Es ist in Gränichen ein offenes Geheimnis: Wer einen der begehrten Plätze für die zwei Aufführungen des Satus-Turnerabends in der Mehrzweckhalle ergattern will, muss sich sputen. Auch in diesem Jahr waren die insgesamt 900 Tickets innert weniger Minuten ausverkauft. Die Glücklichen, die es schafften, erlebten einen sehr abwechslungsreichen «Fernsehabend».
Mit leichter Verspätung begann die Show − stilgerecht. Denn ein richtiger Fernsehsender hält sich ja auch kaum an die publizierten Anfangszeiten. Unter dem Motto «Grüezi us Gränichen» präsentierten die Gränicher Turnerinnen und Turner ein buntes und abwechslungsreiches Programm und erzählten die Geschichte vom Gränicher Regionalsender GTV. Eine geschickte Wahl, lässt doch dieses Thema viel Spielraum für kreative Ideen. So eröffneten die Mädchen vom Geräteturnen, bevor die Frauen glamourös glitzernd das Show-Ensemble mimten. Herzerwärmend dann das Kinderprogramm mit den J&S-Kids, die «Bob, de Boumaa» und «Baby Shark» auf die Bühne zauberten.
Roland Marti
Zwischen den einzelnen Nummern wurde in Windeseile umgebaut. Die Wartezeit wurde mit der Rahmengeschichte, einem Blick hinter die Kulissen des Senders, kurzweilig überbrückt. Der altgediente Anchorman Wolfgang (Thomas Spirgi) absolviert seine letzten Moderationen. Gleichzeitig hofft seine Kollegin, die junge, aufstrebende Felicitas (Laura Rompietti) auf ihre grosse Chance. Die gestrenge Regisseurin Frau Torres (Sophie Plüss) hat alle Fäden in der Hand und dirigiert auch die weiteren Sender-Mitarbeitenden wie Raumpflegerin Gertrud (Steffi Hitz), den «rasenden» Kameramann (Stefan Kolb) oder die Maskenbildnerin (Tanja Thommen).
In bunter Folge wechselte das Programm von farbenfrohen Reigen, etwa jenem der Wetter-Girls, zu turnerischen Leckerbissen. Unter dem Programmpunkt VIP konnte Moderatorin Felicitas keinen Geringeren als US-Präsident Donald Trump begrüssen, der gleich mit einem ganzen S.W.A.T.- Team anrückte. In seiner Ansprache verkündete er, dass er rund um Gränichen eine Mauer bauen und Suhr dafür bezahlen lassen will, womit auf die legendäre Rivalität zum Nachbarort angespielt wurde.
Ebenso lecker wie lustig war die Nummer mit den tanzenden Pommes − eine Kochsendung darf schliesslich auf keinem guten Sender fehlen. Genauso der Blick in die Sterne fürs Horoskop und die Ziehung der Lottozahlen. Doch kurz vor der Pause erlitt die Stimmung beim Gränicher TV einen herben Dämpfer, als Frau Torres verkündete, dass die Kasse leer sei und man dringend sparen müsse. Sie gab ihrem Team bis nach der Pause Zeit, sich Sparmassnahmen auszudenken.
Sparen um jeden Preis
Der zweite Teil des Programms war dann geprägt von eben diesen Sparmassnahmen, was dem unterhaltsamen Spektakel aber nichts anhaben konnte. So wurde der Strom nun hinter den Kulissen mittels Ergometer erzeugt. Sogar an der Ausstattung des Moderationsteams wurde nun sichtbar gespart. Anstelle der Fussball-WM der Männer wurde die Frauenfussball-EM übertragen, was emotional aber mindestens ebenbürtig war. Die Nummer «Hopp Schwiiz» war eine von vielen, von denen das Publikum eine Zugabe forderte. Einen wahren Begeisterungssturm lösten die Akteurinnen und Akteure auf der Bühne mit der Nummer «Fake News» aus. 24 schwarz und weiss gekleidete Menschen sassen in Reihen auf sechs Treppenstufen und zeigten eine unglaubliche Choreografie. Man kann nur erahnen, wie aufwändig das Einstudieren dieser Nummer war. Allein für dieses Highlight lohnte sich der Besuch des Satus-Turnerabends!
Zwei Rücktritte
Schliesslich fand auch die Rahmengeschichte ihr Happy End. Ausgerechnet die bis dahin eher unscheinbare Raumpflegerin hatte schliesslich die erlösende Idee, die GTV finanziell rettete und auf die Erfolgsspur zurückbrachte. Und wie es sich für einen Turnerabend gehört, versammelten sich alle über 300 Mitwirkenden zum Schlussbild auf der Bühne. Als Christian Hohl, seines Zeichens seit Jahren Chef der Abendunterhaltung, den Verlauf des weiteren Freitagabends mit Nietenverlosung und Barbetrieb bekanntgeben wollte, wurde ihm das Mikrofon von Vereinspräsident Beat Steiner abgenommen. Dieser verkündete, dass Christian Hohl die Verantwortung für den Event im kommenden Jahr in neue Hände übergibt. 15 Jahre hatte er extrem viel Herzblut und ebensoviel Zeit für diesen Anlass investiert und ihn zu dem Renner im Gränicher Veranstaltungskalender gemacht. Nicht zuletzt ihm sei es zu verdanken, dass die Tickets, wie eingangs beschrieben, so schnell weggehen. Auch am Ende der Samstagsvorstellung gab es eine Verdankung: Thomas Spirgi tritt ebenfalls kürzer und wurde für seine 35 Jahre im OK der Satus-Abendunterhaltung geehrt.









Neuen Kommentar schreiben