Rauch, Hitze und gewaltige Kräfte
05.06.2025 Seetal, SeengenDer Verein Hammerschmiede in Seengen öffnete letztes Wochenende für zahlreiche Besucher seine Tore. Ob gross oder klein, die Besucher erkundeten mit grossem Interesse die verschiedenen Stationen des Schmiedens und gewannen damit einen eindrücklichen Blick in das alte, ...
Der Verein Hammerschmiede in Seengen öffnete letztes Wochenende für zahlreiche Besucher seine Tore. Ob gross oder klein, die Besucher erkundeten mit grossem Interesse die verschiedenen Stationen des Schmiedens und gewannen damit einen eindrücklichen Blick in das alte, wegweisende Handwerk.
jaf. «Offiziell öffnete die Hammerschmiede heute um 10 Uhr, doch einige standen bereits um viertel nach neun bereit», teilte Jörg Leimgruber, Präsident des Vereins Hammerschmiede, sichtlich erfreut über das grosse Interesse, mit.
In einem Rundgang mit verschiedenen Stationen konnte das älteste Handwerk erkundet werden. Dazu gehörte die Demonstration der Arbeit mit dem grossen Schwanzhammer bis zum filigranen Schmieden von Dekorationsartikeln, vom Besichtigen des Balghauses mit dem grossen Schleifstein, Blasebalg, Drehbank und einer Bohrmaschine bis zu den beiden Weihern, welche die Wasserräder speisen. «Seit das Erz entdeckt wurde, wird Eisen hergestellt», erzählt Jörg Leimgruber.
Gewaltige Kräfte
Während beim Betreten der Schmiede der Klang eines langsamen, lauten Hammers durch die Werkstube hallte, stieg ein dominanter Duft aus Rauch und Metall die Nase empor. In einer Ecke zischte das Feuer und zeitgleich versammelten sich in der anderen die Besucher, um in sicherem Abstand gespannt das vorgeführte Handwerk mit dem gewaltigen Schwanzhammer zu beobachten. Durch die Rotation des Wasserrads angetrieben, drehte sich ein neun Meter langer Eichenstamm, in der Fachsprache Wellbaum genannt und hob, mit einer Art angebrachten Noppen den Schwanzhammer an. Zwei Männer legten das glühende Eisen, ein Schmied würde es «warmes Eisen» nennen, auf der Schabotte zurecht, wo der Schwanzhammer mit einer Schlagkraft von 30 Tonnen das Eisen bearbeitete. Vorzustellen wie ein überdimensionaler Hammer mit einem beachtlichen Eigengewicht von 190 Kilogramm.
Um das Eisen zu bearbeiten, brauche es zwischen 1000 und 1200 Grad Celsius, so der Vereinspräsident. Leimgruber erklärt, dass erst durch die Veredelung, sprich Beimischung von verschiedenen Legierungselementen wie Mangan oder Silizium der Stahl zum bekanntlich harten Metall wird. «Ein Schmied kann so die gewünschten Eigenschaften des Materials erzielen. Das ist ein grosses Wissen, welches die Schmiede haben müssen», sagte Jörg Leimgruber achtungsvoll.
Das Balghaus
Auf dem Weg Richtung Balghaus kamen die Besucher am unteren Weiher vorbei. Dieser speist das 4 Meter grosse Wasserrad, welches wiederum den Wellbaum und somit die Schwanzhämmer antreibt. Im Balghaus konnten die Besucher das Schleifen mit einem riesigen, rotierenden Schleifstein beobachten. Ein originaler Felsstein aus Deutschland. Hansruedi Siegrist demonstrierte den Zuschauern gekonnt das Schleifen verschiedener Klingen. Eine weitere Besonderheit im Balghaus war der Antrieb der Gerätschaften. Diese wurden über ein komplexes Transmissionssystem zum Laufen gebracht, das von der Rotation eines weiteren Wasserrads angetrieben wurde. «Es ist schon sehr beeindruckend, wie man schon zur frühen Zeit auf solche Lösungen kam. Ebenso die Umsetzung. Wenn man bedenkt, dass wir bei der Sanierung neue Techniken, wie ein Lasermessgerät beanspruchten, erstaunt es mich immer wieder, wie die Menschen dies zu ihrer Zeit vollbrachten», erzählt Leimgruber verblüfft.
Zwischen den verschiedenen Stationen konnten sich die Besucher beim Verpflegungsstand des Männerturnvereins Seengen verköstigen. «Sie organisieren das immer wunderbar», findet Leimgruber.Wer den warmen Temperaturen entfliehen wollte, konnte sich auch beim oberen Weiher unter den Bäumen eine kleine Verschnaufpause gönnen. In beiden Weihern waren verschiedene Fischarten zu sichten. Diese setzt der heutige Inhaber der Hammerschmiede und Vizepräsident Rudolf Sandmeier jedes Jahr ein. Die Fische können dann unter anderem in regionalen Restaurants, wie dem Hotel und Speiserestaurant Hallwyl genossen werden. «Einmal im Jahr grillen wir hier oben und essen Fisch», erwähnte der Vereinspräsident erfreut.
Die Sanierung
Die Hammerschmiede in Seengen ist schweizweit die grösste und konnte durch die Gründung des Vereins im Jahr 2015 gerettet werden. Denn 2011 brach der Wellbaum. Eine grosse Herausforderung, wie Leimgruber berichtete. Nicht nur die Finanzierung sei viel Arbeit gewesen, überhaupt einen geeigneten Eichenstamm zu finden war nicht leicht. «Der 9 Meter lange Eichenstamm muss langsam gewachsen sein, um die richtige Holzstruktur zu haben. Zudem dauert es lange, bis die Eiche so eine Grösse erreicht», schildert Leimgruber. Der heutige Wellbaum stammt aus Frankreich. Er wurde vor 200 Jahren gepflanzt und wird, wenn er seinem Vorgänger gleichkommt, nun 100 Jahre im Einsatz sein. Mit einem dankbaren Gesichtsausdruck erzählt Leimgruber, dass es viele Helfer gab, die bei der Restaurierung und Sanierung geholfen haben. «Zwischen 5000 und 6000 Stunden Fronarbeit wurde von Helfern aus dem Dorf und der Region geleistet.» Mit der grossen Hilfe konnte zum Beispiel der schmale Trampelpfad vom einen zum anderen Weiher in einen komfortableren Gehweg umgestaltet oder auch die in die Jahre gekommenen Werkzeuge und Utensilien entrostet und geputzt werden. Nicht nur der wertvolle Einsatz der vielen Freiwilligen, auch der Anklang am Tag der offenen Tür zeigte die Wertschätzung für die Aufrechterhaltung dieses Stücks Seenger Geschichte. Ein gelungener Anlass, bei dem die Besucher viel in Erfahrung bringen und gleichzeitig beim gemütlichen Beisammensein die Zeit geniessen konnten.




