«No-Budget-Film» mit Auszeichnung
25.11.2021 Beinwil am See, ReinachIm TaB Atelierkino fand vergangene Woche die Premiere des Dokumentarfilms «Ich bin wer ich bin – Karin goes Gertrude» von Silvia Dittli statt. Die Böjuerin erzählt darin einfühlsam die Geschichte der singenden Clownin Karin B. Friedli alias ...
Im TaB Atelierkino fand vergangene Woche die Premiere des Dokumentarfilms «Ich bin wer ich bin – Karin goes Gertrude» von Silvia Dittli statt. Die Böjuerin erzählt darin einfühlsam die Geschichte der singenden Clownin Karin B. Friedli alias Gertrude.
rc. Gut 80 Gäste und Kinobesucherinnen drängten sich am vergangenen Donnerstag um die Bar und die kleinen Tischchen im oberen Stock des Theaters am Bahnhof. Bevor der Film «Ich bin wer ich bin» Premiere feiern konnte, stiessen die fast ausschliesslich weiblichen Film-Beteiligten auf das fertige Produkt an. Drei Jahre nahm die Produktion des Streifens in Anspruch, wobei er eher durch Zufall entstanden ist. Silvia Dittli experimentierte mit der Kamera, gleichzeitig brauchte ihre langjährige Freundin Karin Friedli Aufnahmen von den Proben zu ihrem neuen Programm, bei dem Operngesang und Clownerie zusammengeführt werden. Dafür machten sich die beiden Frauen auf den Weg nach Menorca, in die «Clown School» von Eric de Bont.
Geplant war vorerst gar nichts
«Ohne zu wissen, was da auf mich zukommt», schildert Dittli die Situation vor drei Jahren. «In dem Moment, als ich gesehen habe, wie Karin und Eric proben, hat mich das sehr berührt und ich fragte die beiden, ob ich sie weiter mit der Kamera begleiten darf.» Ein rollender Prozess sei es gewesen, «wie man es eigentlich nicht macht», scherzt die Filmemacherin weiter. «Durch das Material, das ich hatte, kam mir die Idee, daraus einen Dokumentarfilm zu machen». Alles Weitere habe sich nach und nach ergeben. Verschiedene Weiterbildungen, Menschen, die ihr in Sachen Dramaturgie und Filmschnitt weiter halfen, seien dazugestossen. Neben sehr viel Frauenpower war auch Familie an Bord: Silvia Dittlis Bruder Stefan komponierte die Filmmusik. Auch Clownin Gertrude, die im richtigen Leben Karin B. Friedli heisst, sagt, es sei ursprünglich nicht Absicht gewesen, aus ihrem Leben eine Doku zu machen: «Irgendwann habe ich dann gemerkt, dass es doch etwas grösseres wird. Manchmal hatte ich Zweifel, der Film zeigt ja nur einen Teil von mir, wie es damals war. Heute sage ich: für mich ist es ein stimmiges Zeitdokument. Ich meine, wer hat das schon von sich.»
«Ein Wunsch, ein Weg zum Ziel»
Entstanden ist ein «No-Budget-Film», wobei die eine oder andere Dienstleistung und das Material dann doch etwas gekostet haben. Wer den Film nun betrachtet und sich ein Urteil bilden will, wird zwei Aspekte berücksichtigen müssen. Erstens: ist der Inhalt interessant genug um ein gezieltes, oder im Idealfall breites Publikum anzusprechen und zweitens: ist der Film im Sachen Bildqualität, Kameraführung, Schnitt und Ton so gut gemacht, dass er vom Inhalt nicht ablenkt? Wenn man nun zum Schluss kommt, der Dokumentarfilm sei das, was man von einem Dokumentarfilm erwartet, so ist das als Kompliment zu verstehen. Das Porträt ist spannend und auf jeden Fall sehenswert und die erzählerischen und technischen Komponenten unterstützen die Geschichte um eine Clownin, die für ihre Idee nicht den Weg des geringsten Widerstands gegangen ist. Mit Fortdauer der Handlung schliesst man die beiden Hauptfiguren immer mehr ins Herz und erinnert sich an die Botschaft, die der Film vermitteln soll: «Ein Wunsch, ein Weg zum Ziel». Ein Motto, das sowohl für die Crew wie auch für die Hauptdarstellerin gilt.
Von Böju in die weite Welt hinaus
Filmkunst aus dem Seetal, das gibt es nicht alle Tage. Moderator Maurice Velati fühlte beim anschliessenden Podiumsgespräch dem Cast und der Crew weiter auf den Zahn und liess die Protagonisten ihre Erfahrungen noch einmal Revue passieren. Die vielen Premiere-Gäste erfuhren, dass die gesehenen 60 Minuten aus 40 Stunden Filmmaterial entstanden sind, dass der Corona-Lockdown gewisse Räume eröffnet hatte und nun auch einiges an Promotion betrieben werde. So soll der Film an Festivals gezeigt werden, später sind Aufführungen geplant, an denen Auftritte von Clownin Gertrude zu sehen sind. Auch einen Preis hat Silvia Dittlis Film bereits gewonnen: Beim «Berlin Indie Film Festival» errang er die Ausszeichnung «Best Documentary». «Eine Auszeichnung, die uns sehr stolz macht», sagte die Böjuer Filmemacherin zum Schluss – vielleicht auch Motivation für einen zweiten Film? «Eine Idee hätte ich, aber das ist noch alles weit weg und gar nicht spruchreif.»
Der Film «Ich bin wer ich bin – Karin goes Gertrude» läuft im TaB Atelierkino noch einmal an den kommenden Sonntagen, 28. November und 5. Dezember, jeweils um 11 Uhr.

