Fondue
Welch ein Käse! In Bern wanderten nach der glanzvollen Käse-Weltmeisterschaft über 5000 Laibe direkt vom Festhallen-Tisch in Dutzende von Müllcontainern. Exakt 5244 Stück – sorgfältig gereift, aus 46 Ländern «angereist» und von 265 Juroren begutachtet und degustiert – landeten schliesslich im Abfall. Selbst bester Schweizer Käse blieb nicht verschont. Während Foodsave-Aktivisten versuchten, ein paar Laibe zu retten, beteuerte das OK der World Cheese Awards, man habe keine andere Möglichkeit gehabt. In die Schweiz darf grundsätzlich nur Käse aus dem EU-Gebiet und einigen weiteren Ländern importiert werden. Nun ist eine Weltmeisterschaft nur dann eine solche, wenn wirklich Käse aus aller Welt teilnehmen kann. Für diesen Drittstaatenkäse brauchte es aber eine Ausnahmebewilligung – und die wurde eben nur unter der Bedingung erteilt, dass am Ende der Veranstaltung der ganze Käse entsorgt wird. Restlos. Offizielle Begründung: Hygiene. Man fürchtete, dass sich schädliche Bakterien möglicherweise verbreiten könnten. Es bleibt aber am Schluss ein Nachgeschmack – und der ist alles andere als rezent würzig. Ob nicht eher profaner Protektionismus für einheimisches Käserhandwerk dahintersteckt, das ist wohl ein Geheimnis, das mindestens so geheim gehalten und gehütet wird, wie das Rezept der Kräutersulz für den Appenzeller Käse.
In diesem unserem Land hat Käse – selbst mit grossen Löchern – ein unheimliches Gewicht. Nicht umsonst erhebt eine bekannte Schnellimbisskette derzeit eine offene Entscheidung zur Gretchenfrage: Was schmeckt besser – McFondue oder McRaclette? Dass diese Frage die Schweiz bewegt, ist klar. Immerhin ist FIGUGEGL ein unumstössliches Gesetz und mindestens genauso bekannt wie der Text der Nationalhymne oder der Werbespot für Fischer Bettwaren.
Nur eines frage ich mich ernsthaft: Ist keiner auf die Idee gekommen, den Käsecontainern unterzufeuern und so den Weltrekord für das grösste Käsefondue der Welt aufzustellen? So hätte man ja sicher allfälligen fiesen Bakterien den Garaus gemacht. Dafür würden die World Cheese Awards statt mit einem Food-Waste-Skandal mit einer positiven Geschichte in Erinnerung bleiben. Zugegeben: Das Riesen-Fondue wäre geschmacklich wohl keine Offenbarung, aber hey: «Chli stinke muess es!»
Roland Marti

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