Zwischen Krimis und Mundart
04.06.2026 SeetalJedes Jahr im Mai zieht das Literaturschiff auf dem Hallwilersee viele Lesefreudige an. SRF-Redaktorin Britta Spichiger moderierte den unterhaltsamen Abend. Gemeinsam mit Projektleiter Ueli Suter organisierten neun Bibliotheken aus dem Seetal den unterhaltsamen Anlass bereits zum 14. Mal.
«Hallo, ich bin Béla», stellte sich Béla Rothenbühler vor, als Gabriela Kasperski zum kleinen Vorgespräch hinzukam. Diese lachte herzlich und antwortete: «Ich werde auch Bela genannt.» Damit herrschte sofort eine heitere Stimmung, welche den weiteren Abend bestimmte. Sogar eine gemeinsame Rap-Session wurde während des Gesprächs mit Moderatorin Britta Spichiger scherzhaft angedacht. «Ich rappe nämlich manchmal mit meinen Kindern», erzählte Gabriela Kasperski. Ihr Autorenkollege schien nicht abgeneigt – wer weiss, vielleicht hören wir demnächst etwas von «Béla und Béla». So der Name, den Spichiger den beiden für ihr musikalisches Projekt amüsiert vorschlug.
Dass beide in ihrer vielseitigen beruflichen Vita auf Theaterarbeit verweisen können, Kasperski als Schauspielerin, Rothenbühler als Dramaturg, war eine weitere interessante Verbindung. Im Vordergrund standen während der Seerundfahrt aber natürlich die literarischen Werke der beiden Schreibenden. Und während das Publikum auf dem Schiff eine wunderbare Aussicht auf die Berge hatte und Segelboote immer wieder für idyllische Momente sorgten, ging es bald recht kriminalistisch zu.
Krimis vor schönster Kulisse und Mundart im Kulturbetrieb
Den Anfang der Leserunde bestritt Gabriela Kasperski mit ihrer beliebten Protagonistin Libby Andersch. «Dazu muss ich noch erzählen, dass der neue Band ‹Tödlicher Rheinfall› soeben erschienen ist», teilte sie strahlend mit. «Das Literaturschiff ist damit gleichzeitig eine Buchvernissage.» Zum Hintergrund des inzwischen vierten Falls der Hobbydetektivin, die ein wenig an Miss Marple erinnern soll, führte sie aus: «Die Wucht des Rheinfalls ist anziehend und faszinierend – ein idealer Ort für ein Verbrechen.» Die Zuhörenden kamen in den Genuss des ersten Kapitels – wie es weiter geht, löste die Autorin nicht auf. Dafür hatte sie ein weiteres neues Buch dabei: «Bretonisch mit Meeresrauschen». Dazu berichtete Gabriela Kasperski, wie sehr sie die Bretagne in den Bann gezogen habe. Britta Spichiger fragte, ob sie hauptsächlich dort ihre Bretagne-Krimis verfasse. Dazu Kasperski: «Ich schreibe viel vor Ort und versuche dann, die Atmosphäre mitzunehmen.» Beide Bücher dürften sämtliche Krimifans auf dem Literaturschiff neugierig auf die Lösungen der Fälle gemacht haben.
Bevor Béla Rothenbühler aus seinem Roman «Polifon Pervers» vorlas, sprach auch er mit Britta Spichiger über die Entstehung und den Hintergrund seines Buches. «Ehrlich gesagt war es ein Pandemie-Frustprojekt», erläuterte der Autor. «In der Zeit habe ich mich sehr viel mit Versicherungen beschäftigen müssen, viel mehr, als man das möchte.» Daraus sei die Idee zu einem Schelminnenroman über die Abgründe der Kulturbranche entstanden. Das Besondere dabei: Das satirische Buch erschien in Mundart. Ausserdem wurde Béla Rothenbühler dafür für den Schweizer Buchpreis nominiert und er erhielt den Schweizer Literaturpreis. «Das war der absolute Wahnsinn und hat mir viele tolle Folgeaufträge beschert», resümierte der junge Autor. Und so nahm er die aufmerksamen Zuhörenden mit in die ersten beiden Kapitel von «Polifon Pervers». Die Schilderungen über die Gründung des Kulturvereins mit eben jenem klangvollen Namen, die Wendungen rund um die Kulturförderung und sogar die Geldwäsche wurden mit herzhaftem Lachen und viel Applaus bedacht.
Damit nicht genug, auch Britta Spichiger hatte interessante Buchempfehlungen, von Romanen bis zu Sachbüchern, vorbereitet. Ausserdem gab es die Möglichkeit, sämtliche vorgestellten Bücher des Abends zu erwerben – die beiden Autoren nahmen sich gern die Zeit, sich mit ihren Leserinnen und Lesern in den Pausen auszutauschen und um ihre Bücher zu signieren.
Bücherfreunde aus dem Seetal dürften sich bereits auf das nächste Literaturschiff freuen, welches Ueli Suter gemeinsam mit den Bibliotheken Beinwil am See, Birrwil, Fahrwangen, Hitzkirch, Hochdorf, Meisterschwanden, Sarmenstorf, Seengen und Seon so engagiert organisiert.
Verena Schmidtke



