Heute Krisensitzung: Red Lions vor dem Aus?
16.05.2024 SportNoch vor anderthalb Monaten präsentierte Adriano Pennaforte seine grossen Pläne bezüglich Red Lions Reinach. Er wollte eine Aktiengesellschaft gründen und zusammen mit einem Partner rund eine halbe Million Franken in den Club investieren. Nach seinen Angaben waren sich ...
Noch vor anderthalb Monaten präsentierte Adriano Pennaforte seine grossen Pläne bezüglich Red Lions Reinach. Er wollte eine Aktiengesellschaft gründen und zusammen mit einem Partner rund eine halbe Million Franken in den Club investieren. Nach seinen Angaben waren sich die Parteien per Handschlag einig und der neue Sportchef Gian-Andri Russo hat im Namen der Red Lions bereits einige namhafte Spielertransfers getätigt. Doch jetzt zieht sich Pennaforte zurück. Heute findet eine Krisensitzung des bisherigen Vorstands statt.
rc. Adriano Pennaforte hat am Montag dieser Woche die Mannschaft der Red Lions Reinach schriftlich darüber informiert, dass er sich als Investor zurückgezogen hat. Im Dokument ist zu lesen: «Mit Bedauern möchten wir ihnen mitteilen, dass ich meinen Rücktritt als Leiter der Vereinsübernahme erkläre und die Verantwortung für die Geschicke des Vereins wieder in die Hände des alten Vorstands lege.» An die Spieler gerichtet steht weiter: «Leider waren wir (...) nie Handlungsberechtigt und die ausgehändigten Verträge sind nichtig.» Pennaforte, der das Dokument als CEO der «cmv-group» unterschrieben hat, beruft sich darauf, dass weder eine offizielle Vereinsübergabe noch eine Generalversammlung stattgefunden habe.
Diese Darstellung widerspricht jedoch früheren Angaben Pennafortes, wonach er «per Handschlag» die Zusicherung erhalten habe, den Club übernehmen zu können und Verträge hiernach im Namen der Red Lions abgeschlossen worden sind.
Adriano Pennaforte
Gegenüber dieser Zeitung ergänzt Pennaforte: «Mir wurden Dokumente nicht ausgeliefert, die ich fürs Sponsoring oder für Vertragsangelegenheiten brauchte, Mitglieder des bisherigen Vorstands waren für mich plötzlich nicht mehr erreichbar und sie riefen nicht zurück. Man hat plötzlich Sicherheiten von mir verlangt und mir ist grosses Misstrauen entgegengebracht worden.»
Gleichzeitig machten Gerüchte die Runde, der Investor sei gar nicht zahlungsfähig und es tauchten Dokumente der Staatsanwaltschaft Bern auf, die Beschlagnahmungen von Fahrzeugen im November 2023 belegen sollen. Der Zürcher legte der Redaktion letzte Woche jedoch ein Dokument vor, welches umgekehrt belegen soll, dass seit über einem Monat ein Konto auf den Namen «Red Lions Reinach», mit einem Saldo von 575’000 Franken besteht. «400’000 Franken eines Investors und 175’000 Franken werden nun aber zurückbezahlt und das Konto aufgelöst.» Nach zwei Monaten intensiver Planung werfe er das Handtuch, sagt Pennaforte.
Der Red Lions Vorstand
Damit erreicht eine seit Ende Februar anhaltende Unsicherheit ihren vorläufigen Tiefpunkt. Ein Rückblick: Nachdem die Red Lions Reinach Ende Januar 2024 unter Trainer Adriano Pennaforte erstmals die Playoffs der 1. Liga erreicht hatten, ist inzwischen der ganze Vorstand – Präsident Martin Zobrist, Vizepräsident Hans-Peter Schärer, Markus Bitterli, Marianne Gautschi und Carl von Heeren zurückgetreten. Von Heeren bestätigt: «Alle fünf Mitglieder wurden beim Verband abgemeldet und die Übergabe des Vereins angekündigt.» Als «Zurückgetreten» gilt aber vorläufig keiner der genannten Personen, dafür braucht es eine Generalversammlung und diese ist aktuell erst im Juni geplant.
Carl von Heeren
Durch den Rückzug Pennafortes entsteht nun eine skurrile Situation: Der «zurückgetretene» Vorstand der Red Lions steht nun plötzlich wieder in der Pflicht, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Präsident Martin Zobrist zeigte sich in einer ersten Reaktion überrumpelt, Vizepräsident Hans-Peter Schärer hält fest, mit der Sache nichts mehr zu tun zu haben. Carl von Heeren stellt in Aussicht, dass sich jedoch alle fünf Vorstandsmitglieder heute Donnerstagabend zu einer Krisensitzung treffen werden. Zur Person von Heeren ist zu sagen, dass er als einziger im Vorstand von Anfang an beim Projekt Red Lions dabei ist. Er hat viele Personalwechsel erlebt und einiges an Eigenleistungen erbracht, um das Projekt am Leben zu erhalten. Von einer «Herzensangelegenheit» zu sprechen wäre untertrieben. Die Optionen, die er und seine Vorstandskollegen haben, sind jetzt allerdings überschaubar: Entweder wird der Verein an der geplanten GV aufgelöst oder in neue Hände gelegt.
Daniel Zeber
In diesem Zusammenhang kommt ein bekannter Name ins Spiel: Daniel Zeber. Der bisherige Sportchef der Red Lions verfügt noch immer über einen laufenden Vertrag mit dem Verein. Er hat in Reinach einwandfreie Arbeit geleistet, Pennaforte wollte aber seinen eigenen Sportchef installieren. Zeber brachte schon vor einiger Zeit einen «Plan B» ins Spiel, der greifen sollte, falls sich Pennafortes Absichten als Luftschlösser entpuppten. Nun könnte dieser tatsächlich Thema werden für die Red Lions – um nicht zu sagen, es sei der Strohhalm, an dem man sich noch festhalten kann. Zur neuen Situation sagt Zeber: «Ich hoffe auf eine gute Lösung für die Spieler und denke mit einem Budget von knapp 300’000 Franken kommen wir durch», ist er überzeugt. Inwiefern Zeber bei den Red Lions eine Rolle spielt und wie das Geld aufgetrieben wird, hängt von diversen Gesprächen ab, die noch geführt werden müssen. Darunter mit potentiellen Sponsoren, die teilweise im «Business-Club» engagiert sind. Soviel ist sicher: Einer allein kann das Projekt nicht am Leben erhalten, es braucht eine breit abgestützte Basis.
Die Zukunft
Die Weichen werden also heute Abend an der Vorstandssitzung des Vereins gestellt. Auch Zeber wird dabei sein. Klar ist: Ohne eine zündende Idee, ohne den Goodwill und die Zusammenarbeit aller Beteiligten auf dem Platz Reinach, stehen die Red Lions Reinach vor der Auflösung. Unabhängig davon ob es den Club in Zukunft noch gibt, wird man sich noch darüber streiten müssen, ob Verträge einfach so als «nichtig» erklärt werden können und wer für Forderungen aus bestehenden Vereinbarungen aufzukommen hat. − Fortsetzung folgt.
CHRONOLOGIE 2023/24
26. Oktober 2023: Christoph Amsler wird bei den Red Lions als Cheftrainer wegen «falscher taktischer Ausrichtung» entlassen, er war Nachfolger von Adriano Pennaforte, der sich aus beruflichen Gründen zurückgezogen hat.
7. Dezember 2023: Adriano Pennaforte kehrt als Cheftrainer zu den Red Lions zurück. Das Team findet zum Erfolg und schafft in der 7-jährigen Vereinsgeschichte erstmals die Playoff-Qualifikation.
13. Februar 2024: Die Red Lions verlieren das vierte Playoff-Spiel gegen HC Prättigau Herrschaft 0:4, die Saison ist beendet.
14. Februar 2024: Gerüchte halten sich, wonach der gesamte Vereinsvorstand der Red Lions zurücktreten will.
28. März 2024: Adriano Pennaforte will den Club mit seiner Investment-Gruppe übernehmen. Sein Partner Michele Ventre von der Firma «Ristresso AG» macht der Gemeinde Reinach ein Kaufangebot für die Kunsteisbahn Oberwynental. Der Deal kommt jedoch nicht zu Stande.
3. Mai 2024: Präsident Martin Zobrist und Vizepräsident Hanspeter Scherrer bestätigen gegenüber dem WB: «Wir sind raus.» Der Eishockey-Verband wird über die beabsichtigte Übergabe des Clubs informiert.
8. Mai 2024. Pennaforte kündigt gegenüber dem WB an, sich als Investor zurückziehen zu wollen.
13. Mai 2024: Mannschaft und Personal werden über Pennafortes Rückzug informiert.

