Einmalige Chance zu gutem Zeitpunkt
20.06.2024 DürrenäschEin Traktandum, das für Gesprächsstoff im Dorf sorgt, ist der geplante Verkauf des Elektrizitätswerks, über welches die Dürrenäscher Stimmbürger an der Gemeindeversammlung vom 28. Juni zu befinden haben. Vorab fand in der Mehrzweckhalle eine ...
Ein Traktandum, das für Gesprächsstoff im Dorf sorgt, ist der geplante Verkauf des Elektrizitätswerks, über welches die Dürrenäscher Stimmbürger an der Gemeindeversammlung vom 28. Juni zu befinden haben. Vorab fand in der Mehrzweckhalle eine Informationsveranstaltung statt, mit anwesend waren Vertreter der interessierten Käuferschaft, der AEW Energie AG.
hg. Ein eigenes Elektrizitätswerk zu unterhalten bedeutet für eine Gemeinde grossen Aufwand und verlangt viel fachliche Kompetenz. Für den Gemeinderat Dürrenäsch werden der Zeitaufwand und die ständig komplexer werdenden Anforderungen für Verwaltung und Ressortchef untragbar. Dies ist aber nur einer der Gründe, warum er der Gemeindeversammlung vom 28. Juni den Verkauf des EWD zur Abstimmung unterbreitet. Vorab waren die Stimmbürger zu einem Informationsanlass eingeladen, wo der Gemeinderat seine Argumente darlegte und offene Fragen geklärt werden konnten. Mit anwesend waren Vertreter der interessierten Käuferschaft, der AEW Energie AG.
7,5 Millionen in Gemeindekasse
«Wir als Gemeinderat glauben, dass sich uns mit dem Verkauf des EWs eine Chance für Dürrenäsch bietet», begrüsste Vizeammann Thomas Sauder die Anwesenden. Aufgrund der grossen Veränderungen und der stetig steigenden Anforderungen im Strommarkt sowie der vollständigen Abhängigkeit des EW Dürrenäsch von externen Dienstleistern entschloss sich der Gemeinderat vor geraumer Zeit dazu, die aktuelle Organisation des EWD als Eigenwirtschaftsbetrieb der Gemeinde zu überprüfen. Verschiedene mögliche Interessenten wurden angeschrieben, auf dem Tisch liegt nun das höchst interessante Angebot über 7,5 Millionen Franken von der AEW Energie AG. Diese hatte ihr Anfangsgebot gar noch gesteigert und es liegt der Betrag 3,2 Millionen Franken über dem regulatorischen Anlagezeitwert. «Die AEW Energie AG will wachsen und Wachstum ist nur durch die Vergrösserung des Netzes möglich», begründete René Soland, Mitglied der Geschäftsleitung, das gute Angebot. Er stellte den Anwesenden das Unternehmen als zuverlässigen Stromversorgungspartner vor, der derzeit 73 Gemeinden zu seinem Versorgungsgebiet zählt. «Sie wären die 74. Gemeinde im Netz», hofft René Soland auf breite Zustimmung am 28. Juni.
Die Argumente des Gemeinderats
Soll man wirklich sein Tafelsilber verscherbeln? – eine Aussage, die im Zusammenhang mit dem Verkauf des EWD bereits öfters gefallen ist. «Doch ist das EWD tatsächlich noch unser Tafelsilber?», stellte Thomas Sauder die Frage in den Raum. Das operative Ergebnis des EWD war in den vergangenen Jahren negativ, -38’081 Franken im 2022 und -127’031 Franken im 2023. Die Investitionen der Zukunft sind ungewiss, die Ausgaben für externe Dienstleister und Berater hoch und stetig steigend. Der administrative Aufwand für das EWD auf der Gemeindeverwaltung stösst längst an Grenzen, ebenso die Belastung für den Gemeinderat. Und zu guter Letzt wohl das wichtigste Argument für einen Verkauf: die 7,5 Millionen Franken, welche damit auf einen Schlag in die Gemeindekasse fliessen würden. Man habe 9 Millionen Fremdkapital aufnehmen müssen und zahle alleine rund 155’000 Franken Zinsen jährlich, gab Thomas Sauder zu bedenken. «Es ist nicht gut, so viele Schulden zu haben und was in Anbetracht der geopolitischen Spannungen mit den Zinsen passieren wird, wissen wir nicht», fand er deutliche Worte. Auch sei nicht vorauszusehen, welche Herausforderungen noch auf den Strommarkt zukommen und diese solle man den Profis überlassen, so der Vizeammann. «Der Gemeinderat ist überzeugt, dies ist eine einmalige Chance zu einem sehr guten Zeitpunkt».
Die Vorlage
Abgestimmt wird am 28. Juni über den Verkauf des EWD zum Preis von 7,5 Millionen Franken an die AEW Energie AG. Des weiteren muss ein Erlass des Reglements über die Konzessionsabgabe der Sondernutzung des öffentlichen Grund und Bodens für die Zwecke der Elektrizitätsversorgung im Gebiet der Gemeinde Dürrenäsch für die Dauer von 25 Jahren abgehandelt werden. Die Beteiligung an der Infra-Regio würde aufgelöst, das eingebrachte Kapital von 50’000 Franken an die Gemeinde zurückfliessen. Sagen die Stimmbürger am 28. Juni Ja zum Verkauf, wird die Übergabe der Anlagen per 31. Dezember 2024 erfolgen, der Kaufpreis bis 15. Januar 2025 beglichen werden.
«Die Gründe für einen Verkauf sind einleuchtend und überzeugend», zog ein Anwesender zum Schluss der Veranstaltung sein Fazit.
