An der Katastrophe vorbeigegangen

Fr, 01. Jul. 2016
Zeitungsausschnitt Wynentaler Blatt Nr. 52/1916

«Mit einem Gefühl der Dankbarkeit müssen wir bekennen, dass die über Europa hereingebrochene Katastrophe in ihrer ganzen Grösse an der Schweiz vorbei gegangen ist.» Mit diesen Worten berichtete das Wynentaler Blatt nicht über den «Brexit», sondern über die aktuelle Wirtschaftslage - vor genau 100 Jahren.

 

Man möchte fast sagen: Dieser erste Satz könnte genau so gut aus der heutigen Zeit stammen. Sofern man beispielsweise den «Brexit» als Katastrophe bezeichnen will, der über Europa hereingebrochen ist. In der Ausgabe vom 5. Juli 1916, schrieb der nicht näher bezeichnete Autor im Wynentaler Blatt aber über eine ungleich schlimmere Katastrophe: Der erste Weltkrieg tobte - und auch wenn die Schweiz nicht Kriegspartei war, so waren die Auswirkungen auch hierzulande deutlich spürbar. Dieser Artikel behandelte die wirtschaftlichen Folgen für die Schweiz.

Weiter war zu lesen, der Krieg ginge an der Schweiz vorbei, «ohne ihr anderes zuzufügen, als eine Einengung der ökonomischen Bewegungsfreiheit, eine teilweise Schwächung ihrer wirtschaftlichen Produktivität und eine Belastung ihres öffentlichen Haushalts. Ein gnädiges Schicksal hat bisher unser Land von den unmittelbaren Folgen des Krieges verschont, und die Hoffnung, dass dies auch fernerhin so bleiben werde erscheint berechtigt und wohlbegründet.
Die wirtschaftlichen Beklemmungen, denen wir jetzt ausgesetzt erscheinen, sind Momente die vorüber gehen und mit dem Tage ein Ende nehmen, in dem - in hoffentlich nicht allzuferner Zeit - die heute streitenden Parteien sich zu einem dauernden Freieden zusammenfinden; sie bedeuten keine dauernde Einbusse an wirtschaftlicher Kraft. Solange uns aber die Quellen, aus denen der Wohlstand unseres Landes fliesst in ihrer füheren Ergiebigkeit erhalten bleiben, so lange ist es berechtigt, die Zukunft der Schweiz frei von jedem übertriebenen Pessimismus zu betrachten. Denn auf die Erhaltung der wirtschaftlichen Kräfte kommt es in erster Linie an und nicht auf die augenblickliche Lage des Budgets der Eidgenossenschaft und der Kantone, die sich den neuen Verhältnissen erst durch Erschliessung weiterer Einnahmequellen anzupassen haben und sich bis dahinin einer Art Übergangszustand befinden.»

Und jetzt fragen wir uns noch einmal: Könnte dieser Artikel nicht genau so gut aus der aktuellen Ausgabe stammen?

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