Manchmal ist ein Kuss doch mehr als ein Kuss

Do, 26. Jan. 2023
Aus einem kleinen Kuss wurde eine ganze Operette. (Bild: Andreas Bolliger)

Am Samstagabend schien ganz Böju in Bewegung. Von überallher strömten Menschen Richtung Löwensaal, sie hatten die Operette schmerzlich vermisst. Vorfreude lag in der Luft.

grh. Kurz vor 19 Uhr erklang die Saalglocke und das Publikum betrat eine andere Welt. Es war an einem Abend 1882 im «Grand Hotel Krakau». Der Wiener Komponist Carl Millöcker quält sich beim Schreiben, sucht verzweifelt Inspiration. Bis ein verliebtes Paar in der Schönheit der Jugend die Lobby stürmt. Der Mann kann kaum an sich halten, bis er den Zimmerschlüssel vom Concierge bekommt. Er küsst seine Angebetete auf die Schulter. Der kurze Stimmungswechsel und der Sieg der Verliebtheit am Ende lösen Millöckers Schreibblockade. «Ich hab sie doch nur auf die Schulter geküsst» wird zum Beginn einer turbulenten Operette über die Wirrungen menschlicher Gefühle gesungen.

Ein eigenes Universum

Die Handlung mochte der eine oder andere schon kennen. Doch die Feierlichkeit eines ganzen Orchesters hatte eine eigene Magie. Es schien, als würden Musiker und Musikerinnen unter der Leitung von Andres Joho den Raum wachsen lassen. Aus dem Saal wurde ein eigenes Universum. Die Kostüme von Brigitte Fries liessen die Besonderheiten jener Zeit, beispielsweise eine Tournüre, die als Metallgestell dazu da war, den Rock über dem Gesäss aufzubauschen, ganz natürlich wirken. Die Mieder und Jacken liessen Luft zu Spiel und Tanz. Der Handfächer, unverzichtbar in dieser Operette, waren als selbstverständliches Accessoire jener Zeit integriert. Die Farben bekamen durch die Beleuchtung von Ueli Riegg und Ueli Binggeli eine Leichtigkeit, dass man kaum wusste, wohin man als erstes schauen sollte.

Jeden sehnsuchtsvollen Ton

Für den klangvollen Charme sorgten Monika Käch (Palmatica), Andrea Suter (Laura) und Barbara Felicitas Marín (Bronislawa). Um den männlichen Überschwang kümmerten sich Christoph Waltle (Symon Rymanowicz), Fabio De Giacomi (Jan Janicky) während Andreas Wuffli (Oberst Ollendorf) zwischen seinen Gefühlen als Grandseigneur und Meditation schwankte. Unzählige Details in Liedern und Szenen machten die Inszenierung unter der Regie von Raschid Kayrooz faszinierend opulent. Beispielsweise stand, als Laura und Symon ihre Liebe besangen, halb verborgen hinter einer Säule ein Dienstmädchen, das voller Verträumtheit lauschte. Ihr Gesicht spiegelte jeden einzelnen, sehnsuchtsvollen Ton. Stehende Ovationen krönten die Premiere des «Bettelstudenten». Die Theatergesellschaft hat mit der Operette Millöckers mitten in Beinwil ein Kunstwerk geschaffen. Um es in seiner Vielschichtigkeit zu erfassen, ist ein Besuch nicht genug. Glücklicherweise stehen noch einige Vorstellungen auf dem Plan und damit bieten sich auch für Zuschauer ohne Operetten-Erfahrung Möglichkeiten, zum Fan der Theatergesellschaft zu werden.

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