«Met Xang goht alles besser»
12.01.2023 BurgWährend Chorleiter Lubomir Rachunek die Mitglieder des Männerchors Burg langsam an die Grenzen des Stimmumfangs «herantasten» lässt, hat sich das Wynentaler Blatt im heimelig eingerichteten Singraum etwas umgehört.
rf. Entspannt wiegen die ...
Während Chorleiter Lubomir Rachunek die Mitglieder des Männerchors Burg langsam an die Grenzen des Stimmumfangs «herantasten» lässt, hat sich das Wynentaler Blatt im heimelig eingerichteten Singraum etwas umgehört.
rf. Entspannt wiegen die Köpfe im er Singsaal hin und her. Mit tiefem Ein- und Ausatmen ist die Zwerchfellaktivierung voll im Gang. Erste Töne erfüllen den heimelig eingerichteten Raum. Chorbilder aus verschiedenen Jahrzehnten hängen an den Wänden. Chorleiter Lubomir Rachunek lässt die Sänger langsam an die Grenzen des Stimmumfangs «herantasten». Gezielt wird auch die Artikulation mit kurzem Sprechgesang gefördert. Bald darauf ist «What a Wonderful World» von Louis Armstrong mehrstimmig zu hören. Sanft begleitet von den Klängen eines Keyboards. Klar sind die Zeichen des Dirigenten, konzentriert die Sänger. «I see friends shaking hands, saying, ‹how do you do?›» – Ich sehe Freunde, die Hände schütteln und fragen, wie es geht», lässt beim Gesang auch die Seele mitschwingen.
«Wir sind für musikalische Experimente offen»
«Met Xang goht alles besser», hat sich der Männerchor Burg auf die Fahne geschrieben. 1860 von Fabrikarbeitern der Zigarrenindustrie gegründet, hat er eine anekdotenreiche Geschichte. Bis vor rund 30 Jahren wurde während der Probe geraucht und der Durst mit Weisswein gelöscht. Geblieben ist heute während der Pause ein Gläschen Rotwein. Nach mehreren Dirigentenwechseln übernahm Lubomir Rachunek 2002 die musikalische Leitung. 1969 ist er als Zwölfjähriger mit seinen Eltern aus der Tschechoslowakei in die Schweiz geflüchtet. 1986 sang er in der Operette Beinwil am See mit. Mit dem Dirigentendiplom des Aargauischen Sängerverbands, inklusiv Gesangsunterricht in Luzern in der Tasche, dirigierte er zuerst den Männerchor Beinwil am See und seit 2002 den Männerchor Burg. «Wir sind ein unternehmungslustiger Verein, der jederzeit für musikalische Experimente offen ist», sagt Rachunek mit einem Augenzwinkern. «Die Mitbestimmung hat einen hohen Stellenwert.» Dass neben den Stimmlagen auch die Aussprache perfektioniert werden muss, liegt ihm sehr am Herzen. Mehrere Auszeichnungen, wie ein «Vorzüglich» am Innerschweizer Gesangsfest 2019 in Hitzkirch geben ihm recht.
Die Frage «Sein oder Nichtsein?» wird sich stellen
Mit dem Mundartlied «Die Dame vo de Harem» von Mani Matter und Fritz Widmer wird das vielseitige Repertoire hörbar. «Lue di Dame vo de Harem vo de Könige vo Karibum, göi jetze verbii…», tönt es beschwingt und wortgewandt in der Runde. Die Freude am Gesang ist den Gesichtern anzusehen. Heiterkeit macht sich beim Zuhören breit. Ebenso, als das Lied zu Ende ist und mancher Lacher den Singsaal füllt.
Einschneidend war die Pandemiezeit. Vom März 2020 bis zum November 2021 fanden keine Proben statt. Die Zukunft des Chors stand in Frage. Heute sind es acht Sänger im Alter von 45 bis über 80 Jahre. Noch ist jede der vier Stimmen doppelt besetzt. Die letztjährige «Sonntagsklang-Galerie» am 13. November im Gemeindesaal war ein voller Erfolg. Heitere Lieder wie das «Dampfnudl-Lied», «Dini Seel ä chli la bambälä la» und «Warum tuet mi Chopf so weh» wurden herausgeklatscht. «Als Unterhaltungschor gepflegt «A cappella» aufzutreten ist unser Ziel», doppelt Rachunek nach. Dass die Lieder auswendig vorgetragen werden, ist Tradition. Nur im Wandel der Zeit hat ein kurzärmeliges T-Shirt die Uniform mit Fliege ersetzt.
«In einem Bächlein helle, da schoss in froher Eil die launische Forelle», Schuberts Klassiker ist an der Reihe. Konzentriert geht’s ans Werk. Der eine oder andere Takt wird wiederholt. Losgelöst ist die muntere Runde in der Pause. Das Zusammengehörigkeitsgefühl ist spürbar. Lacher folgen und Wehmut kommt auf, wenn die Zukunft angesprochen wird. Die Frage «Sein oder Nichtsein?» wird sich stellen, sobald Sänger altersbedingt aufhören. Die Gemeinde Burg stellt aktuell nur einen Sänger. Zum Glück ist der Männerchor regional vernetzt.
Das Gläschen Rotwein beschwingt. «Balade vo de Chue», eine bearbeitete Männerchorfassung des Dirigenten, steht nun an. «Die Herde Chüe dert uf dr Weid hets immer luschtig u gar ni leid», erfüllt den Raum. «Wenn ich von der Probe heimkehre, habe ich immer ein Lachen im Gesicht», strahlt Christoph Brunner aus Unterkulm, der 2019 dem Chor beigetreten ist. Was will man mehr? Weitere klingende und gesellige Männerstimmen sind gesucht − Dirigent Lubomir Rachunek gibt gerne Auskunft: Tel. 062 771 84 87. Es gibt auch eine Webseite: www.chorburg.ch.




