Alles wird untertunnelt – Wyna-Expo auf Eis gelegt

Fr, 28. Dez. 2018
Alles was stört kommt unter den Boden: Projektentwurf für das Gebiet Gränichen (oben) bis Reinach (knapp nicht mehr im Bild). In der Mitte erkennen Sie die ehemalige Böhlerkreuzung, rechts den Halwilersee. (Bild: «IG JA, aber nicht vor meiner Haustür»)

Vor einem Jahr, als der letzte WB-Jahresausblick an dieser Stelle erschienen ist, prognostizierten wir einen ereignislosen August. Und so ist es auch gekommen, denn es war eigentlich nur trocken und heiss. Diesmal wird es allerdings kalt und nass. Wegen der Klimaerkältung. Bei einer solch hohen Trefferquote kommen wir** nicht umhin, auch in der letzten Ausgabe dieses Jahres einen nicht ganz vollkommen ernst gemeinten Jahresausblick zu riskieren.

JANUAR
Bereits Anfang Jahr geht es hoch hinaus. Der Kanton legt die Best-Price-Lösung auf den Tisch, was den Böhlerknoten in Unterkulm angeht. Kein Kreisel, keine T-Kreuzung und auch kein Tunnel wird es geben – nein, eine Luftseilbahn soll es sein. Er kommt damit einem Anliegen von Kurt Hess entgegen, der als Extrem-Bergsportler viel lieber über die Berge klettert, als durch sie hindurch. Bald wird man in Teufenthal nicht mehr nur auf das Postauto Richtung Leutwil umsteigen, sondern zwischen zwei Seilbahnstrecken nach Oberkulm und Schöftland wählen können. Verhandlungen zwischen WSB und dem Skigebiet im Haslital bezüglich kombinierten Skipässen laufen auf Hochtouren, schliesslich liegen wegen des Klimaschocks seit Anfang Jahr drei Meter Schnee im ganzen Gebiet.

FEBRUAR
A propos Leutwil. Auch im neuen Jahr kehrt auf dem Berg keine Ruhe ein. Im Februar wird eine IG gegründet, welche die Grossfusion von Birrwil, Zetzwil und Leutwil anstrebt. Also ganz im Sinne Napoleons, der die Bezirke im Aargau auch viel lieber quer über die Berge gelegt hat und wahrscheinlich ein entfernter Verwandter von Kurt Hess ist. In allen drei Dörfern rumorte es zuletzt auf Gemeinde-Ebene und man merkt einfach, dass man als Gemeinderat immer der Böhlermaa, pardon, der Bölimaa ist. Im Verlauf des Jahres wird die «IG Fusionitis» nach 32 Treffen einen ersten Erfolg verbuchen, denn man wird sich teilweise über den Ortsnamen einigen können. Es soll irgendwie «Wil» darin vorkommen.

MÄRZ
Fusionitis wird nicht nur in den Gemeindestuben gross geschrieben, sondern auch in den Schulen. Bekanntlich schliessen sich die Schulkreise im Wynental mehr oder weniger zusammen und im Seetal müssen sich die Schülerinnen einen neuen Schulweg suchen, weil Fahrwangen keine Bez mehr hat. Ab diesem Sommer treten flankierende Massnahmen in Kraft, welche die elend defizitären Jugendfeste betreffen. Diese kosten heute schon viel zu viel und finden teilweise nur noch alle drei oder vier Jahre statt. Die Idee dahinter ist, dass zum Beispiel Burg, Menziken, Reinach, Beinwil am See und Schmiedrued gemeinsam ein Jugendfest veranstalten, zum Beispiel 2029 auf dem Böhler, mit Gratisfahrt auf der Luftseilbahn.

APRIL
Das Kommitee «IG Nein zum Böhlerkreisel» schliesst sich mit der «IG Nein zur Überbauung Hegmatte» und der «IG Nein zur Luftseilbahn» zusammen und nennt sich fortan «IG Einfach Alles Nein». Dabei entsteht eine revolutionäre Idee: Zwischen Unterkulm, Schöftland, bis hinunter nach Aarau wird das ganze Gebiet vollständig untertunnelt. Bahn, Verkehr, Polizeiposten, Handy-Antennen, Atommüll-Endlager und der Kunstrasenplatz für den FC Muhen finden Unterschlupf wo es niemanden stört. Oben fahren alle nur noch ohne Helm Velo, geniessen das Vogelgezwitscher, gehen lokal einkaufen und Ali und Sepp winken einander fröhlich zu, während ein Schmetterling quirlig durch den Wind segelt. Menschen umarmen sich auf dem Verkehrsfreien Begegnungsplatz und Annika Muzife Gut-Berahmi vom Elternverein «JA, aber nicht vor meiner Haustür» erzählt unter der Dorf-Linde einer interessierten Kinderschar von den guten alten Zeiten.

Das Leben könnte so schön sein.

MAI
Wegen der weiterhin eisigen Temperaturen von unter Minus 12 Grad konnte das Eis in der Kunsteisbahn Oberwynental nicht abgetaut werden. Die Organisatoren der WYNA-Expo haben sich deshalb eine lustige Idee ausgedacht und legen die Expo im wahrsten Sinne aufs Eis: Den Ausstellungsbesuchern wird am Eingang gratis ein Paar Schlittschuhe abgegeben, dazu ein Enteisungs-Spray für den Fall dass die Zunge am Weinglas kleben bleibt. Der SC Reinach nutzt die Gelegenheit, zwischen den Ständen ein Freundschaftsspiel gegen den SC Bern auszutragen, das sie sogar 1:0 gewinnen, weil die Gäste das Tor nicht finden werden. Das hat Christian Schweizer nämlich hinter dem Tresen der CHS-Immobilien versteckt.

JUNI
Weitere Auswirkungen der Klimaerkältung sind, dass man Plastikröhrchen, 5-Rappen-Säcklein und Einwegflaschen ab sofort wieder masslos ins Meer werfen darf, was in der Schweiz ja regelmässig vorgekommen ist. Die etwas trügerischen Weltverbesserungs-Verbote werden aber vor allem deshalb abgeschafft, weil Klimaforscher herausfinden, dass sich das Klima gar nicht mehr retten lässt. Stattdessen sind es wir Menschen, die nicht schon wieder das Gefühl haben sollten die Erdkugel nach unserem Geschmack zurechtbiegen zu müssen. Wir sollten uns, so hart es klingt, der neuen Situation gefälligst beugen. Etwas mehr Ehrfurcht vor der Natur und dem einzigartigen Planeten auf dem wir leben, täte allen gut.

JULI
Nachdem Menziken im Januar endlich die Badi eröffnen konnte, kämpft diese im Sommer um das blanke Überleben. Der Jahrhundertkälte-Sommer beschert der Anstalt im ganzen Juli zusammengezählt 24 Badegäste. Weil alle über 60 sind, lässt sich ein nicht genannt werden wollender lokaler Amtsträger zur Aussage bewegen, so eine Badi sei eben nur noch etwas für alte Leute. Dies wiederum bringt die Pro Senectute Bezirk Kulm auf den Plan, die fortan den Kurs «Füssebaden für Amtsschimmel 60+» anbieten will. Proteste aus der Kneipp-Abteilung des Spitals Menziken werden mit der Begründung zurückgewiesen, auch das sei doch nur etwas für alte Leute. Den Jungen gehörts die Welt! Facebook und so, Sie wissen schon.

AUGUST
Wie immer im August passiert im August nichts. Für dieses Jahr werden zudem sämtliche Neophyten-Ausreiss-Aktionen gestrichen, weil unter dem Schnee gar keine gewachsen sind. Lediglich die Gletscherzunge die sich bildet und Gontenschwil unter sich begraben hat, wird weiter beobachtet. Die Bevölkerung wird in die 7391 Leerwohnungen im Oberwynental umgesiedelt und die Schülerschaft geht in Reinach und Oberkulm zur Schule, womit gleich zwei Probleme auf einen Schlag gelöst werden. So eine Klimakatastrophe hat doch auch ihre guten Seiten.

SEPTEMBER
Begünstigt durch das weiterhin extrem kalte Wetter haben die Red Lions Reinach genug Geld zusammen bekommen, um noch eine dritte Saison zu finanzieren. Neben Arno Del Curto als Trainer, werden Wayne Gretzky und Renato Tosio reaktiviert. Bei der Eröffnunsfeier zur 2.-Liga-Meisterschaft singt Michael Bublé zum Auftakt das Motivationslied «I Believe in You». (Übersetzung: «Es kann nur noch besser werden»). Die roten Löwen gewinnen das Eröffnungsspiel gegen den EV Dielsdorf-Niederhasli mit 1:0, unter anderem auch deshalb, weil das an der WYNA-Expo versteckte Tor nie wieder aufgetaucht ist. Zufälligerweise ausgerechnet jenes Gehäuse, in welches die Gäste ihre Tore schiessen würden.

OKTOBER
Die Genderdiskussion nimmt auch im neuen Jahr kein Ende. Sicher ist Ihnen nicht entgangen, dass im März explizit Schülerinnen geschrieben steht. Also nicht Schüler und auch nicht Schülerinnen und Schüler. Und schon gar nicht SchülerInnen oder Schülxxx. Die rein weibliche Schreibweise tritt mit einer neuen Verordnung in Kraft, weil der Kanton einfach keine Lust mehr hat gendergetriebene Überstunden für politisch korrekte Medienmitteilungen zu verschwenden. Künftig heisst es nicht mehr: «Bei einer Kontrolle von Autofahrerinnen und Autofahrern wurden 12 zu schnell fahrende Lenkerinnen und Lenker durch Polizistinnen und Polizisten gebüsst.» Sondern einfach: «12 Raserinnen waren mal wieder zu schnell.» Grossrätin Karin Bertschi reicht sogleich ihren zweiten grossen Vorstoss ihrer Karriere ein, zur sofortigen Entsorgung von solchem Müll.

NOVEMBER
Für den November kündigt sich ein sensationeller Staatsbesuch an: Donald Trump umrundet den Hallwilersee auf der Herzschlaufe mit dem eigenen Velo. An einer Medienkonferenz auf Schloss Lenzburg lässt der Potus verlauten, es sei im verleidet der Bölimaa zu sein, es reiche schon, dass er kaum über den Böhler gekommen sei, bis ihm auf der andren Seite endlich jemand gesagt habe, er sei hier gar nicht im Seetal und er solle doch die Luftseilbahn benutzen die provisorisch aufgestellt wurde, bis die Untertunnelung der Region vollendet sei. Was den Staatsmann zur Aussage bewegen wird, man hätte gut auch eine Mauer hinstellen können, dann verfahre sich auch niemand – und wie wir hier drüben eigentlich das Problem mit den Illegalen Schöftlern handhaben, will er auch noch wissen.

DEZEMBER
Trotz elf Monaten bitterer Kälte wird es auch dieses Jahr nichts mit der weissen Weihnacht. Just auf den 24. Dezember dehnt sich erstmals in diesem Jahr das Azorenhoch über Europa aus und unter dem Nebel wirds 25 Grad warm. Die Badi Menziken öffnet spontan das Freibad, Arno del Curto steht mit T-Shirt an der Bande und einige wollen im Gesicht vom Bölimaa ein kleines Lächeln gesehen haben. Christian Schweizer rückt endlich das Eishockey-Tor heraus, Karin Bertschi zieht nach Wettingen und den Kulmer Grossratssitz erbt Kurt Hess, der soeben zum «Tunnelgräber des Jahres» gewählt wurde. Danke liebe Alle, dass ihr nicht immer alles so ernst nehmt und auch in diesem Jahr für uns da seid. Ohne Euch würde den Talschaften viel Spannendes fehlen.

** Text: Remo Conoci, mit freundlicher Unterstützung der Fake-Check-Abteilung der «SPIEGEL»-Redaktion. Bilder: rc. (1), zVg. (4), Google (1)

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