aufgabe ist es jetzt, sachlich und ruhig zu bleiben und auf eine Art und Weise zu kommunizieren, wie wir es als Gemeinderat vertreten können.
Ein abschliessendes Wort zum Thema Spital vielleicht?
Gerne: Uns liegt sehr viel daran, dass das Spital erhalten bleibt, wenn auch nicht in der bisherigen Form. Das ist uns klar, dass es nicht mehr so sein wird wie früher. Es ist auch nicht so, dass wir jetzt nicht mehr adäquat versorgt sind. Wir haben das Spital Sursee, eine Viertelstunde von hier. Sursee, also das LUKS, wird auch die Rettung und den Notfall zur Verfügung stellen. Es gibt Veränderungen, aber es ist nicht so, dass wir jetzt ohne Versorgung dastehen.
«Wenn es um unsere Kinder geht, verstehe ich keinen Spass.»
Wechseln wir zu einem anderen brennenden Thema in Menziken: Die allgemeine Sicherheit – namentlich auf dem Schulweg. Es gab in den letzten Tagen mehrere Vorfälle. Wie ist der aktuelle Stand aus Ihrer Sicht?
Der Eritreer, der in diesem Zusammenhang erwähnt wird, ist im Moment in Haft. Wie lange er in Haft bleibt, wissen wir jetzt im Moment nicht.
Der andere Fall, der Mann mit dem Messer (siehe Wynentaler Blatt Nr. 37), ist etwas rätselhaft. Erstens ist die Meldung relativ spät an die Polizei gegangen, damit diese noch hätte handeln können. Zweitens ist nicht klar, ob dort wirklich eine Bedrohung vorgelegen ist.
Der aktuelle Stand heute ist, dass die Polizei vermehrt patrouilliert, und die Gemeinde hat einen Sicherheitsdienst angestellt, der am Morgen, über Mittag und nach Schulschluss ebenfalls patrouilliert, vorläufig mal bis zu den Herbstferien.
Ist Menziken ein gefährlicheres Pflaster als andere Gemeinden?
Man kann es vielleicht so sagen: Wir sind sicher nicht allein. Es gibt noch andere Gemeinden, die mit diesen Themen kämpfen, und es ist sicher nicht in jeder Gemeinde gleich.
Aus den Reaktionen, die wir in den letzten paar Tagen mitbekommen haben, erwuchs der Eindruck, dass sich Eltern zum Teil von der Schulleitung im Stich gelassen und nicht ernst ge- nommen fühlten. Wie erleben Sie die Situation?
Ich verstehe die Eltern. Wenn es um unsere Kinder geht, verstehe ich keinen Spass. Wirklich nicht. Darum finde ich, muss man das ernst nehmen, und darum haben wir auch den Sicherheitsdienst eingeschaltet.
Man hört, dass einige Eltern jetzt wieder vermehrt Elterntaxi spielen und die Kinder in die Schule bringen. Was sagen Sie dazu?
Ich kann es nachvollziehen. Es ist einfach so: Mit diesen Elterntaxis gefährden sie Kinder auf dem Schulweg. Es fahren grosse Fahrzeuge auf engstem Raum in der unmittelbaren Nähe der Schule herum. Die Gefährdung von Kindern durch die Elterntaxis ist sehr gross.
Ich würde es viel mehr begrüssen wenn Eltern sich zusammentun und vielleicht abwechselnd die Kinder zu Fuss begleiten oder abholen. Denn der Schulweg ist für das Kind und auch für Kinder in Gruppen ein ganz wichtiger Bestandteil ihrer sozialer Entwicklung. Und das nimmt man ihnen, wenn man sie mit dem Auto in die Schule bringt.
Wie nachvollziehbar ist es für Sie, dass Eltern auf die Medien zugehen und ihr Problem dort deponieren?
Ich kann es schon verstehen. Es ist eine gewisse Ohnmacht da, und dann sucht man sich Hilfe, wo man kann. Da ist es für uns immer sehr wichtig, dass wir einfach ruhig und sachlich bleiben in der Kommunikation. Aber wir nehmen die Anliegen der Eltern ganz klar ernst. Es geht um unsere Kinder.
Den Eltern sei gesagt worden: Es ist ja nichts passiert. Man könne nichts machen. Sie haben zwar jetzt gesagt, der Mann sei in Haft, aber Sie wissen nicht wie lange. Also es kann sein, dass der morgen schon wieder draussen ist. Muss zuerst «etwas passieren»?
Das hängt einfach mit unserer Gesetzgebung zusammen, und der Polizei steht nicht mehr Handhabe zur Verfügung. Aber der Gedanke, dass zuerst etwas passieren muss, ist tatsächlich schwer nachvollziehbar.
Die angesprochenen Themen nehmen Sie sicher stark in Anspruch. Dazu hatten Sie mit dem Scheunenbrand auf der Burg auch privat einen schweren Schlag zu verarbeiten. Wie geht es Ihnen?
Es ist im Moment gerade ein bisschen viel, muss ich zugeben. Aber ich nehme eins ums andere und habe auch viel Unterstützung.

