«Es findet eine regelrechte Transformation statt»
02.03.2023 DürrenäschDas Dorfzentrum von Dürrenäsch wird heute noch von alten Industriebauten geprägt − das soll sich bald ändern. An einer Präsentation hat die Eigentümerfamilie Sager Pläne gezeigt, wie das «Korki-Areal» in ein Quartier ...
Das Dorfzentrum von Dürrenäsch wird heute noch von alten Industriebauten geprägt − das soll sich bald ändern. An einer Präsentation hat die Eigentümerfamilie Sager Pläne gezeigt, wie das «Korki-Areal» in ein Quartier für Familien und Senioren verwandelt werden könnte. Die interessierte Bevölkerung kam in Scharen ins Bürogebäude an der Leutwilerstrasse.
rc. «Ich bin richtig überrascht vom grossen Aufmarsch», zeigte sich Rudolf Sager von der Sarudo AG mit Blick auf die über 100 Interessierten, hoch erfreut. «Es sind auch Leute von auswärts da und teilweise stand das Publikum in der Schlange bis nach draussen». Seine Firma kümmert sich um die Neugestaltung des «Korki-Areals», in dem bis 2012 die «profilsager» beheimatet war. Bis in die 1960er-Jahre befand sich hier eine Korkrösterei für allerlei Korkprodukte − daher der Name. Angeregt durch die neue Bau- und Nutzungsordnung, in der für das «Korki-Areal» eine Wohnnutzung vorgesehen ist, veranstaltete die Familie Sager im letzten Jahr einen Architekturwettbewerb für ein Richtprojekt. Mit der Präsentation am vergangenen Donnerstag erhielt die Öffentlichkeit nun erstmals Einblick in die verschiedenen Projekte.
Altes Bürogebäude wird Bindeglied zwischen Dorf und Siedlung
Entstehen soll eine Überbauung für Wohnen und Arbeiten vor Ort, mit hellen Begegnungsräumen um die Gemeinschaft zu pflegen. «Daraus soll eine angenehme Lebendigkeit entstehen, auch mit einem Treffpunkt in Form eines Cafés auf dem Platz», sagte Michael Hauser, Präsident der Jury, die das Siegprojekt erkoren hat zu den Gästen im Bürogebäude an der Leutwilerstrasse. Von all den Bauten ist dieses übrigens das einzige, das stehen bleibt. Es soll dereinst als Bindeglied zwischen Dorf und Siedlung, Geschichte und Zukunft fungieren. «Die übrigen Fabrikationsbauten sind strukturell oder baulich nicht zu gebrauchen und werden abgerissen», hielt Sager weiter fest − Das ehemalige Industriegelände verändert sich damit fast komplett.
Es wird nicht einfach drauflos gebaut
Nach der Ansprache bot sich dem Publikum das Projekt aus allen Blickwinkeln zu betrachten. Ein Modell wurde aufgebaut und auch viele Pläne waren zu sehen. Im Gespräch mit den Jurymitgliedern und den Architektten des Siegerprojekts war dabei zu erfahren, welche Gedanken man sich bei der Planung gemacht hat. So erfuhr man, dass das Vorhaben auf eine heterogene Bewohnerschaft ausgerichtet ist: Reiheneinfamilienhäuser wechseln sich mit Mehrfamilienhäuser ab. In mehreren Etappen entstehen so rund 65 Wohneinheiten mit dem «Korki- Platz» im Zentrum, wobei ein Begenugsraum alles miteinander verbindet. In Dürrenäsch wird aber nicht einfach drauflos gebaut, das Dorfbild werde sich langsam verändern. «Das ermöglicht eine vorsichtige Anpassung der Infrastruktur an die zunehmende Bevölkerungszahl von Dürrenäsch», hiess es an der Veranstaltung weiter. «Man muss schon sehen, das Dorf erfährt mit dem Umbau des Korki-Areals eine regelrechte Transformation, das wollen wir behutsam angehen».
«Heute stehen wir an der Schwelle zu einem neuen Zeitalter mit dem Korki-Areal. Unsere Familie freut sich sehr, dieses Ereignis heute durchzuführen.», hielt Rudolf Sager fest, der sich für seine Ansprache übrigens auf einen Stuhl stellte. «Damit ich gesehen werden kann und umgekehrt auch», lachte der Unternehmer. Zwar habe er ein Manuskript zur Hand gehabt, es sei ihm aber gelungen frei zu reden. Das spricht sehr dafür, was auch die Zuhörerschaft gemerkt hat: Die positive Entwicklung des Areals liegt Sagers am Herzen. Es ist noch nicht lange her, als sich die Familie entschieden hat, sich um eine Lösung zu kümmern, die ins Dorf passt. Und spätestens der Anlass mit der interessierten Dorfbevölkerung gibt der Familie recht, sich über das Erschaffene so so sichtlich zu freuen.
Ein Blick in die Geschichte des Areals
rc. Vor bald 150 Jahren hat man hier angefangen allerlei Artikel aus Kork zu fabrizieren. 1949 erwarb die Familie Sager das Areal aus einem Konkurs. Die Kork-Produktion lief weiter ehe sie 1964 (bis 1982) ins Industriegebiet Dornhügel verlegt wurde. Herbert und Kurt Sager aus der Gründergeneration brachten die damalige Firma Sagos-Kork zur Blüte. Ab 1974 wurde sie in Sager AG umbenannt. Seit Mitte der 1950-Jahre wurden im Korki-Areal weisse Dämmplatten produzieren deren Name «Sagex» sich in die Wahrnehmung der Leute geprägt hat. Mitte der 1980-Jahre verlies auch die Sagexproduktion den Standort im Dorfzentrum von Dürrenäsch. Bereits jetzt zeichnete sich ab, dass das Areal nicht mehr für Industriezwecke genutzt werden kann.
Nach Todesfällen in der Familie kam es 1997 zum Generationenwechsel, der mit schwierigen Zeiten einher ging. Wegweisend war im Jahr 2008 die Trennung der beiden Sparten Dämmstoffe und Kunststoffprofile. Daraus entstand die eigenständige «profilsager ag», der das Areal bis 2022 gehörte. Der Verkauf erfolgte anschliessend an die Immobilienfirma Sarudo AG, die ebenfalls im Besitz der Familie von Rudolf Sager ist und nun die Pläne für die neue Überbauung präsentiert hat. Dies sei als Wetbewerbsprojek zu verstehen, mit einem Baustart kann frühstens 2025 gerechnet werden.



