Brunnen «Gegen das Vergessen» wurde gerettet
22.01.2026 OberkulmEin in Bronze gegossener Brunnen, der einst vor der Aula der Wynenschulanlage in Oberkulm stand, hat in den vergangenen Wochen unfreiwillig für Verwirrung gesorgt. Das 1988 geschaffene Kunstwerk des Birrwiler Bildhauers Charles Moser, das die Inschrift «Gegen das Vergessen» ...
Ein in Bronze gegossener Brunnen, der einst vor der Aula der Wynenschulanlage in Oberkulm stand, hat in den vergangenen Wochen unfreiwillig für Verwirrung gesorgt. Das 1988 geschaffene Kunstwerk des Birrwiler Bildhauers Charles Moser, das die Inschrift «Gegen das Vergessen» trägt, wurde entfernt und zeitweise als Altmetall entsorgt – ein Vorgang, der inzwischen korrigiert werden konnte.
Der Brunnen war ursprünglich als künstlerischer Schmuck vor dem Neubau der Wynenschulanlage vorgesehen. Aus drei Vorschlägen eingeladener Künstler fiel die Wahl damals auf Charles Moser, der seine Inspiration aus der winterlichen Atmosphäre des noch unfertigen Vorplatzes schöpfte. In aufwendiger Detailarbeit wurde das Werk von der Glockengiesserei Rüetschi in Aarau in Bronze gegossen und auf dem Platz vor der Aula installiert. Über viele Jahre hinweg erfüllte der Brunnen nicht nur eine ästhetische, sondern auch eine praktische Funktion: Er wurde mit Trinkwasser aus der Oberkulmer Wasserversorgung gespiesen, eine Amphore erlaubte durstigen Schulkindern oder Passanten das direkte Trinken ab Netz – ein Angebot, das rege genutzt und geschätzt wurde.
Bedeutung des Kunstwerks nicht erkannt
Umso grösser war die Verwunderung in der Bevölkerung, als im Sommer 2025 das Kunstwerk entfernt und offenbar ohne vertiefte Kenntnis seiner Bedeutung entsorgt worden war. Den Entscheid dazu fällte der Gemeinderat, eigentlich in guter Absicht. «Der Brunnen befand sich in einem massiv schlechten Zustand, und wir wollten den Platz für die Jugendlichen an der Schule besser nutzen», erklärt Ennio Cipriano, stellvertretender Gemeindeschreiber, auf Anfrage des Wynentaler Blatts. Was der Gemeinderat bei seinem Entscheid jedoch zu wenig beachtete, war eine ausreichende Würdigung des kulturgeschichtlichen Werts. So liess man den Brunnen demontieren und die Einzelteile nach Reinach ins Recycling-Paradies bringen.
Zukunft noch offen
Offenbar erst im Rahmen interner Abklärungen durch das Bauamt sowie durch den heute zuständigen Gemeinderat wurde erkannt, dass es sich um ein Kunstwerk mit weitergehender Bedeutung handelt. So erteilte der Gemeinderat dem Bauamt den Auftrag, den Brunnen zu retten. So konnte der Brunnen dank des Einsatzes von Urs Wunderlin, dem Leiter der technischen Betriebe Oberkulm sowie des Entgegenkommens der Firma Bertschi aus dem Recycling-Paradies in Reinach zurück nach Oberkulm geholt werden. Das Kunstwerk ist nach der Demontage und dem «Abstecher» nach Reinach allerdings schwer beschädigt, sodass eine umfassende Restauration notwendig wird. Dafür könne zum jetzigen Zeitpunkt noch keine verlässliche Kostenschätzung abgegeben werden, lässt die Gemeinde wissen. Ziel sei es jedoch, die anfallenden Kosten so tief wie möglich zu halten. Über die Kostentragung werde zu gegebener Zeit entschieden. Derzeit würden verschiedene Möglichkeiten geprüft, wie und in welcher Form der Brunnen künftig wieder zum Einsatz kommen soll. Ein konkreter neuer Standort sowie ein Zeitplan stünden noch nicht fest. «Es wird eine geeignete und nachhaltige Lösung gesucht», sagt Ennio Cipriano.
Gegen das Vergessen
Die Odyssee des Oberkulmer Brunnens wirft grundsätzliche Fragen zum Umgang mit Kunstwerken und Denkmälern im öffentlichen Raum auf. Sie macht deutlich, wie wichtig historisches Bewusstsein und sorgfältige Abwägung sind, wenn über deren Zukunft entschieden wird. Wie zu vernehmen ist, steht nach aktuellem Stand der Friedhof Oberkulm als neuer Standort hoch im Kurs. Das wäre absolut passend – nicht zuletzt im symbolischen Einklang mit der eingravierten Mahnung «Gegen das Vergessen».
Roland Marti


