Blackout
«Hey, hallo Roli!», hörte ich am vergangenen Wochenende eine Frauenstimme schon aus einigen Metern Entfernung, als ich eine Veranstaltung in der Region besuchte. Ich drehte mich um und erblickte … niemanden, die mir bekannt vorkam. Aber an ihrem strahlenden Gesicht, mit dem sie mir entgegenkam, war schnell auszumachen, dass sie mich erkannt hatte. Ich meinerseits wusste nicht, wer sie war, bis sie mir sagte, dass sie Andrea heisse und wir doch mal im selben Betrieb gearbeitet hätten. Als ich realisierte, dass wir uns fast 40 Jahre nicht gesehen hatten, nahm ich mein anfängliches Blackout nicht mehr ganz so ernst. Und ihr gegenüber schien ich es einigermassen gekonnt und mehrfach geübt erfolgreich zu überspielen.
Weit weniger harmlos als mein Blackout waren die Blackouts − früher nannte man diese auch Stromausfall − in Spanien und Grossbritannien in den letzten paar Tagen. In Spanien war es ein lediglich fünf Sekunden dauernder Leistungsabfall, dieser führte zum Zusammenbruch des Systems und damit zu einem Blackout, der weite Teile der iberischen Halbinsel betraf und ortsabhängig bis zu 18 Stunden anhielt. Bei den Briten wird noch gerätselt, was schliesslich zum rund zweistündigen Ausfall führte. Tatsache ist, dass ein Stromausfall unser Leben heute praktisch lahmlegt. Stellen Sie sich einmal vor, wo überall wir von einer funktionierenden Stromversorgung abhängig sind! Die Wasserversorgung funktioniert nicht mehr, genauso wie Heizung und Kühlung. Mobilfunknetze und Internet? Fehlanzeige! Die Erreichbarkeit von Polizei, Feuerwehr usw. ist eingeschränkt. Ampeln fallen aus, Züge stehen still. Tanken ist nicht möglich – auch Zapfsäulen brauchen Strom. Ohne Erlaubnis aus dem Tower startet kein Flugzeug. Im Handel bricht das Chaos aus, da Lieferketten zusammenbrechen, Tiefkühlregale lassen die Ware auftauen und an der Kasse stehen Kunden händeringend ohne funktionierendes Zahlungsmittel. In Fabriken stehen die Maschinen still, drohen Datenverluste aufgrund fehlender Sicherungen und abstürzender IT-Systeme. Im Spital funktioniert die Notstromanlage nur so lange der Diesel reicht, der Operationssaal liegt dann im Dunkeln und Beatmungsgeräte versagen ihren Dienst … man mag sich all die Folgen gar nicht ausmalen.
Wie gut, dass mein persönliches Andrea-Blackout eines der harmloseren Sorte war!
Roland Marti
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