Kleine Wunder purer Lebensfreude

Do, 08. Okt. 2020
Aquarelle, die Lebensfreude versprühen: Bildermacher Alberto Romer (r.) und die Ausstellungsmacher, sein Sohn Benny und dessen Partnerin Ursina Jäggi. (Bilder: mars.)

Noch bis am 30. November dauert die Ausstellung der Aquarelle von Alberto Romer im Huus 74 in Menziken. Sie sind geprägt von Lebensfreude und Detailgenauigkeit und zeigen vorwiegend Seetaler Motive. Es ist die erste Ausstellung des 80-jährigen Beinwiler Bildermachers. Den Lesern des Wynentaler Blattes sind sie dennoch längst bekannt. Jeden Monat wird in dieser Zeitung eines der farbenprächtigen Werke publiziert.

mars. «Luzern im Mondlicht» – Untertitel, wie sie sein Vorbild, der englische Maler William Turner unter seine Bilder zu setzen pflegte, möchte er für seine Aquarelle keine wählen müssen, sagt Alberto Romer, «Wenn ich male will ich, dass man sieht, dass es nicht ein See, sondern der Hallwilersee ist und nicht Vögel, sondern Schwäne». Dieser Anspruch, der sich mit einer Farbenpracht verbindet, welche Stimmungen unzweideutig wiedergibt, dürfte der Grund sein, weshalb auch viele seine Bilder so lieben. Dass er viele Fans hat, zeigte sich bereits an der Vernissage Ende September, als die Leute in Scharen aufmarschierten. Der Urbeinwiler Ursus Merz blickte dort in seiner urwüchsigen Art auf das Leben des Künstlers zurück, der keiner sein will, sondern ein «handwerklicher Bildermacher».

Der Glarner zog 1970 mit seiner Familie nach Beinwil am See. Und mit ihm seine Firma, das LPM (Labor für Präparation und Methodik). Ein Labor für baubegleitende Qualitätssicherung, eine damals neue Branche. Zeit zum Malen hatte er deshalb keine. Die Arbeit mit und der Blick durch das Mikroskop haben jedoch wohl seine Sinne für Farben und Farbnuancen geschärft. Ein Augenarzt attestierte ihm nämliche eine durchschnittliche Farbwahrnehmung. Seit zehn Jahren ist Alberto Romer allerdings sehbehindert, er verfügt noch über eine Sehkraft von 10 Prozent. Er kann deshalb nicht mehr im Freien skizzieren und malen. Mit technischen Hilfsmitteln und speziellem Licht frönt er seiner Leidenschaft aber im Atelier. «Die Bilder entstehen so eigentlich aus Erinnerung», wie er sagt. Das macht die Landschaften, die Stimmungen, die nuancierten Farben seiner Bilder erst recht beeindruckend oder wie es der oben erwähnte Augenarzt fachlich korrekt ausdrückt, «es ist ein kleines Wunder».

Bilder und Geschichten

Nachdem er seit der Mittelschule 1959 aus erwähnten Gründen eine schöpferische Pause einlegte, hält er sich wieder praktisch täglich in seinem Atelier auf, seit er 2008 in Ruhestand ging. Hier entsteht Schritt für Schritt – eben handwerklich – Bild für Bild. Oder besser: es entstehen Geschichten. Denn er gibt sich selber ein Thema vor, das ihn jeweils drei Jahre begleitet. Ob er einer Eiche den Namen seines Grossvater «Schorsch» gibt oder am Seeufer die Natur Bolero «tanzt», jedes Bild ist mit einer Geschichte verknüpft und folgt diesem verbindenden Thema.Am Ende fasst er das Schaffen, jeweils vierzig bis fünfundvierzig Bildergeschichten, in einem Buch zusammen. Drei Bücher sind bisher entstanden. «Die Texte darin sind eigentlich wichtiger als die Bilder selber», fand Ursus Merz an der Vernissage und Alberto Romer teilt diese Ansicht insofern, dass Aquarelle und Geschichten tatsächlich eine Einheit bilden. Zwei Teile, die untrennbar zusammengehören. Die monatliche Publikation von Alberto Romers Bilder im Wynentaler Blatt umfasst übrigens jeweils auch den Text zu jedem Bild.

«Mal-Blues»

Er legt denn beim Malen auch gerne Musik auf, klassische oder Whitney Houston und seine Kinder schreiben in einem Kurzporträt: «Ein neues Bild zu malen ist für ihn die Art, seinen «Mal-Blues» zu improvisieren – zu spielen». «Das finde ich sehr passend», ist Romer einverstanden, «die Entstehung der Bilder ist tatsächlich wie ein Blues». Allerdings, während man landläufig einen Blues mit einer gewissen Traurigkeit verbindet, versprühen die Aquarelle des Heimwehglarners pure Lebensfreude. Lebensfreude, Freude an allem Schönen, Optimismus, Fröhlichkeit, eine positive Haltung, oder ganz einfach farbige «Musik», die lautstark aus seinen Bildern schallt.

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