Konklave
Gestern hat es begonnen, das sagenumwobene Wahlprozedere des neuen Papstes. Wenn ich Pech habe, ist es schon seit gestern Abend und der Auszählung des ersten Wahlgangs entschieden. Dann wären die folgenden Zeilen schon Makulatur, wenn Sie diese Zeitung in den Händen halten. Aber das Risiko gehe ich ein. Immerhin hat das längste Konklave im Jahr 1271 erst nach 1005 Tagen mit der Wahl von Papst Gregor X. geendet. Und damals waren erst 18 Kardinäle zugegen.
Nun sind die 133 wahlberechtigten Kardinäle seit gestern in der Sixtinischen Kapelle mit Schlüssel (cum clave) eingeschlossen und wählen den Nachfolger von Papst Franziskus. Eingeschlossen, um den äusseren Einflüssen – nicht zuletzt auch der Medien – zu entgehen. Und das Medieninteresse ist tatsächlich immens. TV-Stationen berichten live über ein Ereignis, über das es erst bei erfolgreicher Wahl etwas zu berichten gibt: Wir sehen weissen Rauch. Habemus Papam!
Was ich mich aber frage: Wie gestaltet sich so ein Wahlkampf? Gab es Plakate mit freundlich lächelnden Kardinälen auf dem Weg in die Kapelle? Oder verteilen die Kandidaten jetzt fleissig Säckli mit Gummibärchen (Haribo macht Kinder froh, Kardinäle ebenso!)? Gewinnt letztlich der Kardinal, der in seiner Wahlrede verspricht, bereits am ersten Tag seiner Amtszeit Weltfrieden herzustellen, Zölle auf Hostien einzuführen und ganze Länder der katholischen Kirche zu unterstellen, wenn sie diese Zölle verhindern wollen? Vielleicht läuft ja auch alles nach der bewährten Fifa-Methode mit dem diskreten aber hochwirksamen Zustecken von Couverts mit dem einen oder anderen Franken-Nötli drin. Aber was soll ich spekulieren? Das passiert ja alles hinter verschlossenen Türen. Wir werden es nie erfahren.
Roland Marti
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