Zwischen Textbild und Ton
25.06.2026 RegionDas Erleben des poetischen Moments bildet den Angelpunkt des Seetaler Poesiesommers. Das Festival der leisen Töne lebt auch in der 27. Ausgabe von seiner Spontanität und regt an, dass sich Kultur im lokalen und (inter-)nationalen Austausch mitteile, unter Bäumen und im ...
Das Erleben des poetischen Moments bildet den Angelpunkt des Seetaler Poesiesommers. Das Festival der leisen Töne lebt auch in der 27. Ausgabe von seiner Spontanität und regt an, dass sich Kultur im lokalen und (inter-)nationalen Austausch mitteile, unter Bäumen und im Salon, im Atelier oder im Ried, auf Burgen und im Ruderboot, stets mit Blick auch auf Entlegenes. Literaturliebhaber und solche, die es werden wollen, werden es während des Poesiesommers.
(Eing.) Eröffnung: 5. Juli, 11 Uhr, auf Schloss Heidegg: «De profundis tenebrarum mundo lumen exit clarum et scintillat hodie…» So beginnt einer der liturgischen Gesänge im Graduale von St. Katharinental. Pirmin Meier (Aesch/St. Ursen), Verfasser gewichtiger historiographischer Werke, präsentiert das spätgotische Choralbuch im Faksimile und beleuchtet die spannende Geschichte des 14 kg schweren Manuskripts, das zu den kostbarsten Dokumenten der Schweiz gehört. – «… Di notte voci invisibili e rumori / mi danzano intorno leggeri: / seguo il corso lucente della luna / conto le stelle ad una ad una.» – «… Bei Nacht umtanzen mich leichte / unsichtbare Geräusche und Stimmen: Ich folge dem leuchtenden Lauf des Monds / und zähle die Sterne, Stern um Stern.», heisst es im druckfrischen Band Dopo la pioggia – Nach dem Regen des Tessiner Lyrikers Enzo Pelli (Gentilino). Christoph Ferber (Ragusa) hat ihn übersetzt. Die deutschen Texte liest Cornelia Masciadri (Hunzenschwil). Die Matinée begleitet Hansruedi Zeder (Hochdorf) mit Stücken von Brent Parker (1933-2017), Franz Schnyder von Wartensee (1786-1868) und Nicola Elias Rigato (*1981) am Konzertflügel und am Clavichord.
Montag, 6. Juli, Antiquariat Beinwil am See, 15 Uhr
«Scorre il pennino sul foglio / di ruvida carta: s’impiglia / gratta, qualche volta macchia. / Ma è grato alla mente e all’orecchio / quel metallico raschiare, / che ti ipnotizza ti fa viaggiare.» – «Der Stift gleitet über das raue / Papier: er stockt, kratzt, / gelegentlich fleckt er: / doch dieses Metallgeräusch / ist dem Gemüt und dem Ohr gefällig, / es hypnotisiert dich: / schon bist du auf Reisen.» Der Tessiner Lyriker Enzo Pelli (Gentilino) pflegt auch die Kunst der Kalligrafie, die dem geschriebenen Wort über seine Bedeutung hinaus Anmut verleiht. 2002 gründete er Il Gruppo Calligrafia in Ticino. – Eine hypnotisierende Wirkung übt ebenso die Cyanotypie aus. Hannes Eichenberger (Beinwil am See) führt das alte fotografische Druckverfahren des Blaudrucks – und den Reiz des nostalgischfrechen Polaroids – anhand von selbst erstellten Werken vor. – Adresse: Antiquariat Johannes Eichenberger, Aarauerstr. 12 (vis-à-vis Bahnhof).
Mittwoch, 8. Juli, Beinwil am See, 19 Uhr
Schreiben im Ruderboot. Wer sich in der Visitenstube des Aargaus zu lyrischen Texten anregen lassen möchte, kann sich mit Block und Bleistift versehen im Ruderboot auf dem Hallwilersee rudern lassen und auf der abendlichen Partie ganz dem Schreiben hingeben. – Anmeldung erforderlich.
Donnerstag, 9. Juli, Hunzenschwil, 15.15 Uhr
«Sitzen im Strassen- / Café // Den Mädchen / entgegenblicken // Frische Luft / allenthalben // Die Tramway / bringt neue / BAGAGE»: Pedro Meier (Niederbipp), vielgereister Autor und Multimedia-Künstler, liest aus seinen legendären Notizbüchern unveröffentlichte Texte. – Ort: c/o Martin Strebel und Cornelia Masciadri, Bahnhofstrasse 15 (vis-à-vis Bahnhof Hunzenschwil).
