In der Not kennen Helden keine Schmerzen
05.06.2018 SportDem 42-jährigen Remo Senn gelingt im Derby gegen den FC Gontenschwil in der 90. Minute der Siegtreffer, der dem FC Gränichen das Zweipunkte-Polster gegenüber dem Abstiegsplatz sichert. Obwohl es für die Gontenschwiler in der Meisterschaft um nichts mehr ging, wurden ...
Dem 42-jährigen Remo Senn gelingt im Derby gegen den FC Gontenschwil in der 90. Minute der Siegtreffer, der dem FC Gränichen das Zweipunkte-Polster gegenüber dem Abstiegsplatz sichert. Obwohl es für die Gontenschwiler in der Meisterschaft um nichts mehr ging, wurden keine Geschenke gemacht.
rc. Bereits nach achteinhalb Zeigerumdrehungen konnte der Verdacht auf ein «Päckli» ausgeräumt werden: Stefan Fischer kommt aus kurzer Distanz frei zum Schuss und brachte das Heimteam in Führung. Gontenschwil war in der Startviertelstunde auf dem besten Weg, sich für die 1:6-Niederlage auf dem Mutschellen bei den Fans zu entschuldigen.
Den Gränichern war die Abstiegsangst bis dahin förmlich anzusehen. Zu diesem Zeitpunkt lagen sie gar unter dem Strich, denn Fislisbach führte gegen Spreitenbach und lag in der virtuellen Tabelle vor den Wynentalern. Ab der 16. Minute drehten die Gäste aber ordentlich auf: je zweimal Velimirovic und Salzmann brachten Torhüter Schaffner im Minutentakt in Bedrängnis, ehe es Sascha Salzmann in der 20. Minute war, der Fischer umspielte und Torhüter Schaffner mit einem flachen Schuss in die linke Torecke bezwingen konnte - 1:1.
Vieles lief über Remo Senn
In der zweiten Halbzeit machte sich die Müdigkeit bald darin bemerkbar, indem vor allem verbale Freundlichkeiten ausgetauscht wurden. Ein Spiel in der Nähe von Roger Wehrli zu verfolgen bietet übrigens einen grossen Unterhaltungswert. Der Stimmungs- und Spannungslevel entsprach nun einem richtigen Derby. Gränichen mobilisierte in der Schlussphase deutlich mehr Kräfte «und das obwohl wir einen 16-Jährigen auf der Bank und einen 42-Jährigen auf dem Platz haben», wie Roger Wehrli die Situation nach dem Spiel schildern sollte. Dass er den 16-Jährigen Marco Schwegler eingewechselt hat und den 42-jährigen Remo Senn auf dem Spielfeld beliess, sollte sich als die richtige Handlung erweisen. Wie so oft lief ein Angriff über Remo Senn, der fast wie ein Libero vorne und hinten anzutreffen war. Die Stadionuhr zeigte 89:46 an, als eben dieser Remo Senn den Ball für einen Freistoss zurecht legen konnte. Aus 20 Metern zirkelte er diesen in der Folge unhaltbar ins rechte obere Eck und krönte damit seine persönliche Leistung und die eines FC Gränichen, der sich vor allem in der zweiten Halbzeit mit viel Herzblut gegen den drohenden Abstieg gestemmt hatte. Auch Marco Schwegler rechtfertigte seinen Kurzeinsatz und überspielte nach einem Konter den Heim-Torhüter mit dem sehenswerten 3:1. Weil Fislisbach schliesslich gegen Spreitenbach gewonnen hat, bleibt die Tabellenlage am Strich unverändert: Gränichen liegt zwei Punkte vor Fislisbach.
Aus eigener Kraft retten
Auf den FC Gränichen warten nun zwei «Finalspiele»: morgen Mittwoch (20 Uhr) kommt der FC Lenzburg auf die ZehnderMatte und am Samstag geht die Reise zum Tabellennachbarn FC Fislisbach. Sicher ist: Mit einem Sieg in der letzten Runde bleibt Gränichen auf jeden Fall oben. Wehrli möchte aber lieber schon zu Hause gegen Lenzburg drei Punkte einfahren: «Ich wusste von Anfang an dass es schwierig wird mit der dünnen Personaldecke, aber wir haben eine Mannschaft, die nicht aufgeben wird».
Und der FC Gontenschwil? Nach der zweiten Niederlage in Folge geht es für ihn nur noch um einen versöhnlichen Abschluss der Saison. «Die Luft ist bei uns leider ein bisschen draussen», fasste Co-Spielertrainer Dany Bolliger die Leistung seines Teams zusammen. Nach der hohen Niederlage in Mutschellen ist der Meistertitel nicht mehr in Griffnähe – Geschenke habe man aber keine gemacht: «Schon gar nicht in einem Derby. Wir haben uns viel vorgenommen, aber ich glaube das war eines der besten Spiele von Gränichen und deshalb ist der Sieg verdient», sagte Bolliger. Und das Tor von Remo Senn sei natürlich super gewesen. Der angesprochene Routinier meinte dazu: «Ich mache nicht viele Tore, aber wenn schon, dann die wichtigen». Angesprochen auf seine weitere Karriere, sagte der 42-jährige Senn, er könne sich durchaus vorstellen, eine weitere Saison anzuhängen: «Ich bin Gränicher und ich renne für meinen FC Gränichen. Solange der Körper noch mitmacht, will ich Fussball spielen.» Er wisse aber, woran er ist und sagte mit einem breiten Grinsen: «Die anderen gehen jetzt duschen und dann in den Ausgang, ich werde mich jetzt erst einmal richtig erholen.» – In der Not kennen Helden eben keine Schmerzen.
FC Gontenschwil – FC Gränichen 1:3 (1:1). PAMO Neumättli, 250 Zuschauer. Tore: 9.Stefan Fischer 1:0, 20. Sascha Salzmann 1:1; 90. Remo Senn 1:2, 93. Marco Schwegler 1:3.
Gontenschwil: Schaffner; Emmenegger, Schüttel, Bolliger; Zahnd, Bucher, Kolevski (72. Zürcher), Fischer (83.Tsutis), Hug; Meier, Lüscher Sven. Verwarnungen: 23. Meier (Foul), 66. Hug 88. Schüttel (Foul).
Gränichen: Gautschi; Velimirovic, Züllig, Wehrli; Muscia (46. Sejdiu), Christ, Müller, Müller; Senn; Assoussi (83. Schwegler), Salzmann. Verwarnungen: 23. Velimirovic (Foul), 93. Schwegler (Leibchen ausziehen).

