Wo die Wertschätzung der Lebensmittel gelebt wird
13.05.2026 PfeffikonBei besten Wetterverhältnissen, zwischen einer reich wachsenden Pflanzenwelt, fanden vergangenen Samstag zahlreiche Besucherinnen und Besucher den Weg in Gaia’s Garden. Nebst spannenden Führungen, wo es wissenswerte Fakten zu erfahren gab, konnten sich die Gäste mit ...
Bei besten Wetterverhältnissen, zwischen einer reich wachsenden Pflanzenwelt, fanden vergangenen Samstag zahlreiche Besucherinnen und Besucher den Weg in Gaia’s Garden. Nebst spannenden Führungen, wo es wissenswerte Fakten zu erfahren gab, konnten sich die Gäste mit Setzlingen eindecken, neue Pflanzen an der Tauschbörse finden und sich kulinarisch mit verschiedenen Burgern verköstigen – natürlich mit Fleisch- und Gemüse-Patties vom eigenen Hof.
Wer am Samstag durch das offene Gartentor trat, schritt in eine Welt, fernab vom Alltagsstress und Trubel. Trotz hoher Besucherzahl war eine wohltuende Ruhe spürbar. Eine Ruhe, welche sie nur die Natur im Einklang mit sich selbst bieten kann.
So funktioniert’s
Eine Kundin bezeichnet Gaia’s Garden liebevoll: «Es ist mehr als nur eine Nahrungsquelle, es ist eine Oase.» Als Abonnentin darf sie zu den Tageszeiten zwischen 7 und 21 Uhr selbstständig in den Gemüsegarten, um für ihren Eigengebrauch Gemüse und Kräuter zu ernten. So können die Abonnenten stets frisches Biogemüse ernten und dies ohne Gartenarbeit. Das Abonnement gilt pro Saison und geht von April bis Oktober, beziehungsweise das Winterabo von November bis März.
Eine weitere Gemüsebezieherin erzählt: «Ich hatte vorletztes Jahr ein Abo gelöst, letztes Jahr wollte ich dann aber selbst Gemüse anbauen. Nun, ich habe schnell bemerkt, der Aufwand und Ertrag steht nicht im Verhältnis. Nun bin ich glücklich, wieder ein Abonnement zu besitzen.»
Wer Fragen zur Zubereitung eines Gemüses hat, erhält im gemeinsamen Chat oder vor Ort Tipps und manchmal auch Kochrezepte. Zudem gibt es für sie die Möglichkeit, mit der Familie in der Naturidylle zu verweilen. Dafür stehen Spielplatz, Tische und Stühle bereit.
Diese bequeme und gesunde Lösung ist möglich durch die fleissigen Hände der Hofbetreiber Tilika und David Chamberlin, welche ihr Vision, Landwirtschaft und Menschen zusammenzuführen, tatkräftig umgesetzt haben. «Ich bin sehr stolz auf meine Schwiegertochter und meinen Sohn», sagt Philippe Arnold, welcher als Besucher vor Ort war. «Sie haben aus einem in die Jahre gekommenen Bauernhof, mit viel Arbeit, etwas Wunderbares erschaffen.» Dieser Aussage würden wohl viele der Besuchenden beipflichten. Denn Gaia’s Garden bietet seinen Abonnenten gesunde Nahrung und gleichzeitig darf der Ort zum Verweilen und Geniessen genutzt werden.
Die Vielfalt
An die achtzig verschiedene Gemüsesorten und Kräuter werden über das Jahr verteilt angeboten. Darunter sind auch viele spezielle Sorten. das Saatgut für den Anbau ziehen sie teils selbst. Der restliche Teil wird von Sativa Rheinau AG – Biosaatgut und Pflanzenzüchtung bezogen. Das Ganze wird biologisch und in Permakultur angebaut. Nebst Gemüse finden sich auf dem Hof 10 Mutterkühe, einige Hühner, einer alten Schweizer Zweinutzungsrasse und eine kleine Herde Walliser Weidenschafe.
Doch auch die kleinsten Lebewesen sind auf dem Hof willkommen. «Biodiversität ist uns sehr wichtig», erzählt Tilika Chamberlin. So finden sich auf dem Hof Benjeshecken, Insektenhotels und weitere spezielle Inseln für alles, was ‘kreucht und fleucht’. «Durch die Biodiversität wird ausserdem die Fläche resilienter», erklärt die Visionärin. Zudem werden mehrjährige Kulturen in einjährige Kulturen eingebaut. «Es ist ein unglaubliches Wissen, was die beiden haben», sagt eine Besucherin begeistert.
Auf die Frage, wie es mit dem Wasserverbrauch aussieht, antwortet Tilika: «Wir haben Bäume in die Flächen gesetzt. Damit diese den Nährstoffund Wasserhaushalt der Gemüsepflanzen nicht konkurrenzieren werden sie durch Wurzelschnitt nach unten erzogen, so dass sie tiefer wachsen und aus anderen Schichten als die Nutzpflanzen, ihre Nährstoffe und den Wasserbedarf holen. Somit kann der Wasserverbrauch niedrig gehalten werden und es hat mehr Platz für verschiedene Nutzpflanzen. Sprich, die Fläche kann auch besser genutzt werden.»
Wie sieht es mit Pflanzenschutz aus? «Auf Pflanzenschutz können wir dank der hohen Pflanzen-Diversität auf der Fläche und auf dem Feld verzichten, da es zu keiner Anreicherung von spezifischen Schädlingen oder Schaderregern kommen kann.» Wer Tilika Chamberlin zuhört, merkt schnell, um so etwas aufzubauen braucht es Fachkompetenz und jede Menge Leidenschaft. Und dank viel Fleiss ist in den letzten Jahren in Pfeffikon ein Ort entstanden, an dem Natur und Mensch Hand in Hand zusammenwirken. «Was die beiden machen, ist zukunftsweisend», meint ein erstmaliger Besucher überzeugt.
Janine Flückiger



