«Klischees behindern gemeinsame Entwicklung»
11.09.2025 SeetalWas passiert, wenn verschiedene Generationen ins Gespräch kommen? Wenn Ideen geteilt und Zukunft miteinander gedachtwird?Diesevielschichtigen Fragen waren die Basis des Forums «RE:GENERATIONEN» inklusive Podiumsdiskussion.
grh. «Was fällt dir ein, ...
Was passiert, wenn verschiedene Generationen ins Gespräch kommen? Wenn Ideen geteilt und Zukunft miteinander gedachtwird?Diesevielschichtigen Fragen waren die Basis des Forums «RE:GENERATIONEN» inklusive Podiumsdiskussion.
grh. «Was fällt dir ein, wenn du an Erlebnisse mit anderen Generationen denkst? Welche Momente haben dich geprägt?» Neugierig abwartend sah Moderator Maurice Velati jeden der Gäste an. Nationalrätin Maya Bally fielen spontan sprachliche Entwicklungen, wie die vermehrte Nutzung von Anglizismen ein. «Mein Sohn und seine Freunde können sich beispielsweise köstlich amüsieren, wenn ich etwas «lässig» finde.» Grossrat Yannick Berner, der seit vergangenem Jahr Co-CEO des Familienunternehmens Urma AG ist, kennt die Zweifel seines Vaters in Bezug auf Home-Office.
Digital oder ausgedruckt
Landammann Dieter Egli thematisierte den Generationenwechsel anhand eines Erlebnisses im Büro. «Ich habe bei Amtsantritt Mitarbeitende gebeten, mir die Dokumentation von Vorgängen nicht ausschliesslich per Mail zukommen zu lassen.» Das sei ganz selbstverständlich umgesetzt worden. «Aber irgendwann habe ich eine kurze Unterhaltung mitbekommen, während welcher einer zum anderen meinte «weisch, bi de Mails chunnt de ned drus, dem muesch alles usdrucke». Da war mir klar, jetzt habe ich von der jungen in die ältere Generation gewechselt.»
Ein Avatar zur Belohnung
Der Schweizer Futurist Joël Luc Cachelin setzte einen ausgesprochenen Kontrapunkt zu diesem Erlebnis.
Jedoch beantwortete er die Frage eine Spur distanzierter als die anderen Podiumsgäste. Er berichtete, was eine Bekannte über Lehrmethoden im Mathematikunterricht erfahren hatte. «Die Belohnung guter Leistungen besteht darin, dass die Kinder sich einen Avatar aussuchen dürfen. Den speichern sie bei sich auf dem Tablett. Und bei den nächsten guten Ergebnissen bekommt der Avatar dann vielleicht Werkzeug oder neue Kleider.» Das Raunen im Publikum machte klar, schon dieses Thema für sich allein barg Diskussionspotential.
Handyfunktionen
Näher an den Erlebnissen von Zuhörerinnen und Zuhörern war die Schilderung von Jungunternehmerin Livia Florina Schröder. «Wenn es um mehrere Generationen geht, fällt mir meine Grossmutter ein.» Sie hätten viele Male, auch mit verschiedenen Geräten, Handyfunktionen besprochen und trainiert. «Dabei ist mir sehr klar geworden, was ich weiss, ist nicht für alle anderen selbstverständlich.»
Die 21-Jährige hat schon mit 15 Erfahrung im Online-Handel gesammelt, bevor sie sich nach dem KV mit «180 Grad Consulting» auf digitales Marketing konzentrierte. Das Unternehmen hat Livia Florina Schröder in diesem Sommer allerdings niedergelegt, um sich auf ihr neues Produkt zu fokussieren. Bei neuronetix handelt es sich um eine Lernplattform rund um das Miteinander von Mensch und KI. «Die künstliche Intelligenz spielt bereits eine wichtige Rolle in Sachen Digitalisierung und Prozessoptimierung.» Natürlich könne man sich vor solchen Entwicklungen fürchten. «Aber ich bin für Dialog, wie beispielsweise bei generationenübergreifendem Mentoring. Klischees behindern gemeinsame Entwicklung.» Die Vertreterin der Generation Z wird mit ihrem unverkrampften Auftritt an diesem Abend nicht wenige Vorurteile aus der Welt geräumt haben.

