Explosive Stimmung im Haus Gottes
20.11.2025 MenzikenDas Gotteshaus St. Anna in Menziken, 1907 geweiht, sollte ein Ort des Friedens und der Einkehr sein. Doch die Kirchgemeindeversammlung vom 8. November zeigte ein anderes Bild: 128 Stimmberechtigte des Pastoralraums aargauSüd erlebten eine Versammlung voller Misstrauen, Anfeindungen ...
Das Gotteshaus St. Anna in Menziken, 1907 geweiht, sollte ein Ort des Friedens und der Einkehr sein. Doch die Kirchgemeindeversammlung vom 8. November zeigte ein anderes Bild: 128 Stimmberechtigte des Pastoralraums aargauSüd erlebten eine Versammlung voller Misstrauen, Anfeindungen und schwerer Vorwürfe. Die Atmosphäre war so angespannt, dass es zu Buhrufen und demonstrativem Verlassen des Saals kam.
Nach der Eröffnung durch Präsident Dr. Martin Sigg und der Abstimmung über das Protokoll der letzten Sitzung folgte unter Traktandum 3 die Ersatzwahl in die Kirchenpflege. Unter Aufsicht des vom Kirchenrat eingesetzten Sachwalters Kurt Schmid, langjähriger Gemeindeammann und Betriebsökonom, wird am 30. November die Wahl der Kirchenpflege durchgeführt. Schmid bestätigte die korrekte Vorgehensweise der brieflichen Abstimmung und hielt fest, dass alles ordnungsgemäss und korrekt gehandhabt wird. Da Silva Vila Jorge Miguel wird an der Kirchgemeindeversammlung mit guten 97 Stimmen für die nächste Wahlperiode gewählt.
Im Anschluss folgt die Jahresrechnung 2024, die mit einem Überschuss abschliesst und ohne Diskussion angenommen wird.
Budget als Zündfunke
Beim Traktandum zum Budget 2026 kam es zu heftigen Auseinandersetzungen. Kandidat Toni Bättig stellte fest, dass ein Defizit von 80’420 Franken entstehe, verursacht durch zusätzliche Ausgaben für die Seelsorge von rund 120’000 Franken. Pfarrer Piotr Palczynski, der in Bättigs Argumentation erwähnt wurde, nutzte die Gelegenheit und griff zum Mikrofon. Mit Präzision und grossem Effort schilderte er die Entwicklung der Pfarrei seit seinem Amtsantritt 2009: Damals sei die Gemeinde in schlechtem Zustand gewesen, fünf Seelsorger hätten sich die Arbeit geteilt. Finanziell stand die Kirchgemeinde auf wackeligen Beinen. Durch seinen immensen Einsatz für Kirche und Gläubige habe sich die Lage stabilisiert. «Durch meine Arbeit», betonte er, sei die Gemeinde wieder auf Kurs gekommen – nachdem den damaligen Seelsorgern gekündigt worden war und er die Arbeit allein bewältigen musste.
Palczynski erklärte, er habe sich gut vorbereitet auf die Kirchgemeindeversammlung, das Wort aber nur ergriffen, weil er persönlich angesprochen worden sei. Er wies Bättig zurecht, dass dieser schlecht vorbereitet sei und kritisierte dessen öffentliche Angriffe auf kath.ch. Bättig verteidigte sich sachlich, doch die Stimmung im Kirchensaal war bereits gekippt. Die emotionale Antwort des Pfarrers führte zu Sympathiebekundungen sowohl für ihn als auch zu Stimmen gegen ihn. Es kam zu Zwischenrufen, Buhrufen, Klatschen und kleinen Inseln, in denen persönliche Konflikte ausgetragen wurden. Die Spaltung innerhalb der Kirchgemeinde zeigte sich deutlich. Rasch wurde klar: Ohne Hilfe von aussen wird es der Kirchgemeinde schwerfallen, wieder zu einer Einheit zu finden.
Nach den tumultartigen Ausschreitungen stellte Kirchenpflegepräsident Sigg einen Ordnungsantrag, über den abgestimmt wurde. Die Diskussion über das Budget war damit beendet. Bättig brachte noch einen Rückweisungsantrag ein, dessen eigentliche Begründung im Tumult jedoch unterging. Das Budget wurde schliesslich mit grossem Mehr angenommen.
Wortmeldungen zum Schluss
Unter dem letzten Traktandum liess Vizepräsidentin Barbara Leuenberger das vergangene Jahr Revue passieren. Nach ihren Ausführungen ergriff der ehemalige Finanzkommissionspräsident Loser das Wort und informierte die Versammlung, dass gegen sämtliche ehemaligen Mitglieder der Finanzkommission Strafanzeigen von Martin Sigg eingereicht worden seien. Sigg bestätigte dies und erklärte, die Anzeigen seien wegen Unterschlagung und Amtsmissbrauch erfolgt. Ob diese weitergezogen würden, wisse er nicht. Es gilt die Unschuldsvermutung in dieser Sache und für alle angezeigten Personen. Markus Rötheli fragte zudem nach den Kosten der ungültigen Sommerwahl, die mit rund 9000 Franken zu Buche schlägt. Sigg informierte, dass über die Zuführung der Kosten in die Rechnung 2025 noch nichts beschlossen sei.
Die Versammlung endete in aufgeheizter Stimmung. Mehrere Gläubige meldeten sich mit kritischen Wortmeldungen, eine ältere Frau wurde von der Kirchenpflege grob zurechtgewiesen, einige Sprecher wurden ignoriert. Einige Stimmberechtigte versuchten immer wieder, die Menschen daran zu erinnern, dass es in der Welt schon genug Krieg geben würde. Was da innerhalb der Mauern im Gotteshaus stattfinde, sei jedoch auch eine Art von Krieg. Viele Menschen hatten Tränen in den Augen und einige weinten nach der Versammlung.
Damit ging eine aussergewöhnlich turbulente Kirchgemeindeversammlung zu Ende, die tiefe Spuren in der Kirchgemeinde hinterliess.
Dominique Rubin


