Zwei Kandidaten stellen sich zur Wahl

Do, 10. Sep. 2020
Matthias Anderau mit klarer Ansage: «Es gibt noch Potential, die Infrastruktur zu verbessern und die Gemeinde farbiger zu gestalten.»

In Teufenthal haben sich bei der Ersatzwahl in den Gemeindrat zwei Kandidaten angemeldet: Mattias Anderau und André Vogt. Das Wynentaler Blatt hat beide Kandidierenden besucht und ihnen auf den Zahn gefühlt. Der Urnengang findet zusammen mit den eidgenössischen und kantonalen Abstimmungen am 27. September an der Urne statt.

rc. In der Wynentaler Gemeinde bleibt politisch kein Stein auf dem anderen. Nach den Rücktritten des damaligen Gemeindeammanns Urs Lehner (62, SVP) und des Vizeammanns Thomas Plüss (58, parteilos) fand sich vorerst nur ein Kandidat für die beiden Gemeinderatssitze. Patrick Schmid (37, parteilos) wurde im Februar 2020 mit 248 gültigen Stimmen gewählt. Bemerkenswert: Von den abgegebenen 642 Wahlzetteln waren 237 leer und 47 ungültig. Vereinzelt gültige Stimmen gingen 110 ein; die Stimmbeteiligung lag bei 32,1 Prozent.

Damit war aber erst einer von zwei vakanten Sitzen besetzt. Während der Anmeldefrist für den zweiten Wahlgang gab es keine weiteren Kandidaturen, wonach die Gemeinde gesetzlich verpflichtet ist, erneut einen ersten Wahlgang durchzuführen. Dieser wurde auf den 27. September terminiert. Wer von mindestens 10 Personen per Unterschrift unterstützt wird, gilt als offizieller Kandidat; im ersten Wahlgang kann jede in der Gemeinde wahlfähige Person als Kandidat gültige Stimmen erhalten. Zur Wahl stellen sich der 37-jährige IT-Berater Matthias Anderau und der 39-jährige gelernte Landmaschinenmechaniker André Vogt. Beide sind parteilos.


Matthias Anderau: «Ich will die infrastrukturelle Situation anpacken.»

Im Februar 2020 wurde nur einer von zwei Sitzen im Gemeinderat besetzt. Worauf führen Sie das geringe Interesse zurück?

Matthias Anderau: «Es ist sicher nicht einfach, ein solches Amt mit einem Vollzeitjob zu verbinden. Im Fall von Teufenthal kommt bestimmt auch die Grösse dazu. Je weniger Einwohner ein Dorf hat, umso kleiner ist der Kreis der möglichen Kandidierenden. Wenn man sich dann für ein Amt entscheidet, finde ich, sollte man es richtig machen.»

Was waren Ihre Beweggründe, um sich der Wahl zu stellen?

Anderau: «Ich bin in Teufenthal aufgewachsen. Nach einem dreijährigen Unterbruch sind meine Partnerin und ich im Juli dieses Jahres wieder nach gezogen. In diesem Zusammenhang wurde ich darauf angesprochen, ob ein Engagement im Gemeinderat etwas für mich wäre. Ich bin zum Schluss gekommen, dass es ein bisschen Pflicht, vor allem aber mein persönliches Anliegen ist, Teufenthal in eine gute Zukunft zu führen und dass ich etwas Positives bewegen kann.»

Wie müsste sich der Gemeinderat und damit das Bild der Gemeinde in den nächsten Jahren verändern?

Anderau: «Natürlich gibt es Dinge, die schief laufen, ich bin der Ansicht, dass man immer etwas verändern kann und es nicht reicht, nur die negativen Sachen herauszuheben. Der Teufenthaler Gemeinderat sollte sich aus Personen verschiedener Altersgruppen und beruflicher Bereiche zusammensetzen, um den Bedürfnissen einer ebenso durchmischten Bevölkerung gerecht zu werden. Das ist eine wichtige Voraussetzung, um die Bevölkerung abzuholen.»

Haben Sie ein konkretes Beispiel?

Anderau: «Nehmen wir die Fusion mit Oberkulm und Unterkulm, die vor ein paar Jahren gescheitert ist. Ich glaube nicht, dass die Bevölkerung grundsätzlich gegen eine Fusion ist. Ich glaube, man hat sie im Prozess zu wenig integriert und abgeholt. Unklarheiten und Ängste spielen sicher eine entscheidende Rolle, weil die Einwohner befürchten, dass weitere Infrastruktur im Dorf verschwinden würde.Wir müssen in Erfahrung bringen, was es braucht, eine Fusion möglich zu machen. Es braucht eine gute Aufbereitung, damit auch ein Verständnis hergestellt werden kann.»

Gerade im Bereich Infrastruktur hat Teufenthal viel verloren.

Anderau: «Das ist richtig. Als ich hier aufgewachsen bin, hatten wir zwei Bäckereien im Dorf, eine Käserei, einen Metzger und mehr als ein gutes Restaurant. Ich finde es richtig, dass ein Volg-Laden die Bevölkerung aufruft, im Dorfladen einzukaufen. Man muss schon sehen: wenn etwas weg ist geht der Aufschrei los. Wenn man aber selber nicht bereit ist, lokal einzukaufen, ist die Schliessung nur eine Folge aus dem, wie wir unser Leben gestalten.» Das gilt zum Beispiel auch für Gemeindeversammlungen. Wenn da 500 Stimmberechtigte sitzen, hat das eine andere Auswirkung, als wenn nur 66 mitbestimmen.»

Vielleicht sollte man Gemeindeversammlungen abschaffen?

Anderau: «Das Zusammenkommen gerade in einer kleinen Gemeinde finde ich sehr wichtig. Die Gelegenheit, sich zu einem Thema zu äussern, sollte auf jeden Fall geboten werden. Jedoch sollten wir den traditionellen Rahmen, wie wir ihn heute kennen, vielleicht überdenken und diesen versuchen, interessanter zu gestalten.»

Sie sind parteilos. Wo würden Sie sich politisch einordnen?

Anderau: «Schwierig zu sagen. Auch dieses System empfinde ich eher als veraltet. Als Parteimitglied muss man dann fast eine Meinung vertreten, die man gar nicht vertreten will. Ich bin der Meinung, die Parteilosigkeit ist eher ein Vorteil als ein Nachteil. Ich positioniere mich je nach Thema mit meiner eigenen Meinung.»

Für welche Ressorts würden Sie sich im Gemeinderat interessieren?

Anderau: «Ich finde das Bauwesen eine spannende Geschichte, auch weil ich schon eigene Erfahrungen mit Umbau, Renovationen und den damit verbundenen Herausforderungen gemacht habe. In Teufenthal gibt es verschiedene Flächen, über die wir diskutieren müssen, was dort gebaut wird. Auch gesellschaftliche Themen, Kultur und Freizeit interessieren mich. Mit meinem beruflichen Hintergrund bietet sich auch der IT-Bereich an.»

Was ist das Erste was sie als Gemeinderat anpacken würden?

Anderau: «Der Bankomat im Dorf ist nur ein Beispiel, wie man mit einem kleinen Schritt die Lebensqualität verbessern könnte. Die infrastrukturelle Sitaution müssen wir weiter anpacken. Zu berücksichtigen gilt es jedoch die schlechte finanzielle Situation, die gewisse Sachen verunmöglicht. Ziel ist es, durch konstruktive, sinnvolle Ideen die Lebensqualität zu sichern und wieder aufzubauen. Wir müssen Werbung machen für unser Dorf. Mit den aktuell geplanten Überbauungen an der Dürrenäscherstrasse oder einer möglichen Entwicklung im Injecta-Areal bestehen Chancen. Um diese Ziele zu erreichen, braucht es aber das Engagement der Bevölkerung. Dieses gilt es zu fördern.»


André Vogt: «Ich sage meine Meinung lieber gerade heraus»

Die «Aargauer Zeitung» nannte ihre Bewerbung als jene eines Wutbürgers. Was sagen Sie dazu?

Andreas Vogt: «Viele Entscheidungen des Gemeinderates haben mich tatsächlich wütend gemacht. Die Bürger können stimmen, und der Gemeinderat macht trotzdem was er will. Mich kennt man im Dorf als einer, der seine Meinung gerade heraus sagt. Nachdem mich Leute angesprochen haben, ich soll es besser machen, kamen genügend Unterschriften zusammen und damit eine offizielle Kandidatur. Im Gegensatz zu einem Wutbürger mache ich aber nicht einfach die Faust im Sack, sondern will mich der Verantwortung stellen.»

Warum haben Sie vor einem halben Jahr nicht kandidiert, als zwei Sitze frei geworden waren?

Vogt: «Ich wollte mich schon damals bewerben und ich hatte die nötigen Formulare beisammen. Als ich am Freitag kurz vor dem Termin die Unterlagen abgeben wollte, war die Kanzlei schon geschlossen. Die Abgabefrist endete am Freitag um 12 Uhr, aber die Kanzlei ist am Freitag geschlossen. Die unregelmässigen Öffnungszeiten waren sogar Thema an der Gemeindeversammlung, aber darauf wurde ja nicht gross eingegangen»

Wie müsste sich der Gemeinderat und damit das Bild der Gemeinde in den nächsten Jahren verändern?

Vogt: «Ich finde, unser Gemeinderat setzt sich zu oft über den Volkswillen hinweg. Schauen Sie sich den Bericht des Mitwirkungsverfahrens zum Räumlichen Entwicklungsbild an: Alle elf Eingaben aus der Bevölkerung wurden vom Gemeinderat verworfen. Das ist am Volk vorbei politisiert. Für mich gibt es keinen erkennbaren Plan. Das Dorf soll wachsen, doch die Strukturen werden vernachlässigt: Der Spielgruppe wurde der Raum gekündigt, die müssen jetzt irgendwo in den Wald. An der Gemeindeversammlung im Juni 2018 wurde gefordert, dass eine Erweiterung der Tagesstruktur für Schulkinder geprüft werden soll. Das ist bis heute nicht passiert. Auch die Fusionsidee wurde vom Volk 2011 abgelehnt, dennoch lassen sich aktuelle Gemeinderatsmitglieder öffentlich zitieren, sie würden eine Fusion bevorzugen.Vereine werden immer weniger bis gar nicht mehr vom Gemeinderat unterstützt, der Kreiselbau wurde von den Teufenthalern eigentlich abgelehnt, bis der Kanton Druck machte, und der Gemeinderat einknickte. Der Dorftreff musste ins Fernsehen, damit er wenigstens von ‹Happy Day› Unterstützung bekommen hat. Zum Nachtragskredit für die Brücke Hubelmattstrasse aber durfte das Volk letzte Woche an der Gmeind nur noch Ja sagen, die Brücke wurde ja schon saniert. Und auch die älteren Bürger werden einfach übergangen.

Wie meinen Sie das?

Vogt: «Meine Eltern sind beide um die 80 Jahre alt, ich selbst wohne seit meiner Geburt in Teufenthal und weiss wovon ich spreche: Wir haben im Dorf weder Bankschalter noch einen Bankomaten, auch die Poststelle wurde vor acht Jahren ohne grosse Gegenwehr geschlossen. Das wurde damals den Bürgern einfach an einer Gmeind unter «Verschiedenes» bekannt gegeben. Oder nehmen wir die Informationen der Gemeinde, die nur noch auf der Gemeindewebseite zu finden sind. Was sollen die älteren Menschen machen, die kein Internet haben, oder damit nicht umgehen können? Im Räumlichen Entwicklungsbild der Gemeinde steht unter Punkt 2.5 wörtlich, Quartiere würden von älteren Paaren und alleinstehenden Personen bewohnt und deshalb würde viel Wohnfläche und Land pro Kopf verbraucht. Und dann liest man unter den Zielen, die Einfamilienhausquartiere müssten erneuert werden. Das klingt für mich übersetzt: Wir müssen die alten Bürger los werden, um junge steuerkräftige Bürger zu gewinnen. Ist das der ganze Finanzsanierungsplan des Gemeinderats?»

Jetzt klingen Sie wie ein Wutbürger

Vogt: «Finden Sie? Die Anliegen der Bürger werden nicht ernst genommen. Darf man sich denn über solche Zustände nicht mehr aufregen?»

Sie sind parteilos. Wo würden Sie sich politisch einordnen?

Vogt: «Das kann ich heutzutage so nicht sagen. Ich finde die Parteilosigkeit gut, weil man bei bestimmten Themen nicht alle anderen Positionen einer Partei einnehmen muss. Es gibt Themen, die für mich passen, aber auch andere, hinter die ich mich nicht stellen kann. Nehmen wir nur mal die kommenden Abstimmungen. Die Einwanderungsinitiative finde ich gut, Kampfjets finde ich, braucht es nicht. Ich wünsche mir, dass die Schulpflegen beibehalten werden und die Bildung wieder deutlich mehr gefördert wird. Meine Einstellung kann sich mit keiner Partei identifizieren.»

Für welche Ressorts würden Sie sich im Gemeinderat engagieren?

Vogt: «Mich interessieren vor allem Sicherheit, Bildung, Bau- und Sozialwesen. Ich bin sicher dass ich mich in vielen Belangen positiv im Gemeinderat einbringen kann, auch mit meiner direkten Art, die zwar an einen Elefanten im Porzellanladen erinnert, aber dafür ehrlich ist.»

Beide Interviews wurden von Remo Conoci geführt.

 

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