Wiedereröffnung nach nur drei Wochen
28.07.2022 ReinachRund drei Wochen nach dem verheerenden Brand an der Hauptstrasse 37 in Reinach, hat die Central-Apotheke in der nahegelegenen alten Post ihre Pforten wieder geöffnet. Vieles ist noch improvisiert, Inhaber und Apotheker Franz Kesselring blickt auf drei intensive Wochen ...
Rund drei Wochen nach dem verheerenden Brand an der Hauptstrasse 37 in Reinach, hat die Central-Apotheke in der nahegelegenen alten Post ihre Pforten wieder geöffnet. Vieles ist noch improvisiert, Inhaber und Apotheker Franz Kesselring blickt auf drei intensive Wochen zurück.
rc. Für mindestens ein halbes Jahr, vielleicht sogar bis im Sommer nächsten Jahres werden Medikamente und Pflegeprodukte der Central-Apotheke durch die Schalter der alten Post in gereicht. Das WB durfte noch vor der Eröffnung einen Augenschein nehmen: Hinter dem Panzerglas sieht es schon fast so aus, wie in einer gewöhnlichen Apotheke. Franz Kesselring ist die Erleichterung über die Wiedereröffnung anzumerken. «Ich bin ein Mensch, der nach vorne schaut und so war es mir recht, dass sich die Experten von der Mobiliar und der Gebäudeversicherung noch in der Brandnacht an die Arbeit gemacht haben», sagt der Apotheker. Um vier Uhr morgens sei die Arbeit der polizeilichen Spurensicherung abgeschlossen gewesen, um fünf Uhr habe er den Termin mit der Versicherung schon vereinbart, erinnert sich Kesselring, der mit seiner Familie im gleichen Gebäude wohnt und um 1 Uhr morgens aus dem Schlaf gerissen wurde.
Ein Nachbar bemerkte eine Person, die versuchte in verschiedene Gebäude einzudringen und alarmierte die Polizei. Diese machte sich sofort auf den Weg, doch dem Täter gelang es in dieser Zeit noch einen Stein durch die Fensterscheibe im hinteren Teil des Gebäudes zu werfen, ein paar hundert Franken aus der Kasse zu klauen und einen Brand zu legen – vielleicht um seine Spuren zu verwischen. Der später als 28-jähriger Schweizer identifizierte Mann floh vom Tatort, kehrte aber wieder zurück und wurde unter dringendem Tatverdacht verhaftet, wegen seiner schlechten Verfassung sogar ins Spital gebracht. Heute sind im fast 200 Jahre alten Gebäude verkohlte Balken über der Brandstelle zu sehen «Schlimmer ist der Schaden, der durch den Rauch und die Hitze entstanden ist», sagt der Apotheker und führt durch den komplett verkohlten Laden. Alle Medikamente und Produkte mussten entsorgt werden, führt er weiter aus. «Durch die Hitze können Medikamente ihre Wirkung verlieren, darüber hinaus war alles mit einer dicken Schicht Russ bedeckt.» Auch das Mobiliar lasse sich kaum mehr retten. Was aus Plastik ist, ist dahin geschmolzen − kein schöner Anblick.
Grundversorgung ist gewährleistet
Franz Kesselring wiederholt es: «Ich will nach vorne schauen, positiv denken, rückgängig machen kann ich es ja nicht mehr» – und so machte er sich in den vergangenen drei Wochen daran, seine Apotheke von Grund auf neu aufzubauen. Dabei konnte er auf ein eingespieltes Management der Versicherungen vertrauen, die für solche Fälle bezüglich Infrastruktur ein hilfreiches Netzwerk aufgebaut haben: Eine temporäre Bleibe hat man in der ehemaligen Post Reinach gefunden, die seit geraumer Zeit leer steht. Das Mobiliar dagegen stammt von einer Apotheke in Hochdorf, die geschlossen wurde. «Nachdem alles hierher gebracht wurde, waren noch einige Schreinermeister-Arbeiten nötig, die Elektronik, das Informatiksystem und viele Geräte mussten neu eingerichtet werden.» Seine geplanten Ferien habe er gestrichen und sich mit seinen Mitarbeiterinnen an die Arbeit gemacht, um Gestelle einzuordnen. «Wir sind noch nicht ganz fertig, es wird wohl bis zuletzt ein Provisorium bleiben», erklärt der Apotheker. «Bei den Bestellungen sind wir fast durch, nur bei den Produkten im Wellness-Bereich gibt es noch grössere Lücken.» Wie diese in der Schalterhalle ausgestellt werden, sei ebenfalls noch nicht ganz sicher, doch Kesselring stellt klar: «Im Moment sieht es in der Schalterhalle noch sehr leer aus, aber wir können die Grundversorgung gewährleisten und unsere Kundinnen und Kunden mit Rezepten bekommen ihre Medikamente jederzeit bei uns.» Auch während der Schliessung blieb die Central-Apotheke telefonisch erreichbar. So konnten in Zusammenarbeit mit anderen Apotheken Notfälle abgedeckt werden
Rückkehr wohl in einem Jahr
Noch ist nicht ganz klar, wie viel Zeit die Renovation der Central-Apotheke am eigentlichen Standort an der Hauptstrasse 37 in Anspruch nehmen wird. Auch die Wohnung über dem Geschäft ist in Mitleidenschaft gezogen worden. «Mal ist von einem halben Jahr die Rede, mal von einem ganzen Jahr. Möglicherweise gehen die nächsten Sommerferien wieder für den Umzug drauf», seufzt Kesselring. So etwas habe er mit 60 Jahren und nach fast 200-jähriger Geschichte des Familienbetriebs also nicht mehr wirklich gebraucht, sagt er zuletzt. Doch dann schaut Franz Kesselring wieder mit Zuversicht und Blick nach vorne in seine «neue» Apotheke am Postplatz 4, die ab sofort Kundinnen und Kunden wieder willkommen heissen kann.



