Permakultur und Artenvielfalt
19.06.2025 OberkulmDie Exkursion des NVV Oberkulm führte 27 naturinteressierte Mitglieder vom Hochstamm-Obstgarten zum Waldgarten und zur faszinierenden Magerwiese mit seltener Artenvielfalt.
(Eing.) Bei sommerlichem Wetter versammelten sich Mitglieder und Freunde des Natur- und ...
Die Exkursion des NVV Oberkulm führte 27 naturinteressierte Mitglieder vom Hochstamm-Obstgarten zum Waldgarten und zur faszinierenden Magerwiese mit seltener Artenvielfalt.
(Eing.) Bei sommerlichem Wetter versammelten sich Mitglieder und Freunde des Natur- und Vogelschutzvereins Oberkulm im Alter zwischen 8 und 78 Jahren zur diesjährigen Exkursion. Co-Präsidentin Martina Müller begrüsste die bunt gemischte Gruppe herzlich zum Ausflug in zwei ganz unterschiedliche, aber gleichermassen faszinierende Lebensräume. Die Tour führte vom Dyshübel bis zum Gränihübel – zwei Moränenhügel aus der vorletzten Eiszeit – und verband Einblicke in innovative Landwirtschaft mit der stillen Schönheit traditioneller Kulturlandschaften.
Ein wachsender «Esswald»
Erster Programmpunkt war der Besuch des Dyshofs von Joachim Schöllkopf, promovierter Diplom-Chemiker und leidenschaftlicher Permakulturpraktiker. Er gab einen spannenden Einblick in die Entwicklung seines «Foodforests» – eines essbaren Waldes nach den Prinzipien der Permakultur. Ziel ist es, auf mehreren Ebenen essbare Pflanzen zu kultivieren, die sich gegenseitig begünstigen und keinen jährlichen Umbruch benötigen.
Zwischen Bäumen, Sträuchern und Bodenpflanzen wachsen auf seinem ProSpeciaRara-Hof sowohl einheimische als auch angepasste, teils exotische Arten: verschiedene Kiwis, Nashibirnen, Sanddorn, Pawpaws (Indianerbananen), Austernseitlinge, aber auch Beeren und Kräuter. Der Garten nutzt Licht, Boden und Mikroklima optimal aus – ein lebendiges Ökosystem, das nicht nur Ertrag bringt, sondern auch Biodiversität fördert. Rund um das Wohnhaus gedeihen diese Spezialitäten ebenso wie in einem Permagarten, in dem nie eine Fläche brachliegt und die Pflanzenvielfalt Boden und Mikroklima schützt.
Im grosszügigen Hochstammobstgarten wachsen rund 50 seltene und alte Sorten – darunter der Küttiger Dachapfel, Edelchrüsler und Menznauer Jäger. Alte Sorten gelten als besser verträglich für Allergiker und tragen gleichzeitig zur Erhaltung genetischer Vielfalt bei. Auch Aroniabeeren und Maulbeerbäume gedeihen hier. Letztere sorgten bei der Verkostung für einen willkommenen Energiekick – fruchtig, süss und vollreif direkt vom Baum.
Schatzkammer der Biodiversität
Im Anschluss setzte die Exkursion ihren Weg mit Ernst Hofmann fort, der sich seit Jahren für die vielfältige Natur interessiert und einsetzt. Er führte die Gruppe vom Dyshübel zum Gränihübel, beides Moränenreste aus der vorletzten Eiszeit. Dort offenbarte sich ein zweiter, ganz anderer Schatz der Natur: eine lebendige und vielfältige Wiesenvegetation auf artenreichen Magerwiesen, wie sie in der heutigen Agrarlandschaft nur noch selten zu finden ist.
Hofmann erklärte fachkundig, dass Magerwiesen nur auf nährstoffarmen Böden gedeihen – und genau darin liege ihr ökologischer Wert. Je nährstoffärmer und extensiver genutzt eine Wiese ist, desto höher ist ihre Artenvielfalt. Die Exkursionsteilnehmer konnten zahlreiche seltene Pflanzen entdecken, die auf diesen kargen Böden gedeihen: Wilder Thymian, Aufrechte Trespe, Glatthafer – letztere als ursprüngliche Verwandte unserer heutigen Getreidesorten – sowie Hornklee und die auffällig violette Witwenblume.
Diese nährstoffarmen Wiesen geben nicht nur Einblick in eine frühere Kulturlandschaft – wie sie bis in die 1950er-Jahre typisch war – sondern bieten heute einen wertvollen Rückzugsort für zahlreiche seltene Arten. So konnten die Teilnehmenden unter anderem das Grosse Heupferd, den Schachbrett-Falter und den Postillion beobachten. Auch ein Fuchsbau wurde entdeckt.
Die artenreichen Wiesen zeigen eindrücklich, wie sehr Vielfalt von nährstoffarmer, schonender Nutzung profitiert. Ein interessanter Aspekt war auch der Vergleich zu anderen Wiesentypen: Während Feuchtwiesen oder intensiv genutzte Mähwiesen kaum noch Rückzugsräume für Bodenbrüter wie die Feldlerche bieten, sind Magerwiesen echte Hotspots der Biodiversität. Besonders für Schmetterlinge, Wildbienen und Käfer stellen sie unverzichtbare Lebensräume dar.
Gemütlicher Ausklang
Zurück am Ausgangspunkt erwartete die Exkursionsteilnehmer ein feiner Apéro: Im kühlen Schatten liess die Gruppe den Vormittag intensiver Naturerfahrung bei frischem Brunnenwasser, Apfelmost, knusprigem Zopf und aromatischem Bergkäse ausklingen. Zum Abschluss bedankte sich der NVV Oberkulm bei seinen beiden Referenten für ihr Engagement. Co-Präsidentin Martina Müller überreichte als Geschenk Oberkulmer Pasta und Sonnenblumenöl – passend zum Tag, naturverbunden und genussvoll – als Zeichen der Wertschätzung.
Die Exkursion zeigte eindrucksvoll, wie naturnahe Bewirtschaftung und gezielte Pflege wertvolle Lebensräume schaffen können – und wie wichtig es ist, solche Orte zu bewahren und zu fördern.


