Die Gewänder der Heimat mit Stolz tragen
04.08.2023 ReinachDas Festzelt auf dem Marktplatz hat sich einmal mehr bewährt. Die Festwirtschaft, geführt durch die Braugarage mit Unterstützung des SC Reinachs, wurde rege genutzt, für die musikalische Umrahmung war die Spielgemeinschaft der Musikgesellschaften Reinach und Menziken ...
Das Festzelt auf dem Marktplatz hat sich einmal mehr bewährt. Die Festwirtschaft, geführt durch die Braugarage mit Unterstützung des SC Reinachs, wurde rege genutzt, für die musikalische Umrahmung war die Spielgemeinschaft der Musikgesellschaften Reinach und Menziken besorgt und es zeigte sich Denise Hintermann für eine sympathische Festansprache verantwortlich.
hg. «Metenand de 1. August fiire, so wönscht mer sechs...» freute sich s Gemeindeammann Jules Giger mit einem Blick in das praktisch voll besetzte Festzelt. Gemütlich beisammen sein, neue Bekanntschaften schliessen, alte auffrischen, für einmal den heimischen Herd kalt lassen, gelungene musikalische Einlagen geniessen und den besinnlichen, zum Schmunzeln anregenden und manchmal auch nachdenklich stimmenden Worten lauschen, dafür steht die Bundesfeier in Reinach. Für letzteres zeigte sich in diesem Jahr die höchste Trachtenfrau der Schweiz verantwortlich. In Beinwil am See aufgewachsen, vielseitig interessiert und engagiert, ist Denise Hintermann, Präsidentin der schweizerischen Trachtenvereinigung, vor dreieinhalb Jahren nach Reinach gezogen. Warum, das verriet sie den Anwesenden in sympathischer Art und Weise auch gleich: «Die Mietpreise am See sind das eine, der hartnäckige Nebel im Herbst das andere». Zu Reinach hat sie seit der Oberstufenschulzeit eine Verbindung, sie schätzt die Infrastrukturen und die breit gefächerten lokalen Dienstleister im Dorf.
Die Gesellschaft im Wandel der Zeit
In ihrer kurzweiligen, gehaltvollen Ansprache hielt sie der heutigen Gesellschaft im digitalen Zeitalter den Spiegel vor, ohne zu werten, lediglich beobachtend, festhaltend. «Unabhängig von sozialen Ereignissen kann man ein Phänomen beobachten, das zum Nachdenken anregt. Das Zusammenleben wird aggressiver und kälter, Tugenden scheinen out zu sein, statt innerer Werte zählen Coolness, Statussymbol und Likes. Immer häufiger verpassen wir uns selber Scheuklappen».Wie könne es sein, dass wir Menschen, ein soziales Wesen mit Gemeinschaftssinn, zunehmend zu selbstverliebten, rücksichtslosen Einzelkämpfern werden, stellte sie die Frage in den Raum. «Ich möchte Sie ermutigen, Ihre eigene Kreativität und Intelligenz dafür einzusetzen, um die Welt um uns herum positiv zu beeinflussen. Jede gute Tat zählt und trägt dazu bei, unsere Gesellschaft zu stärken. Wir haben alle die Fähigkeit Veränderungen herbeizuführen und einen positiven Einfluss auf unsere Umgebung auszuführen».
In der Wynentaler Tracht
Übrigens, dass die Präsidentin der schweizerischen Trachtenvereinigung zu einer Bundesfeier in der Tracht erscheint, versteht sich von selbst. Im Fall von Denise Hintermann musste es die Wynentaler Tracht sein und woran sich diese erkennen lässt, verriet sie auch gleich. «Die Anzahl der Ketteli übrigens zeigte wie vermögend man war, oder besser gesagt, wie viele Kühe man im Stall stehen hatte», erklärte Denise Hintermann mit einem Schmunzeln. Es war ihr anzusehen, dass sie die Tracht gerne trägt. «Die Gewänder unserer Heimat und Kultur sollten wir wieder vermehrt mit Stolz tragen», hielt sie fest und stand sicht- und spürbar dafür ein. «Lebendige Traditionen sind unser immaterielles Kulturerbe. Tradition, Brauchtum und Folkore – lange Zeit haben diese Begriffe einen negativen Beigeschmack gehabt. Eine Tracht zu tragen, wie ich das heute mache, hat überhaupt nichts zu tun mit hinterwäldlerisch oder altmodisch – sondern mit Stolz».

