Der Garten am Krebsenweg ist für alle da

Do, 18. Apr. 2019
Ernten dürfen alle, bezahlt wird mit Arbeit oder via Kässeli: Eine natürlich politisch durchmischte Gruppe leistete vor einer Woche die ersten Arbeiten auf dem Grundstück im Gebiet Untere Mühle. (Bilder: Remo Conoci)

Im Gebiet Untere Mühle ist vergangene Woche ein für alle offener Garten entstanden. Initianten sind die beiden Grossräte Severin Lüscher und Uriel Seibert, die zwei Nationalratskandidatinnen Anja Gestmann und Elsbeth Kaufmann-Tanner, sowie der Natur- und Vogelschutzverein Schöftland. Wer will, darf jederzeit mithelfen und später die Ernte einfahren.

rc. Ein gutes Dutzend Schöftlerinnen und Schöftler fand sich am Samstagmorgen auf der brach liegenden Wiese am Krebsenweg, bei der «Unteren Mühle» ein. Auf dem Landstück war einst ein Erweiterungsbau für die bereits bestehende Demenzabteilung des Altersheims geplant, doch wurde das Projekt 2016 aus finanziellen Gründen wieder eingestampft. Die Brache ist mit einer dünnen Humus-Schicht überdeckt – mehr als Gras und Löwenzahn gibt es hier nicht zu sehen.

Bohnen, Kartoffeln und Zwiebeln

Das soll sich nun nachhaltig ändern. Die beiden Schöftler Grossräte Severin Lüscher (Grüne) und Uriel Seibert (EVP), die zwei Nationalratskandidatinnen Anja Gestmann (SP) und Elsbeth Kaufmann-Tanner (SP 60+), sowie der Natur- und Vogelschutzverein Schöftland fanden sich zusammen, um an dieser Stelle einen Garten anzulegen. «Mitmachen darf jeder der will, ebenso steht später die Ernte jedem zur Verfügung», sagt Severin Lüscher. Zwar werde später ein Kässeli installiert, aber wer kein Geld hat, kann seinen Teil der Ernte mit Jäten, Umgraben oder Pflanzengiessen verdienen. «Rüebli wachsen hier aber keine», hält Uriel Seibert fest und stellt sogleich sein Gärtnerwissen unter Beweis: «Die Humusschicht ist zu dünn für Pflanzen, die tiefe Wurzeln schlagen. Für Zwiebeln, Bohnen, Kartoffeln und Radieschen eignet sich der Boden aber gut».

Diskussionen am Feldrand

Gesagt, getan. Unter Mitwirkung der Naturschützer pflügten die Politiker ohne Einsatz von Maschinen ein vorerst 50 Quadratmeter grosses Feld um. Am Rand des Geschehens kam es immer wieder zu Plaudereien und Gesprächen, auch politischer Natur. «Das ist durchaus der Sinn der Sache», sagte dazu Schöftlands Gemeinderätin Anja Gestmann. «Weil sich jeder und jede am Projekt beteiligen kann, werden wir hier viele unterschiedliche Meinungen an einem Ort haben.» Welche Pflanzen wo angebaut werden, ist dabei ebenso Verhandlungssache wie das Aufteilen der Arbeit. «Diesbezüglich», sagt die ehemalige Schöftler Gemeinderätin Elsbeth Tanner-Kaufmann, «ist noch nicht alles fertig organisiert». So fehlt es noch an Gartenwerkzeug, das deponiert werden kann und ein ungefährer Plan, wer das Giessen der Pflanzen übernimmt, wenn sonst keiner schaut. Einige Tage nach dem «Spatenstich» sieht die Lage vor Ort aber schon ganz ordentlich aus.

Ein Gemeinschaftsprojekt

«Eins nach dem anderen», lacht Severin Lüscher. Es soll ja ein Gemeinschaftsprojekt entstehen und nicht eine fertige Anlage. Das Land gehört dem Altersheim und steht den Gartenarbeitern unentgeltlich zur Verfügung, so lange nichts anderes gebaut wird. Bald soll ein Schild aufgestellt werden, das über die Idee hinter dem Projekt vor Ort informiert. Nach drei Stunden Arbeit lässt sich das vorläufig Erreichte durchaus sehen: In den fünf ziemlich gerade angelegten Rabatten wächst nun neues Leben heran. Interessant wird sein – auch hier vermischt sich Politik und Natur, ob der gute Wille durchgezogen wird und spätestens im Herbst die Ernte eingefahren werden kann. Das «Blättli» wird hier und da an der Unteren Mühle vorbeigehen und den Stand der Verhandlungen verfolgen.

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