Am vergangenen Samstag kam es im Ruedertal und in angrenzenden Gemeinden zu einem mehrstündigen Stromausfall. Grund dafür waren zwei Ereignisse, bei denen Hochspannungsleitungen durch Bäume heruntergerissen wurden. Nun ist eine Sicherungsmassnahme nötig, die im Gebiet Geisshof im Reinacher Stierenberger deutlich sichtbar sein wird. Auf einer Länge von 300 Metern müssen rund 250 Bäume gefällt werden.
rc. Gleich vier Kabel wurden am Samstagmorgen in der Nütziweid ob Walde heruntergerissen. Die Reparatur war insofern einfach, weil dabei kein Stromleitungsmasten beschädigt wurde. Praktisch gleichzeitig legte sich im Waldstück hinter dem Gontenschwiler Gasthof Geisshof, im Reinacher Wald, eine 15 Tonnen schwere Weisstanne über die Freiluftleitungen. Sie gab dem Druck des Schnees nach und wie sich herausstellte, war das Wurzelwerk durch einen Pilz beschädigt, was von aussen nicht erkennbar war. Der Zug an den Drähten war so stark, dass die Spitze eines Beton-Mastes abgebrochen wurde. Erst als die Leitungen vom Netz genommen wurden, konnte das Ruedertal über andere Wege wieder mit Strom versorgt werden.
Die Reparaturen am Stromleitungsmasten in Gontenschwil nehmen mehr Zeit in Anspruch. Sie dauerten am Mittwochnachmittag noch an. Laut Ronny Marty, Teamleiter Betrieb bei der AEW Energie AG, muss geprüft werden, ob es auf der Spitze des Mastens einen neuen Aufbau braucht: «Möglicherweise reicht es, den bestehende Masten im jetzigen Zustand zu nutzen», sagt Marty gegenüber dem Wynentaler Blatt. «Längerfristig», so der AEW-Vertreter, müssen wir dafür sorgen, dass die Leitungen nicht noch einmal durch umfallende Bäume beschädigt werden. Es sei ein Versorgungsauftrag zu erfüllen und im Vordergrund stehe klar die Sicherheit.
Deutlich sichtbarer Eingriff nötig
Aus diesem Grund haben nach dem Ereignis Gespräche zwischen der AEW Energie AG und dem Leiter des Forstbetriebs aargauSüd, Christian Siegrist, stattgefunden. Für beide Seiten ist klar: Um ein gleiches Ereignis zu verhindern, müssen die Bäume in «Reichweite» zu den Leitungen hinter dem Geisshof gefällt werden − und es wird ein massiver Eingriff: Auf einer Länge von 300 Metern müssen 250 Bäume gefällt werden, wie Christian Siegrist erklärt. Was im ersten Moment für Stirnrunzeln sorgt, erklärt der Förster wie folgt: «Zum einen sprechen wir hier von einem sehr alten Baumbestand. Viele Pflanzen sind auch krank.» Gerade am umgefallenen Baum ist die Wurzelfäulnis deutlich erkennbar.» Nun können wir nicht einfach die schwachen und potentiell gefährlichen Bäume fällen, sondern müssen auf der ganzen Linie einen Waldrand gestalten. Entlang dieser Linie braucht es starke, gesunde Bäume.»
Arbeiten starten nächste Woche
Natürlich bestünde auch die Möglichkeit, die Leitungen unter die Erde zu verlegen. Doch das ist laut AEW ein Unterfangen, das von der Planung bis zur Realisation mehrere Jahre dauert, während die Massnahmen nun sofort nötig sind. So sei es letztlich unumgänglich, insgesamt 250 Bäume zu fällen. Das sind um die 600 Kubikmeter Holz, die auf einer Fläche eines halben Fussballfeldes geerntet werden. Es braucht 30 Lastwagen, um das Holz abzutransportieren, rechnet Siegrist vor. «Mir behagen solch radikale Eingriffe nicht, doch in diesem Fall ist es zwingend nötig. Es laufen noch Abklärungen mit den Waldbesitzern, aber geplant ist, dass wir nächste Woche mit den Arbeiten loslegen.» Das so gewonnene Material wird wohl zu Brennholz verarbeitet, sagt Siegrist und zeigt auf mehrere Bäume, die vom Borkenkäfer zerfressen wurden oder von einem Pilz befallen sind.
Dieser «Schutzeingriff» wird sich bis Mitte 2024 hinziehen, das komme auf die Bodenverhältnisse an. Der Untergrund muss gefroren oder sehr trocken sein, denn es werden schwere Maschinen zum Einsatz kommen, erklärt Siegrist weiter. Der Eingriff sei zwar massiv und werde das Landschaftsbild verändern, «er hat aber auch Vorteile für den Wald, gerade was die Verjüngung angeht. Für Wälder im Privatbesitz gibt es nämlich keine Bewirtschaftungspflicht, entsprechend wird darin auch weniger gearbeitet.» Über die Kosten bezüglich Reparaturen und Eingriff im Wald lassen sich noch keine Zahlen nennen.



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