Pro Natura schiesst am Ziel vorbei

Do, 16. Jul. 2020

Pro Natura Aargau und Jagd Aargau haben gegen das in der Gemeinde Gränichen aufgelegte Gesuch um Durchführung der Mountainbike-Rennen vom 24. bis 26. Juli eine Einwendung deponiert. Die Begründung dafür löst beim organisierenden Racing Club Gränichen Unverständnis aus.

rc. Bei der Beantwortung der Frage, wem der Wald gehört, streitet Pro Natura nicht ab, dass auch der Mensch seinen Platz darin finden soll. Aber nach bestimmten Regeln, wie der Umweltverband in einer ersten Mitteilung zur Einwendung gegen die geplanten Rennen vom 24. bis 26. Juli im Gränicher Moortel schreibt. Weiter heiss es in der Mitteilung von Pro Natura Aargau: «In Gränichen wurde ein Gesuch gestellt für die Durchführung eines nationalen Mountainbike-Rennens auf teilweise illegalen Trails».

Erst in einer zweiten Mitteilung präzisiert der Verband, man werde keine Beschwerde im eigentlichen Sinn erheben, «bittet aber den Gemeinderat eine Auflage zu formulieren, dass die illegal erstellten Teilstücke im Anschluss an das Rennen zurückgebaut und unpassierbar gemacht werden.»

Waldteil wird ohnehin bald gerodet

Seit Jahren erstellen die Gränicher Organisatoren ausschliesslich bewilligte Strecken und bauen diese nach den Rennen umgehend zurück. Das scheint jedoch nicht bis in die kantonale Zentrale von Pro Natura vorgedrungen zu sein. Die Einwendung der Naturschützer löst deshalb auch bei Rafael Geiser, OK-Co-Präsident für die Rennen vom Ende Juli Unverständnis aus: «Es geht um einen Streckenteil von zirka 200 bis 300 Metern Länge, welcher sich im Rodungsgebiet der Kiesgrube befindet und bereits seit über 10 Jahren Teil der bewilligten Rennstrecke ist. Rechtlich trifft es zu, dass es sich dort um Waldgebiet handelt, dieses wird jedoch innerhalb der nächsten Jahre dem Kiesabbau weichen müssen.»

Geiser vermutet hinter dem Vorgehen der Einwender, dass diese ein «Exempel statuieren» wollen. «In Gränichen geht es um einen kurzen Teilabschnitt einer Mountainbike Rennstrecke, welcher nun herhalten muss für die vielen illegal angelegten Trails im ganzen Kanton Aargau.» Der OK-Präsident räumt ein, dass Förster, Jäger, Naturschützer und andere Waldnutzer eine Zunahme der Waldnutzung festgestellt haben, hält aber gleichzeitig fest, dass der RC Gränichen sich von illegal erbauten Trails und den Personen, die diese errichten, klar distanziert.

Pro Natura mit schweren Vorwürfen

Zurück zu Pro Natura. Der Verband spricht von einem «Wildwuchs» der gerade stattfinde und zieht Vergleiche zu Biker-Strecken im Auenschutzpark Windisch oder im Siggenthaler Wald, die dort illegal gebaut worden sind. «Biker nutzen die Nachsicht und Sympathie der Behörden für die Sportart, immer krassere Verletzungen des geltenden Rechts zum Schaden der Natur zu begehen», ärgert sich Johannes Jenny, Geschäftsführer von Pro Natura Aargau. «Während für die Jagd Schonzeiten gelten, jagen die Biker die Wildtiere ganzjährig selbst während der Brut- und Setzzeit kreuz und quer durch ihren Lebensraum», ergänzt dieser und schiesst noch einmal Richtung Gränichen: «Dies ist besonders stossend, weil in Gränichen seit Jahren bekannt ist, dass besagte Trails dem einschlägigen Recht widersprechen.»

RC Gränichen zeigt sich kooperativ

Spätestens nach diesem Vorwurf stellt sich erneut die Frage, ob die Verfasser der Einsprache die lokalen Verhältnisse tatsächlich kennen, oder ob die Aufmerksamkeit einer nationalen Veranstaltung ohne Rücksicht auf Verluste für eine Schelte nach dem Giesskannenprinzip genutzt wird. Pro Natura, so der Eindruck, schiesst mit dem Sperrfeuer Richtung Gränichen am Ziel vorbei. Dennoch zeigen sich die Organisatoren beim RC Gränichen kooperativ und geben der Forderung nach, «damit auch in Zukunft Rennen in Gränichen stattfinden können», wie OK-Präsident Rafael Geiser unterstreicht: «Auf die Forderungen der Einsprecher bezüglich der Streckenführung wurde eingegangen und dementsprechend wird die Strecke angepasst.»

Damit steht den Rennen vom 24. bis 26. Juli 2020 nichts mehr im Weg. Unter anderem führt der RC Gränichen die Schweizer Meisterschaft der Cross Country Mountainbiker durch, als Ersatzort für Montsevelier, wo die Rennen wegen Corona abgesagt worden waren. Die Veranstaltungen finden ohne Zuschauer statt. Die geltende Limite zugelassener Personen kann laut den Veranstaltern eingehalten werden, es muss aber eine Aufsplittung des Events von zwei auf drei Tage erfolgen.

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