Noch werden die neuen Züge getestet

Fr, 15. Mär. 2019

Am Mittwochabend rollte die zweite von fünf Zugkompositionen der ABe 4/12-Serie in Suhr ein. Seit der ersten Lieferung im Februar sind bereits Verbesserungen angebracht worden. Aber auch dieser Zug muss zuerst auf Herz und Nieren getestet werden. Ein Besuch in der Werkstatt in Schöftland.

rc. In den vorderen Wagen der neuen Zugkomposition Nr. 70 liegen graue Schachteln und technische Geräte, verschiedene Kabel hangeln sich durch die Abteile. An einem Computer sitzt ein Mitarbeiter von Stadler Rail und konfiguriert über eine Software Dutzende von Einstellungen. Nichts wird hier dem Zufall überlassen. Wurden einige Einstellungen vorgenommen, rollt der Zug testweise, aber ohne Passagiere, über die Gleise. Meistens nach Mitternacht, wenn der reguläre Zugverkehr ruht. «Diese Vorbereitungen sind wichtig, damit wir die Züge ab dem 23. Mai in den regulären Betrieb einplanen können», sagt René Fasel. Leiter Bahn bei Aargau Verkehr AG (AVA). Selbst dann wird der Zug nicht in der Hauptverkehrszeit verkehren, sondern seine ersten Alltagsfahrten an Randstunden absolvieren». Die Fahrgäste seien aber zu keinem Zeitpunkt Testpublikum, ergänzt Pierino Guardiani, Leiter Bahnproduktion Region West bei der AVA. «Die Sicherheit geht vor, es geht alleine um die Erprobung im Alltag. Stadler steht für ihre Produktqualität ein und begleitet das Projekt bis zur Einsatzreife der Fahrzeuge». Will heissen: auch für ein neues «Tram» gibt es wie bei einem normalen Haushaltsgerät eine Garantie von zwei Jahren.

Feintuning bei Mitternachtsfahrten

Einstellungen, die nun vorgenommen werden, bewegen sich im Bereich feiner Nuancen: Die Regelung des Fahrzeugs wird optimiert, um eine komfortable Fahrt zu gewährleisten. Die Stimmen der Durchsagen mussten aus technischen Gründen neu aufgenommen werden, stammen aber weiterhin von der vertrauen «SBB-Stimme» Isabelle Augustin. Die Art und Lautstärke der Durchsagen, Helligkeit im Fahrgastraum, Klimaeinstellungen, die Anzeigen auf den Bildschirmen, wie lange eine Tür offen bleibt und vieles mehr werden konfiguriert. Auch mechanische Mängel, die man erst während der Fahrt entdeckt, werden behoben: «Im Bereich des Rückspiegels gab es ein leichtes Pfeifgeräusch, das im Führerstand bei schneller Fahrt hörbar war», erklärt Michael Zimmermann, technischer Projektleiter von Stadler Rail als Beispiel. «Hervorgerufen wurde dies durch einen kleinen Spalt. Die entsprechende Anpassung haben wir vorgenommen und direkt an das Werk in Bussnang gemeldet, damit die weiteren Züge schon richtig gestellt werden können». Dieser Austausch findet in allen Belangen regelmässig statt. Auch der Vertreter von Stadler unterstreicht noch einmal, dass die Züge schon jetzt sicher seien, «im Wesentlichen geht es um die Perfektionierung des Fahrkomforts.»

Mit den Füssen immer auf dem «Totmannpedal»

Optisch wurden einige Wünsche von Verkehr – oder von der Wynen- und Suhrentalbahn, wie mans lieber hat – umgesetzt: «Der Fahrgastbereich ist grosszügig ausgestaltet, die Fensterfronten sind gross», erklärt Lukas Schoch, kommerzieller Projektleiter bei Stadler. «Transparenz und das Sicherheitsgefühl waren ein Kundenwunsch, auch das Layout im Führerstand bestimmt der Besteller der Züge.» Nicht nur die Passagiere verfügen demnach über ein grosszügigeres Platzangebot, auch für die Lokführer und Lokführerinnen gibt es Verbesserungen. Die Front und der Führerstand seien «neuste Generation», fügt Pierino Guardiani von Aargau Verkehr an. Neu sitzt das Lokpersonal in der Mitte des Führerstands. Früher war sein Platz seitlich angeordnet. Die grossen Fenster verschaffen ihm einen noch besseren Überblick über alles, was sich um den Zug herum abspielt. Die technischen Einrichtungen sind ebenso top modern – jedoch auch bewährte Einrichtungen findet man im neuen ABe 4/12: Den Fuss hat der Lokführer nämlich seit je her immer auf dem «Totmannpedal». Der umgangssprachliche Ausdruck steht für ein System, das offiziell «Sifa» (Sicherheitsfahrschaltung) heisst. Befinden sich die Füsse des Lokführers – etwa wegen eines medizinischen Problems – nicht auf dieser Platte, legt der Zug automatisch die Bremsung ein.

Bundesamt prüft jeden Zug

Zug Nummer 70 ist bald einsatzbereit, Zug Nummer 71, der vorgestern Mittwoch angeliefert wurde, wird es auch bald sein. «Sind alle Einstellungen und Anpassungen vorgenommen, wird ein umfangreicher Testbericht angefertigt und das Bundesamt für Verkehr prüft den Zug noch einmal von A bis Z», erklärt René Fasel abschliessend. Dieses Prozedere durchläuft jedes neue Projekt. So wird ein sicherer Betrieb zwischen Menziken und Schöftland sichergestellt. Am 18. Mai wird die neue Generation bei einem Einweihungsfest in Schöftland offiziell willkommen geheissen − bis dahin gibts noch einiges zu testen.

Kategorie: 

Neuen Kommentar schreiben

CAPTCHA
Diese Frage soll automatisierten Spam verhindern und überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind.

Kommende Events

Stellen

Immobilien

Diverses

Trending

1

Moment bitte...

Nach einem Leben in aargauSüd lockt die Karibik: Adrian Sulzer von der Regionalpolizei aargauSüd kehrt der Schweiz den Rücken zu. Zusammen mit seiner Frau Barbara will der Auswanderer  seinen «Ruhestand» in Kuba verbringen.

msu. Karibik statt Schweiz, Kuba statt Wynental: Genau genommen hat das Abenteuer Auswanderung vor vielen Jahren, an einem Jugendfest in Beinwil am See begonnen. Damals stand der Regionalpolizist Adrian Sulzer zusammen mit anderen Schaulustig...