Streiflicht

Do, 05. Mär. 2026

Telefon-Odyssee

Stellen Sie sich vor, Sie öffnen Ihren Briefkasten und darin befindet sich ein Paket. So weit so normal. Aber Sie sind felsenfest überzeugt, Sie haben gar nichts bestellt. So ging es einer älteren Dame vor kurzem. Verwirrt bat sie ihre Tochter um Hilfe und vorsichtig öffneten sie gemeinsam das Paket nur um herauszufinden, dass die Adresse im Inneren nicht mit der auf der Verpackung übereinstimmt.

Und so kam es, dass ich eines Abends ein Telefon einer unbekannten Nummer bekam. «Wir haben Ihr Paket», sagte mir die Tochter der Dame. Nach kurzem Hin und Her haben wir das Problem gelöst, und am nächsten Tag war es bei mir im Briefkasten. Jetzt müsste man denken, dass dies ein Beispiel Schweizer Effizienz ist. Probleme werden unkompliziert selbst gelöst. Und eigentlich stimmt dies auch, wäre da nicht die Post.

Denn mein Paket kam aus dem Ausland, das heisst, es waren noch Zollgebühren fällig. Das Problem war aber, dass ich nicht auf die Rechnung kam, da das Paket vom Zoll mit der falschen Adresse beschriftet wurde. Also ging ich an einen der wenigen Postschalter, die es noch gibt, nur um dort «Ich kann Ihnen hier nicht weiterhelfen» zu hören. Ich wurde auf die Hotline verwiesen.

Und so kam es, dass ich stundenlang in der Hotline der Schweizerischen Post verbrachte. Das Tonband, das während der Wartezeit lief, konnte ich irgendwann auswendig, und ich ertappte mich, wie ich es regelmässig mitsprach. Es wurde wie ein Mantra für mich. Und als ich dann endlich mit einer Person sprechen konnte, wurde ich auch hier vertröstet und weitergeleitet. «Das ist ein Problem vom Zoll.»

Na gut, dann warte ich eben weiter in der Warteschleife. Inzwischen wusch ich meine Wäsche, staubsaugte meine Wohnung und machte den dringend nötigen Abwasch. Die Dame vom Zoll half mir endlich weiter und ich zahlte die Gebühren. Ich wähnte mich glücklich, diese Odyssee hinter mir zu haben. Falsch gedacht.

Die ältere Frau, die mein Paket bekommen hatte, erhielt eine Mahnung. Ich telefonierte erneut, aber nach 2 Stunden Warteschleife war meine Geduld zu Ende und ich machte eine schriftliche Anfrage. Dann bekam die Frau die zweite Mahnung. Seit meiner Zahlung waren 10 Tage vergangen, bei meinem Konto war alles abgebucht. Und so begann meine Telefonreise mit der Schweizer Post und dem Zoll von vorne.

Am Ende wurde mir gesagt, dass alles abgebucht ist und die Mahnungen ein Versehen wären. Die Entschuldigung der Postangestellten war nett, aber brachte mir meine Nerven und verlorenen Stunden nicht zurück. Etwas Positives hat diese Geschichte trotzdem: Ich gehe demnächst bei der Frau, die mein Paket erhielt, auf einen Kaffee vorbei. Auch so können Beziehungen über Generationen hinweg geschaffen werden. Und vielleicht war dies ja auch die Absicht der Post, denn schliesslich sagt sie von sich selbst: «Die Post bringt die Schweiz zusammen.»

Melanie Köchli

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