Umweltfragen werden uns in Zukunft immer mehr beschäftigen. Sei es bei der Bekämpfung von invasiven Neophyten oder bei der Gestaltung von naturnahen Flächen. Die Mitglieder des Natur- und Vogelschutzvereins Menziken Burg leisten seit vielen Jahren wertvolle Dienste für die Umwelt und freuen sich, dass die Anliegen der Naturschützer immer mehr Gehör erhalten. So bauen beispielsweise viele Gemeinden und immer mehr Private an verschiedenen Standorten wertvolle Ruderalflächen.
rc. Mit verschiedenen Kursen, Informationsveranstaltungen und regelmässigen Publikationen leistet der NVMB, wie viele andere Natur- und Vogelschutzvereine, viel für die Natur. Barbara Eigenberger und Barbara Gautschi sind zwei der fünf Vorstandsmitglieder des NVMB, die alle fünf das Co-Präsidium inne haben. Im Interview mit dem Wynentaler Blatt/Euses Blättli halten die beiden engagierten Frauen fest, dass es nie zu spät ist, auch im eigenen Garten etwas für die Umwelt zu tun. «Warum nicht den Rasen durch eine Blumenwiese ersetzen!» – Schottergärten dagegen seien tote Flächen und selbst der bald wieder blühende Sommerflieder ist im Grunde ein ungewollter Neophyt.
«Am schönen Sommerflieder lebt sonst nichts»
«Politik, Landwirtschaft und Bevölkerung sind gefordert.» sagen Barbara Eichenberger und Barbara Gautschi, beides Co-Präsidentinnen des Natur- und Vogelschutzvereins Menziken Burg (NVMB). Sie erklären aber auch, was jeder von uns für die Natur machen kann. So viel vorne weg: Schotterstein-Gärten gehören nicht dazu.
Innert kurzer Zeit fanden beim NVMB zwei Anlässe zum Thema Bienen und Insekten statt. Warum ist das Thema wichtig?
Barbara Eichenberger: «Das Insektensterben ist leider ein aktuelles Thema. Die Masse aller Insekten ist in den letzten 30 Jahren um mehr als Dreiviertel zurückgegangen. Wir möchten die Bevölkerung auf das Thema sensibilisieren, denn jedermann kann etwas dagegen tun. Insekten sind sehr wichtig, ohne Bestäubung keine Früchte. In Europa sind etwa 150 verschiedene Nutzpflanzen und rund 80 Prozent der Wildpflanzen abhängig von der Bestäubung durch Insekten. Wildbienen benötigen Nektar und Pollen für ihre eigene Versorgung und sind ungemein eifrige Blütenbesucher. Insekten sind auch Nahrung für viele Vögel und andere Tierarten und somit sehr wichtig für die Artenvielfalt.»
In den Nachrichten hört man oft vom Artensterben, wie viel schlechter es der Umwelt geht und auch die Statistiken lassen nichts Gutes erahnen. Ist es schon zu spät für eine Kehrtwende?
Barbara Eichenberger: «Meiner Ansicht nach ist es nie zu spät, um etwas zu verändern. Eine Kehrtwende sollte aber so bald wie möglich stattfinden. Politik, Landwirtschaft und Bevölkerung sind gefordert. Viele denken nicht daran, dass der Mensch auch ein Teil der Natur ist und es auch um unsere Zukunft und die Nahrungssicherheit geht.»
Barbara Gautschi: «Der ‹Stillstand› während der Pandemie hat an etlichen Orten der Welt gezeigt, dass die Natur zurückkommt, wenn sie den Raum und die Möglichkeit bekommt.»
Was kann jeder Einzelne und jede Einzelne zum Beispiel im eigenen Garten für die Umwelt tun?
Barbara Eichenberger: «Kein Gift, kein synthetischer Dünger und nicht zu viel «aufräumen» im Garten. Ein Teil des Rasens oder auch der ganze Rasen kann durch eine Blumenwiese oder einen Blumenrasen ersetzt werden, was Nektar für Insekten bietet. Solche bunten Wiesen sehen schön aus und sind pflegeleicht. Anstatt jede Woche mit dem Rasenmäher zu mähen, muss eine Blumenwiese nur noch ein bis zweimal pro Jahr gemäht werden. Ein Ast- und/oder Laubhaufen in einer Ecke des Gartens ist für viele Wildtiere ein willkommener Unterschlupf.»
Die Lösung wäre doch ein Schottergarten! Dann ist man Unkraut und Arbeit für immer los…
Barbara Gautschi: «Lieber nicht! Viel besser ist eine Ruderalfläche (Anm. d. Red.: Nährstoffarmer Boden mit Sand, Kies und Steinen, auf dem zahlreiche Blumen- und Pflanzenarten wachsen). Eine solche sieht schön aus und ist mit wenig Aufwand zu pflegen. Sie ist unter anderem für Wildbienen ein gutes Zuhause. Eine solche Fläche ist eine gute Alternative zu den Schottergärten, unter denen sogar noch ein Vlies liegt, damit ja nichts wachsen kann. Diese Flächen sind für die Natur wertlos.»
Barbara Eichenberger: «Der Werkdienst Menziken hat in der Gemeinde an verschiedenen Standorten Ruderalflächen erstellt, zum Beispiel beim Parkplatz bei der Badi. Dies begrüsst der NVMB sehr. Am Anfang sehen diese Flächen etwas karg aus, dies wird sich aber in Zukunft ändern und die Fläche wird in allen Farben erblühen. Beim Gemeindehaus wurde zum Beispiel auch eine ökologische Aufwertung mit Ruderalflächen vorgenommen. Inzwischen gibt es in Menziken und Burg auch Gartenbauer, die ökologisch wertvolle Gärten erstellen oder Beratungen diesbezüglich anbieten (Jonas Wassmann Burg, Ihre Gartenwelt Menziken). In den vielen Privatgärten liegt ein grosses Potenzial für mehr Natur.»
Wenn man einen Sack Blumenwiesen-Samen in den Rasen wirft, passiert nichts. Warum?
Barbara Gautschi: «In einem dichten Rasen können sich neue Blumen nicht durchsetzen. Die Samen brauchen Licht, welches sie zwischen den vielen Grashalmen nicht bekommen. ‹Passiert nichts› ist aber übertrieben. Mit etlichen Wiederholungen und Ausdauer werden sich Blumen ansiedeln, denn mit dem Wachsen lassen des Rasens zu einer Wiese, entstehen nach dem Mähen im Herbst immer wieder die nötigen Lücken. Effizienter ist es aber, den Rasen zu entfernen und die Blumenwiese neu anzusäen.»
Der Natur- und Vogelschutzverein Menziken Burg ist ein sehr aktiver Verein. Geben Sie uns einen Einblick in Ihr Jahresprogramm.
Barbara Eichenberger: «Unter anderem hat der NVMB im April zusammen mit dem WWF und der Familie Weber vom Trolerhof Sandlinsen für Wildbienen angelegt. Am kommenden 3. Juni führen wir einen Kurs über essbare Wildkräuter mit Daniel Knecht durch, am 10. September zeigt der NVMB einen «Sägissekurs» an. bei dem man lernt, wie eine Naturwiese mit der Sense gemäht wird. Beim nationalen Clean-Up-Day vom 17. September schliesslich setzt der NVMB zusammen mit dem Werkdienst und der IG Bauern ein Zeichen gegen Littering und bei den Pflegeeinsätzen unserer Naturschutzgebiete am 24. September und 29. Oktober unterstützt der NVMB die Pflegegruppe der Naturschutzkommission. Das alles kann man im Internet unter www.nvmb.ch nachlesen.»
Picken wir zwei Themen heraus: Wie viele Nistkästen wurden in Menziken und Burg schon aufgehängt? Werden die auch angenommen von den Vögeln?
Barbara Eichenberger: «In den letzten Jahren waren wir sehr aktiv mit Aufhängen von Nistkästen. Dies hat unter anderem mit unserem Vorstandsmitglied Hansuli Christen zu tun. Er baut in seiner Freizeit Nistkästen für verschiedene Tierarten. So zum Beispiel auch für Fledermäuse, Alpen- und Mauersegler und für Igel. Igel haben heutzutage auch einen schweren Stand. Viele Gärten sind viel zu aufgeräumt, es wird mit viel Gift hantiert und es fehlt an Unterschlupfmöglichkeiten für die putzigen Stacheltiere.Auch machen diesen Fadenmäher, Laubbläser, Rasenroboter und natürlich der Strassenverkehr sehr zu schaffen. Viele Igel werden von Rasenrobotern verstümmelt, da diese in den Abendstunden und über die Nacht nicht abgestellt werden. Fadenmäher fügen Igeln furchtbare Verletzungen zu, wenn unter Sträuchern, ohne vorher nachzusehen, damit gemäht wird. Nicht zuletzt leiden die Igel auch unter dem Mangel an Insekten. Wir reinigen im Herbst gegen 700 Nistkästen in Menziken und Burg, wir stellen dabei jeweils fest, dass die meisten besetzt waren und auch im Winter als Schlafstätte oder als Überwinterungsbehausung zum Beispiel von Siebenschläfern genutzt werden.»
Warum sind Neophyten ein Problem? Da sind ja Blüten dran und sie sehen hübsch aus.
Barbara Gautschi: «Neophyten sind Pflanzen, die bei uns eingeführt wurden. Die allermeisten sind problemlos. Sie wachsen nur in den Gärten oder vereinzelt in der freien Natur und fügen sich ins System ein. Einige wenige Arten sind «invasiv» und bereiten vielerlei Probleme: Sie verdrängen einheimische Arten, sie bieten keinen Lebensraum für Insekten und andere Tiere, sie können Allergien auslösen oder Erosion fördern und sogar Bauten beschädigen. Auch wenn an den schönen Blüten die Schmetterlinge saugen: Am Sommerflieder zum Beispiel lebt sonst nichts.»
Auch der NVMB organisiert am 18. Juni 2022 einen Neophyten-Tag. Bringt es etwas, die Invasiven Pflanzen Jahr für Jahr auszureissen? Der Kampf scheint aussichtslos.
Barbara Eichenberger: «Am Veloweg Richtung Beromünster entfernen wir die Neophyten schon seit einigen Jahren und es sind jedes Jahr weniger. Wir stellen allgemein einen Erfolg fest, überall dort, wo regelmässig invasive Neophyten entfernt werden. Vor allem in Flächen mit grosser Artenvielfalt lohnt es sich, diese zu schützen.»
Interview: Remo Conoci

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