Auf diesem Bauernhof wachsen Zander

Do, 04. Mär. 2021
Nach drei Jahren Vorbereitungszeit gibt es nun frischen Fisch vom Bauernhof: Alexander Räss zeigt seine Zanderfilets aus eigener ökologischer Produktion. (Bilder: rc.)

Eine Fischzucht mitten in der Landwirtschaftszone, das ist etwas, was es bisher im Aargau noch nicht gab. Alexander Räss hat dieses Projekt vor mehr als drei Jahren gestartet und kann heute die ersten regional gewachsenen Zander feil bieten.

Von Remo Conoci

Die Landwirtschaft ist im stetigen Wandel. Wenn die Schweine- und Hühnerzucht wie auf dem Hof von Daniela und Alexander Räss nicht mehr den gewünschten Ertrag abwerfen, sind neue Ideen gefragt. 2017 hatte Räss eine solche Idee, eine, die mehrere Hürden zu nehmen hatte, wie sich herausstellen würde.

Zuerst einmal sollte die Indoor-Fischzuchtanlage auf dem Hof in Muhen entstehen, da wo früher Hühner lebten, also in der Landwirtschaftszone. Weil Fische nicht als Nutztiere gelten, löste die Idee ein umfangreiches Bewilligungsverfahren mit dem Kanton aus. «Insbesondere musste ich darlegen, dass die Fischzucht nur ein Nebenerwerb sein wird», erinnert sich Alexander Räss. Rund zweieinhalb Jahre dauerte das Verfahren, während dem sich der angehende Fischzüchter Gedanken darüber machte, wie die Beckenanlage funktionieren würde, oder welche Fischart infrage käme. «Forellenzucht gibt es vergleichsweise viele, das kam nicht in Frage. Egli oder Baramundi könnte ich in dieser Anlage mästen, ich habe mich dann für Zander entschieden.» Ein zarter Fisch mit hoher Wertschöpfung, wie Räss unterstreicht. Für ein Kilo Fisch braucht es etwas mehr als ein Kilo Futter.

Ökologischer Kreislauf

Eine weitere Herausforderung war die Anlage, die im ehemaligen Hühnerstall zu stehen kam. In 14 unterschiedlich grossen Becken leben die Fische nach Grösse sortiert. «Fische sind Kannibalen, die würden einander auffressen, wenn wir sie im gleichen Becken lassen», weiss der Fischzüchter. Je nach Alter der Fische wird nun das Futter automatisch dosiert und zugeführt. In der ganzen Anlage wird das Wasser in zweieinhalb Stunden einmal umgewälzt und mittels UV-Licht und Trommelfilter gereinigt. Zuletzt verrichten Bakterien im Biologiebecken ihre Arbeit und wandeln das Ammonium zuerst in Nitrit, dann in Nitrat um. Alles in allem ein präzis eingestelltes System, ohne das die Fischzucht nicht möglich wäre. «Auf diese Weise können wir viel Wasser sparen, denn nur etwa 1,5 bis 2 Kubikmeter Frischwasser werden pro Tag verbraucht», hält Räss fest. Weil der Strom für den Betrieb der Anlage von der eigenen Solaranlage kommt und die benötigte Wärme mittels Schnitzelheizung mit Holz aus der Region entsteht, ergibt das unter dem Strich regional und ökologisch produzierten Zander in hochwertiger Qualität. «Chemie oder Antibiotika kommen bei uns nicht zum Einsatz», sagt Räss stolz.

Fische wachsen zehn Monate lang

Nachdem also die Baubewilligung erteilt war und auch der Kanton seinen Segen dazu gab, ging es darum, die regelmässig aus der Ostschweiz angelieferten Kleinstfische in 9 bis 10 Monaten auf die gewünschte Grösse zu mästen. Haben sie den Wachstumsprozess durchschwommen, werden die Fische ein paar Tage gehältert, bevor sie schliesslich verwertet werden. Daniela und Alexander Räss haben einen kleinen Hofladen eingerichtet, Hauptabnehmer für die Fische sind Läden in der Region. Räss hofft, dass bald auch Restaurants dazu kommen könnten, wenn diese wieder öffnen. Bei einer Jahresproduktion von gegen 6000 Kilo Fisch sollen die Investitionen im sechsstelligen Bereich dann irgendwann amortisiert sein. «Die Fischzucht macht mir vor allem Spass», hält Räss zum Abschluss die Gründe fest, warum er diese lange Vorbereitungszeit in Kauf genommen hat. Die Landwirtschaft sei im Wandel – mit neuen Ideen.

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