Klares Nein zum Projekt «zämevorwärts»
25.11.2021 Dürrenäsch97 der 927 Dürrenäscher Stimmbürger nahmen an der Wintergmeind im Kirchgemeindehaus teil. Drei Kreditabrechnungen, die rund eine Million teure Erschliessung Mittelsedel, ein überarbeitetes Personalreglement sowie das Budget 2022 konnten zügig behandelt werden. ...
97 der 927 Dürrenäscher Stimmbürger nahmen an der Wintergmeind im Kirchgemeindehaus teil. Drei Kreditabrechnungen, die rund eine Million teure Erschliessung Mittelsedel, ein überarbeitetes Personalreglement sowie das Budget 2022 konnten zügig behandelt werden. Einzig der Verpflichtungskredit für Abklärungen betreffend Zusammenschluss mit den Gemeinden Hallwil und Seon gab zu reden und wurde schlussendlich deutlich abgelehnt. Die Dürrenäscher wünschen hingegen die Abklärung einer vertieften Zusammenarbeit oder Fusion mit der Gemeinde Leutwil, ein entsprechender Antrag von Seiten der Versammlung erhielt grossmehrheitliche Zustimmung.
hg. Von den insgesamt 927 Stimmberechtigen fanden deren 97 den Weg ins Kirchgemeindehaus Dürrenäsch zur Einwohnergemeindeversammlung. Die beiden Protokolle der ausserordentlichen Gemeindeversammlung vom 30. April sowie der Einwohnergmeind vom 25. Juni 2021 waren schnell abgehandelt, ebenso die drei vorliegenden Kreditabrechnungen. Die Belagssanierung der Hallwilerstrasse mit Radstreifen kam für die Gemeinde Dürrenäsch 144’569 Franken günstiger zu stehen als vorgesehen. Auch beim Projekt Brühlmattstrasse, Erneuerung Wasserleitung und Erstellung Leerrohre, resultierte trotz Mehrkosten schlussendlich eine Kreditunterschreitung um rund 95’000 Franken. Beim Rückbau der Liegenschaften Lindhübelstrasse 5 «Ida Walti Haus» und Lindhübelstrasse 3 «Gemeindeschopf» musste eine leichte Kreditüberschreitung um 2436 Franken verbucht werden. Die entstandenen Mehrkosten gründen in den Entsorgungskosten von Altlasten, welche während den Rückbauarbeiten bei der Liegenschaft «Ida Walti Haus» zum Vorschein kamen. Die Stimmbürger hiessen alle drei Kreditabrechnungen gut. Eine reine Formsache war auch der überarbeitete und neu formulierte Paragraph 20 (Landschaftsschutzzonen) der Bau- und Nutzungsordnung, welchen der Souverän an der Einwohnergmeind im April mit dem Auftrag zur Überarbeitung zurückgewiesen hatte. «Stand heute kann ich nicht sagen, wann die Bau- und Nutzungsordnung rechtskräftig sein wird», merkte Gemeinderat Stefan Fischer an. Noch sind Beschwerden hängig.
Rund 1 Mio. für die Erschliessung Mittelsedel gesprochen
Die Gemeinde Dürrenäsch plant im Gebiet Mittelsedel die Werkleitungen auszubauen und das Gebiet vollständig zu erschliessen. Die Kosten für Strassensanierung, Schmutzwasser-, Sauberwasser- und Trinkwasserleitung sowie einer Instandstellung der elektrischen Leitung mit dem Ersatz von Verteilkabinen belaufen sich insgesamt auf 1’092’500 Franken. Dem Vorhaben stimmten die Anwesenden grossmehrheitlich zu. Gemeinderat Stefan Fischer hielt fest, dass man heute nicht über den Beitragsplan für die direktbetroffenen Landeigentümer abstimme. Dieser wird separat zum Beschluss des Erschliessungsprojekts behandelt. Der Gemeinderat rechnet damit, dass der Beitragsplan Anfang 2022 aufgelegt werden kann, im Sommer dürften dann die Bauarbeiten für die Erschliessung Mittelsedel starten.
Revidiertes Personalreglement
Das aktuelle Personalreglement der Gemeinde Dürrenäsch ist seit Januar 2008 in Kraft. Um gegenüber anderen Gemeinden konkurrenzfähig zu sein, wurde das Personalreglement nun angepasst und der Gemeindeversammlung präsentiert. Gleichzeitig wurde dem Souverän auch der aktualisierte Stellenplan zur Genehmigung vorgelegt. «Mit einer Kompetenzerteilung an den Gemeinderat sollen inskünftig kleinere Schwankungen im Personalbestand durch neue Aufgaben und Personalmutationen aufgefangen werden», führte Josef Willi aus. Neu geschaffene Stellen und Pensenerhöhungen im grösseren Rahmen werden wie bis anhin der Gemeindeversammlung zur Genehmigung unterbreitet. Die Stimmbürger genehmigten das Geschäft schliesslich mit 74 Ja- zu 7 Nein-Stimmen. Breite Zustimmung erhielt auch das Budget 2022 mit einem Aufwandüberschuss von rund 27’000 Franken bei einem sich gleichbleibenden Steuerfuss von 105 Prozent.
Klares Nein zu «zämevorwärts»
Das Geschäft des Abends, welches die meisten Wortmeldungen generierte, war erwartungsgemäss Traktandum Nr. 6, mit welchem der Gemeinderat dem Souverän einen Verpflichtungskredit für Abklärungen betreffend Zusammenschluss mit und Seon beantragte. «Wir sind eine Region und haben viele Gemeinsamkeiten», warb Gemeinderätin Vroni Merz für die geplante, vertiefte Prüfung. «Wir wollen genau prüfen, wie unsere Zukunft aussieht – zusammen oder alleine.» Idee ist es, dass verschiedene Facharbeitsgruppen den Ist-Zustand der Gemeinden in den unterschiedlichsten Bereichen wie Finanzen, Verwaltung, Bildung, Kultur oder Infrastruktur aufnehmen, prüfen, wo ein Zusammenschluss Sinn macht und gemeinsam Lösungen für eine neue, zusammengeschlossene Gemeinde erarbeiten. Resultieren soll aus der Arbeit der Facharbeitsgruppen ein Schlussbericht, welcher einen Grundsatzentscheid ausweist, ob eine Fusion Sinn macht oder nicht. Bereits hatte im Vorfeld der Gemeindeversammlung eine Infoveranstaltung stattgefunden.
Obwohl es sich beim veranschlagten Geschäft mit einem Verpflichtungskredit in der Höhe von 240’000 Franken (80’000 pro Gemeinde) lediglich um eine vertiefte Abklärung handeln sollte, gingen die Wogen hoch im Saal. Ein Stimmbürger hatte nachgerechnet und sich gefragt, wo eine Fusion steuertechnisch hinführen könnte. Sicherlich ein wichtiger Aspekt für Dürrenäsch, welches eine hohe Steuerkraft ausweist. Ein anderer Votant hielt fest, dass man an diesem Abend zu wenig Zeit habe, um mit gutem Gewissen und gut orientiert über ein solch wichtiges Thema zu befinden. «Eine Fusion heisst ganz klar, wir geben unsere Eigenständigkeit ab», lautete ein weiteres Votum, «wir verlieren an Attraktivität», ein anderes. Doch es gab auch Befürworter für das Vorhaben der Gemeinderäte: «Es gibt so viele offene Fragen und genau darum geht es ja, dass diese auf breiter Basis angeschaut werden. Dann hätten wir Grundlagen für eine Entscheidung».
Die Entscheidung an diesem Abend fiel schlussendlich ziemlich deutlich aus. Ruedi Sagers Antrag, dass Dürrenäsch nur bei den Abklärungen mitmacht, wenn alle drei Gemeinden diese befürworten, wurde mit 58 Ja- zu 12 Nein-Stimmen zugestimmt. Doch den durch diese Anmerkung ergänzten Antrag für die Abklärung betreffend Zusammenschluss mit Hallwil und Seon und einem Bruttokredit über 240’000 Franken schickten die Dürrenäscher bachab. Mit 33 Ja und 54 Nein-Stimmen wurde dieses Vorhaben nicht unterstützt, zu gross schien die Skepsis, zu wenig überzeugend die Argumentation.
Auftrag an den Gemeinderat
Das Thema Fusionsabklärungen war damit aber noch nicht vom Tisch. Ruedi Sager formulierte nämlich einen weiteren Antrag, mit welchem der Dürrenäscher Gemeinderat beauftragt werden soll, Gespräche mit der Gemeinde Leutwil betreffend eines Zusammenschlusses der beiden Gemeinden zu führen. Und wie es scheint, zieht es die Dürrenäscher nicht in den Bezirk Lenzburg, sondern man möchte vermehrt mit Leutwil die Zusammenarbeit, welche bereits in vielen Bereichen bestens funktioniert, noch ausbauen. Unter Traktandum Verschiedenes und Umfrage wurde diesem Antrag nämlich mit 61 Ja- zu 9 Nein-Stimmen zugestimmt.
Schulhaus und Mehrzweckhalle werden teurer als geplant
Unter Traktandum Verschiedenes und Umfrage orientierte Gemeinderat Werner Schlapbach über den aktuellen Stand bei der Schulhaussanierung und dem Bau der Mehrzweckhalle. Das Schulhaus ist bekanntlich saniert, die Kosten dafür allerdings dürften höher ausfallen als geplant. Zum einen generierte der Baumeister einiges an Mehraufwand, andererseits gibt es pendente Nacharbeiten und es muss beim hinteren Eingang noch eine Überdachung als Wetterschutz gebaut werden. «Wir rechnen damit, dass die Sanierung des Schulhauses nicht 2,7 sondern maximal 3,0075 Mio. Franken kostet», so Werner Schlapbach. Wie er weiter ausführte, wird es auch bei der Mehrzweckhalle eine leichte Kostenüberschreitung geben. Beim Annexbau wurden nicht wie geplant, die Aussenmauern stehen gelassen. Der Bau musste rückgebaut und neu aufgebaut werden, da sonst die erforderlichen Raumhöhen nicht hätten erreicht werden können, was Mehrkosten von rund 300’000 Franken verursachte. Weitere Gründe für eine Kostenüberschreitung sind nicht eingeplante Anschlussgebühren und verschiedene Wünsche und Optimierungsvorschläge von Seiten der künftigen Hallenbenutzer. «Zufriedene Benutzer der Halle sind uns sehr wichtig», hielt der Gemeinderat fest. Was den Baufortschritt der Mehrzweckhalle betrifft, da ist man auf Kurs. Eine Unsicherheit ist die Austrocknung der Unterlagsböden. «Nur bei guter Austrocknung kann im Januar weitergearbeitet werden», so Werner Schlapbach. Geplant ist übrigens, dass das Schulhaus und die neue Mehrzweckhalle im Rahmen eines Dorffestes (mit Jugendfest) während zwei Wochenenden vor den Sommerferien 2022 eingeweiht werden.
Verabschiedung von Stefan Fischer
Nebst der Schulpflege galt es auch Gemeinderat und Vizeammann Stefan Fischer zu verabschieden. Wertvolle Arbeit, stets mit Blick auf das Wohl der Gemeinde, habe er in den vergangenen acht Jahren geleistet, ohne dabei jemals seinen Humor verloren zu haben, würdigte Gemeindeammann Josef Willi sein Engagement. Stefan Fischer bedankte sich seinerseits bei den Stimmbürgern für das ihm entgegengebrachte Vertrauen in die Ausführung dieses nicht immer ganz einfachen Amtes.
Originaltöne
«Als ich den Betrag erstmals gesehen habe, bin ich schon etwas erschrocken.»
Wie Gemeinderat Stefan Fischer ausführte, kostet die geplante Erschliessung Mittelsedel rund eine Mio. Franken.
«Ziel des überarbeiteten Reglements ist es, dass wir gegenüber anderen Gemeinden konkurrenzfähig sind und bleiben.»
Gemeindeammann Josef Willi erklärte Sinn und Zweck des neuen Personalreglements.
«Wir sind eine Region und haben viele Gemeinsamkeiten. Wir wollen nun genau prüfen, wie unsere Zukunft aussieht – zusammen oder alleine.»
Gemeinderätin Vroni Merz warb für Abklärungen betreffend Zusammenschluss mit den Gemeinden Hallwil und Seon.
«Für dieses Traktandum haben wir heute Abend zu wenig Zeit, sodass wir Dürrenäscher mit gutem Gewissen und gut orientiert darüber abstimmen könnten. Ich bin der Meinung, dass wir heute nicht legitimiert sind darüber zu befinden.»
«Eine Fusion heisst ganz klar, wir geben unsere Eigenständigkeit ab.»
«Eine Fusion kann unsere Probleme nicht lösen.»
Die geplanten Fusionsabklärungen gaben zu reden im Saal.
«Es gibt so viele offene Fragen und genau darum geht es ja, dass diese auf breiter Basis angeschaut werden. Dann hätten wir Grundlagen für eine Entscheidung.»
Es gab aber auch Befürworter für das Vorhaben des Gemeinderates.
«Ein altes Haus zu sanieren ist keine einfache Geschichte.»
Gemeinderat Werner Schlapbach erklärte, dass die Sanierung des Schulhauses teurer ausfallen wird als geplant.
In den vergangenen acht Jahren hat er wertvolle Arbeit geleistet, stets mit einem Blick auf das Wohl der Gemeinde.
Gemeindeammann Josef Willi verabschiedete Gemeinderat Stefan Fischer.

