Ist die Fusion schon in trockenen Tüchern?

Mo, 12. Jul. 2021

Zum fünften Mal haben sich im Rahmen des Fusions-Projekts Menziken und Burg die acht Arbeitsgruppen ausgetauscht. Chancen und Risiken für beide Gemeinden beleuchtet. Die Tendenz ist klar: Die Vorteile einer Fusion überwiegen. Ist die Fusion nur noch Formsache?

rc. Die acht Arbeitsgruppen beschäftigten sich mit Themen wie Behörden, Schulwesen, Entwicklung, Finanzen oder Soziales. Die genaue Zusammensetzung kann man online nachlesen. Namen der Mitglieder oder des Sprechers spielen in dieser Berichterstattung eine untergeordnete Rolle, da die jeweiligen Gruppen immer aus gleich vielen Mitgliedern beider Gemeinden zusammengesetzt sind. Die Präsentation, welcher Medienvertreter von Wynentaler Blatt und Dorfheftli beigewohnt haben, ging zügig über die Bühne. «Gemeinsamer Nenner aller Arbeitsgruppen», so unterstrich der externe Projektleiter Dr. Jean-Claude Kleiner (Bild rechts), «ist der engagierte Einsatz aller Gruppen und aller Mitglieder. Die haben wirklich viel gearbeitet!» Ebenfalls eine Gemeinsamkeit ist, so konnte man hiernach feststellen, dass die acht Gruppen in ihren Evaluierungen deutlich mehr Vorteile einer Fusion sehen als Nachteile.

12 Millionen Franken vom Kanton

Im Bereich Finanzen ist die Lage klar, hielt die entsprechende Gruppe «Finanzen/Liegenschaften» fest: «Aus finanzieller und liegenschaftstechnischer Sicht spricht nichts gegen eine Fusion.» Der Finanzbericht im Detail ist jedoch noch in Arbeit und wird voraussichtlichAnfang Oktober öffentlich gemacht. Schliessen sich Burg und Menziken zu einer neuen Gemeinde zusammen, würde die neue Gemeinde vom Kanton mit rund 12 Millionen Franken unterstützt.

Schulraum ist so oder so ein Problem

Ein weiteres «heisses Eisen» behandelte die Gruppe «Ausgestaltung des Schulwesens». Diese würdigte die Möglichkeit, dass Menziker Schülerinnen und Schüler integrativ am Standort Burg geschult werden können.Ausserdem werde der personelle Ressourcen- Pool grösser und biete Chancen für neue pädagogische Massnahmen. Eine Fusion könnte zum Beispiel in Sachen Schulweg oder Standortattraktivität gewisse Risiken bergen, weil aber die Zusammenarbeit der beiden Schulen heute schon sehr eng ist, begegne man der Herausforderung positiv. Was den knappen Schulraum angeht, stehen die Gemeinden ja ohnehin vor demselben Problem. Fazit aus Menziker Sicht: «einer Fusion steht nichts im Wege» – und von Burger Seite: «Chancen und Risiken halten sich dieWaage»

Alles würde einfacher

In Bezug auf die behördlichen Tätigkeiten, die Infrastruktur (wie zum Beispiel Wasserversorgung, Technische Betriebe und Werkhof), aber auch bei weiteren wichtigen Themen wie Jugend, Alter, Soziales und Sicherheit, lautete das Fazit bei den entsprechenden Arbeitsgruppen ähnlich: Die Vorteile einer engeren Zusammenarbeit überwiegen die Nachteile. An vielen Orten findet diese heute sowieso schon statt. Zur Entwicklung der Gemeinde gehöre es deshalb, dass man diese Synergien nutze. «Es ist ein Quantensprung zu erwarten, aber es gibt viele kleine Synergien für eine langfristige, positive Entwicklung» hiess es zum Beispiel und auch: «Durch Fusionssynergien kann ein attraktives Umfeld geschaffen werden».

Das verlorene Honigglas

Emotionaler geht es zu und her, wenn die Fusion Gewohnheiten und Traditionen tangiert. Aus der Gruppe «Ortsbürgergemeinden, Forst, Landwirtschaft » hiess es beispielsweise, dass die Burger Ortsbürger den über 65-Jährigen jeweils ein Glas Honig schenken, und dieser Brauch womöglich verloren ginge. Hier und da war im Plenum ein kurzes Lachen zu vernehmen – dieser Punkt darf aber keinesfalls unterschätzt werden. «Traditionen sind sehr, sehr wichtig», brachte sich Projektleiter Jean-Claude Kleiner denn auch ein. «Es spricht nichts dagegen, wenn Bräuche in den jeweiligen Ortsteilen weitergeführt oder ausgeweitet würden». Wie schon der Gruppensprecher, unterstrich auch Kleiner, dass ein Zusammenschluss auch neue Möglichkeiten eröffne und den Kreis der Veranstaltungsteilnehmenden vergrössere. Auch die Ortsbürger könnten sich zusammenschliessen, oder es entstehen neue Bräuche. Im Bereich Landwirtschaft und Forst gab es keine Besonderheiten zu erwähnen,wodurch das Fazit der Arbeitsgruppe aus Sicht beider Gemeinden neutral ausfiel: «Weder Vor- noch Nachteile».

Mindestens vier mögliche Wappen

Emotionen werden wohl auch bei der Wahl des neuen Dorfnamens und der möglichen Wappen geweckt. Die zuständige Arbeitsgruppe hat drei mögliche Dorfnamen ausgearbeitet: «Menziken», «Menziken-Burg» oder «Stierenberg». Bedauerlicherweise gelangten die Wappenvorschläge durch einen Fehler bereits letzte Woche an die Öffentlichkeit und lösten einige Irritationen aus. Menzikens Gemeindeammann Erich Bruderer liess sich nach der Versammlung vernehmen, ihm sei bei der Lektüre der Tageszeitung das Gipfeli im Hals stecken geblieben. «Geplant war das definitiv anders». Präsentiert wurden drei Wappen, was den Eindruck erweckt, die Stimmbevölkerung habe im Zusammenhang mit der fusionierten Gemeinde die Wahl zwischen Tanne, Stern und Stier. Tatsache ist aber, dass nicht drei, sondern mindestens vier Wappen zur Debatte stehen. Rolf Kälin, heraldischer Berater der Fusionsprüfung erklärt in einer Mitteilung: «Sollten die Stimmberechtigten nächstes Jahr ihre Zustimmung zum Zusammenschluss von Burg und Menziken geben und dabei entscheiden, dass die fusionierte neue Gesamtgemeinde «Menziken» heisst, so würde das bestehende Wappen der heutigen Gemeinde Menziken übernommen. » Mehr noch: rein theoretisch ist es sogar denkbar, die fusionierte Gemeinde ganz anders zu nennen, wenn sich dafür eine Mehrheit fände. Würde der (unwahrscheinliche) Fall eintreten, dass die Stimmbevölkerung beider Gemeinden die neue Gemeinde «Burg» nennen wollten, würde das Burger Wappen beibehalten. Nur im Fall einer neuen Namensgebung bestünde die Wahl zwischen Tanne, Stern und Stier. Die Ortsteile Burg und Menziken behalten aber in jedem Fall ihr Wappen «Diese gehen nicht verloren», sagt Rolf Kälin.

Wie geht es weiter?

Als nächster Schritt steht nach den Sommerferien die Arbeit am Schlussbericht an, der am 28. Oktober der Öffentlichkeit präsentiert wird. Definitiv über Name und Wappen wird mit der Fusionsabstimmung entschieden. Die Gemeindeversammlungen finden im Februar 2022 statt, die Urnenabstimmungen im Mai des glei- Projektbegleiter Dr. Jean-Claude Kleiner von der Gemeindeberatung JC Kleiner GmbH hat schon einige Fusionsprojekte chen Jahres.

Online-Umfrage zur Wahldes Namens und des Wappens

In einer Online-Umfrage unter www.57365737.ch soll nun der Puls der Bevölkerung gefühlt werden. Kleines Manko: Es besteht keinerlei Hürde, auch als Zürcher oder Berner an der Abstimmung teilzunehmen und seine Stimme mehrfach abzugeben – die Umfrage dürfte deshalb nicht repräsentativ sein.

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