Auf der Bühne stehen zwei schwarze Stühle. Daran hängt je ein Stoffbeutel, welche ökologisch organisierte Menschen öfter beim Einkaufen dabei haben. Fussballtrikots sind über einer Sitzlehne verwurstelt. Eine Sporttasche sowie eine Trinkflasche haben auf dem Fussboden Platz gefunden. Kulisse? Bühnenbild? Bänz Friedli braucht nicht viel – denn die Gedanken in seinem Kopf sind eine unerschöpfliche Quelle.
grh. Manche kennen seine Pendlerkolumnen aus der Startphase des Magazins 20 Minuten (das Gratisblatt trägt heute noch den Spitznamen «Pendlerzeitung»). Für die anderen ist er der «Hausmann der Nation» aus dem Migrosmagazin.Wieder andere lernten ihn direkt auf der Bühne kennen. Jedenfalls war der Saalbau am Sonntagmorgen voll. Was Bänz Friedli zu schätzen wusste, wie er nach seiner «Buchtitelbegrüssung» kundtat. «Mein Name ist Eugen, nein eigentlich nicht, aber glaubt man der Statistik, haben wir die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne von acht Sekunden mit der Nennung dieser Tatsache schon fast ausgereizt.» Er blickte lange still auf das abwartende Publikum. «Ihr bleibt sitzen – dann gehe ich davon aus, dass wir uns noch ein bisschen unterhalten können.»
Das Feuerwerk begann. Von seiner Einschätzung des Deutschgebotes auf Reinachs Pausenplätzen – «Italienisch ist übrigens eine unserer Landessprachen» – bis zur Bedeutung der Wahlergebnisse für die Szene Schweizer Satiriker. Er hinterfragte die Zusammensetzung mancher Substantive: «Wie sinnvoll könnte es sein, Blöd-sinn zu machen? Sollten wir den Mut in Schwer-mut nicht zulassen? Mutig genug sein, uns der Schwere zu stellen? Wenn mir nur nicht so viel unnützes Wissen einfallen würde…»
Paradoxe Ereignisse
Nützlich oder nicht, werden sich nicht allzu viele Zuschauerinnen und Zuschauer gefragt haben. Viel zu spannend ist es, wie Bänz Friedli die Katastrophen der Gegenwart mittels Paradoxe in neues Licht rückt.Vom Delegieren der Verantwortung an Gott, wie es in manchen Bibelstellen steht, hält er wenig. «Hoffen heisst handeln.» Ganz nebenbei greift er nach den Fussballtrikots, schildert die historischen Taten der Spieler, verbunden mit Erinnerungen ans Fernsehen mit seiner Tochter und packt die geliebten Kleidungsstücke in die Sporttasche. In den Stofftaschen befinden sich Bücher, die auch den Zuschauern Wissen bringen könnten… Bänz Friedlis Wortwitz und die Dichte der erzählten Geschichten stehen den Kolumnen in nichts nach. Immer wieder erntet er Szenenapplaus. Irgendwann ist die Sporttasche fertiggepackt. Hat man wirklich alles mitgekriegt? Kaum möglich – aber es spricht ja nichts dagegen, sich das Programm ein zweites Mal anzusehen, um am vielseitigen Wissen des Bänz Friedli teilzuhaben.


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