Streiflicht

Do, 12. Feb. 2026
Bild: Museum für Kommunikation

SRG

Meine Klassenlehrer von früher hatten eine Gemeinsamkeit: Sie gewöhnten sich daran, dass der Remo gelegentlich zu spät in die Schule kam, oft weil er spätabends heimlich das «Schreckmümpfeli» oder die Sportübertragung auf DRS1 hören wollte. Herr Basler, einer meiner Klassenlehrer zitierte dann gerne Friedrich Schiller: «Spät kommt Ihr, doch Ihr kommt.» Das gab Gelächter in der Klasse und ein Strichlein auf einem grünen Bogen. Mein weiterer Medienkonsum war überschaubar: Aargauer Tagblatt, Landanzeiger und dreimal in der Woche den «Sport». Vielleicht noch das «Rendez-vous am Mittag» und am Abend lief die Tagesschau. Je nachdem, ob unsere Eltern vor dem Fernseher eingeschlafen waren, reichte es für «Dallas». Mehr brauchten wir nicht.

Ich will die alten Zeiten nicht besser machen, als sie waren. Um ein Fussballresultat aus dem Ausland in Erfahrung zu bringen, brauchte es manchmal zwei Tage, und die Wettervorhersage kam nicht ohne Grund direkt vor der Ziehung der Lottozahlen. Es gab sogar TV-Ratgeber, in denen gesagt wurde, Frauen hätten aufgrund ihrer Brüste Schwierigkeiten beim Autofahren und sie sollen es deshalb den Männern überlassen. Und dennoch hatten wir über die Jahre gesehen einen groben Überblick über alles, was man wissen musste.

Auch die Klassenlehrer von heute haben eine Gemeinsamkeit: Wenn ein Remo verschläft, dann wegen der sieben Stunden auf TikTok. Schiller hat nichts mehr zu sagen, es sei denn, er verfüge über einen Instagram-Kanal, den man sich im Elterntaxi reinziehen kann. Je nachdem, ob die Eltern das WLAN ausgeschaltet haben, gibts Nachrichten, die von einem überdrehten Content Creator vorgesungen werden, wobei Relevanz und Genauigkeit proportional zur Aufmerksamkeitsspanne abnehmen.

Ich will die neuen Zeiten nicht schlechter machen, als sie sind. Wir haben Zugang zu allen Informationen, wir können Spass haben ohne Ende, alles einkaufen, was wir brauchen oder nicht brauchen. Wir können uns mit der ganzen Welt unterhalten, ohne den Blick jemals vom Handy zu lösen, Meinungsfreiheit:innen kennen keine Grenzen, alles schön und gut. Wäre da nicht die Filterblase, in der wir gefangen sind. Sie zeigt uns nicht den groben Überblick, sondern das, was uns gefällt.

Und deshalb ist es an dieser Stelle nötig, kurz politisch zu werden, denn aus meiner Sicht gehört bei der SRG-Initiative ein Nein in die Urne. Ein Nein mit Biss in den sauren Apfel, notabene. Ich finde nämlich auch einige Moderatoren recht nervtötend und die meisten Sendungen unnötig. Auch ich finde, die SRG hat das Geld sehr lange mit Händen und Füssen aus dem Fenster geworfen. Das Unternehmen bietet so viel Angriffsfläche, dass ich aktuell davon ausgehe, dass die Initiative angenommen wird.

Hoffentlich irre ich mich, denn die «Halbierung» führt dazu, dass sich der Medienkonsum noch mehr in jene Richtung verschiebt, wo Algorithmen Wahrheiten zeichnen und Kommentare wie «Alles Dreck, sofort abschaffen» von Mario NixNix mehr Gewicht haben als eine umsichtige, nachvollziehbare Einschätzung, wie diese Kolumne zum Beispiel auch eine sein soll. So sauer der Apfel ist, ich frage mich einfach, wer die Lücke nach der Halbierung der SRG füllen soll. TikTok? Echt jetzt?

Remo Conoci

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