Musik, die zum Träumen verleitet

Do, 28. Nov. 2024
Das interessierte Publikum hörte aufmerksam zu, als Tizian Naef die Feinheiten seines historischen Tasteninstrumentes erklärte.

Vergangenes Wochenende verzauberten Susanne Geist und Tizian Naef im Huus 74 die Besucher mit den wundervollen Klängen der Blockflöte und des Cembalos.

jaf. Im urchigen Saal mit Natursteingemäuer, rustikalen Holzbalken und knarrenden Landhausdielen stand ein mondänes Cembalo bereit. Das Gesamtbild im Raum verbreitete eine gediegene Stimmung.

Nach der Verköstigung eines feinen Menüs von Kirsten und Thomas Wiederkehr, Gastgeber im Huus 74, versammelte sich zum Konzertbeginn das durchmischte Publikum im heimeligen Saal. Unerwartet sassen unter dem Publikum auch viele neugierige Kinder. «Meine Enkeltochter wollte gerne ihre Blockflötenlehrerin unterstützen, deshalb habe ich extra angerufen, um zu fragen, ob auch Kinder kommen dürfen», erzählte eine Besucherin. «Wir sind aber auch hier wegen des Pianos», ergänzte die zweite Enkeltochter eifrig.

Musikalische Reise durch Europa

«Hier lernte ich die polnische Musik in ihrer wahren barbarischen Schönheit kennen. Man sollte kaum glauben, was dergleichen Bockpfeiffer oder Geiger für wunderbare Einfälle haben. Ein Aufmerkender könnte von ihnen in acht Tagen Gedanken für ein ganzes Leben erschnappen», ein Zitat des deutschen Barock-Komponisten Georg Philipp Telemann. Telemann sagte von sich selbst, dass er auf seinem musikalischen Weg in den polnischen Gasthäusern mehr gelernt hat als von allen Musiklehrern zusammen. Mit anmutigen Zitaten und Geschichten der Barock-Komponisten moderierte Sven Bachmann, Musiklehrer der Kreismusikschule Seetal, das Konzert.

Die Geschichtenerzähler

Wie die lebendigen Farben und die dynamischen Bewegungen die damalige Bildkunst prägten präsentierten Susanne Geist mit der Blockflöte und Tizian Naef am Cembalo eine vielfältige, bunte musikalische Kunst, voller Lebendigkeit. Als wären es Geschichten, die vorgetragen werden, luden die ausgewählten Stücke, wie die Sonata in E Dur, BWV 1035 «Adagio ma non tanto, Allegro, Siciliano, Allegro assai» von Johann Sebastian Bach, zum Träumen ein. Nicht verwunderlich, konnten im Publikum immer wieder leicht geschlossene Augen entdeckt werden.

Eine musikalische Bereicherung

Tizian Naef studierte in Trossingen und Basel unter anderem Cembalo. «Das Cembalo war nicht Liebe auf den ersten Blick. Es war mehr ein Zufall», erzählte der Musiker. Das 70 Kilogramm schwere Cembalo ist ein Nachbau von 1761, welches Naef selbst zusammengebaut hat. Der Klang dieses filigran gestalteten Musikinstrumentes beschreibt Naef treffend als «vornehm silbrig». Anders als das Klavier wird es gezupft und nicht gehämmert. Seine Hingabe zu diesem Instrument ist beim Musizieren, wie auch bei seinem grossen Wissen über das Cembalo merklich spürbar. «Nebst dem direkten Vorläufer, dem Hammerflügel, ist das Cembalo ebenfalls ein Vorläufer des Klaviers», erklärte der Cembalist nach dem Konzert.

Die beiden Instrumentalisten geben unabhängig jeweils europaweit Konzerte. Ihre Wege führten sie ins Seetal, wo sie in der Kreismusikschule Seetal unterrichten. Ausserdem möchten sie nun als Duo in der Region vermehrt Konzerte geben. Auch zur Freude von Marina Geissbühler, Schulleiterin der Kreismusikschule Seetal, die mit strahlendem Lächeln sagte: «Endlich kann ich mich mal nur hinsetzen und geniessen, ohne etwas zu tun.»

Susanne Geist studierte in Basel, Stockholm und Bozen und unterrichtet zusätzlich an der Musikhochschule Freiburg. «Die Blockflöte wird als Basisinstrument leider unterbewertet», betont die leidenschaftliche Flötistin. «Es ist ein Instrument, welches sich, wenn man dranbleibt, genauso anspruchsvoll spielen lässt, wie jedes andere Instrument auch.»

Während wohl viele den Barock durch seine typisch opulent verzierten Gebäude und dramatisch illusionären Deckengemälde mit einer gewissen Schwere verbinden, brillierte das Duo mit der Darbietung der Barockmusik, voller Leichtigkeit und Vielfalt. Der spannungsvolle Wechsel von sanften, spielerischen Passagen über kraftvolle, unbändige Lebenslust lud das Publikum sichtlich zum Geniessen ein.

«La dolce vita»

Die musikalische Reise führte von Polen über Deutschland, Frankreich, Italien und England. «Mancini war ein berühmter Opernkomponist und schaffte es, auch ohne Sprache kleine Opern zu erzählen. Man hört alles heraus, was das italienische Leben zu bieten hat.Von quirliger Freude bis totaler Verzweiflung, erster Liebe bis Ehekrise, Licht und Schatten», mit diesen Worten leitete Sven Bachmann in das vorerst letzte Stück des Abends ein. Eine Sonata 11 in G Moll, von Francesco Mancini «Un poco andante, Allegro, Largo, Allegro».

Nicht nur ihr bewundernswertes Können am Instrument, auch ihre spürbare Leidenschaft berührten und begeisterten das Publikum. Nach der Aufführung standen Susanne Geist und Tizian Naef dem Publikum Red und Antwort, was rege genutzt wurde.

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