Die Stockente – Ein ungleiches Paar
03.04.2020 RegionBei der Beobachtung der Stockenten an einem Gewässer fällt sofort auf, dass sich die männlichen Enten «Erpel» von den weiblichen Enten «Ente» deutlich unterscheiden.
(Eing.) Das Gefieder der Weibchen ist unauffällig, vorwiegend beige ...
Bei der Beobachtung der Stockenten an einem Gewässer fällt sofort auf, dass sich die männlichen Enten «Erpel» von den weiblichen Enten «Ente» deutlich unterscheiden.
(Eing.) Das Gefieder der Weibchen ist unauffällig, vorwiegend beige und braun gefärbt. Der Schnabel ist dunkel und orange gefleckt. Der Erpel zeigt sich in einem auffälligen Prachtkleid, das gekennzeichnet ist durch einen flaschengrün schillernden Kopf, einen zitronengelben Schnabel und einen schmalen weissen Halsring. Bei genauerem Hinsehen entdeckt man am Schwanzansatz die sogenannten «Erpellocken» aus gekrümmten Federchen. Beide Geschlechter tragen zur Arterkennung einen «Spiegel», der intensiv blau schimmert und schwarz und weiss eingefasst ist. Dieses artspezifische Flügelmuster zeigt den verschiedenen Entenarten ihre Artzugehörigkeit an.
Was hat der Geschlechterunterschied für eine Bewandtnis und wie sieht es aus, wenn wir ein ganzes Entenjahr betrachten?
Erpel mit Prachtkleid
Die Erpel bilden ihr Prachtkleid im Herbst. Auslöser für die Entwicklung des Prachtkleides sind die in den Keimdrüsen (=Hoden) sich entwickelnden Geschlechtshormone. Die auffällige Musterung des Gefieders der Erpel führt die Männchen zusammen und stimuliert diese zur Gruppenbalz. Diese findet oft im Winterquartier auf eisfreien Wasserflächen am See oder einem Weiher statt und wird von mehreren Erpeln dargeboten. Sie zeigen eine Modeschau mit spektakulären Schwimmshows, Rufen oder durchdringenden Pfiffen, ein inszenierter Heiratsmarkt. Je prächtiger und kraftvoller die Männchen sind, desto besser ist ihre Chance, eine Braut zu ergattern.
Die Weibchen nehmen dieses Schauspiel meist aus gewisser Distanz wahr. Ein lediges Weibchen kann sich dann ein «gefälliges» Männchen auswählen, indem es auf einen Auserwählten zuschwimmt. Damenwahl ist angesagt, sofern nicht Übergriffe von stürmischen Junggesellen bei ledigen Enten unfreiwillig stattfinden.
Danach beginnt die lange Verlobungszeit, wo beide ihre Aktivitäten immer genauer aufeinander abstimmen. Es ist die Zeit der Synchronisation, des Zusammenwachsens und des füreinander Warmwerdens. Doch es passiert noch nichts Ernsthaftes zwischen den Kandidaten.
Vom Winterquartier ins Brutquartier
Erst im März, nach Monaten der Verlobungszeit, ziehen die Enten aus dem Winterquartier in ihr Brutquartier. Es wird ernst mit der Heirat. Der Angetraute folgt seiner umschwärmten Ente und nicht umgekehrt, d.h. der Bräutigam zieht zur Braut. Doch es kann jederzeit zur Auflösung der Verlobung kommen, da Junggesellen die Braut hartnäckig bedrängen. So sieht man oft Dreier-Trupps entweder im Flug oder im Gewässer. Das Weibchen verlangt dabei von ihrem Verlobten, den Fremderpel zu vertreiben. Beweist der Bräutigam seine «Männlichkeit» findet eine Paarungsbalz statt.
Sobald das Bodennest mit Eiern gefüllt ist, wird der Erpelgatte von der Entenmutter entlassen. Die Erpel sind zu auffällig, als dass sie noch in der Nähe des Nestes geduldet werden. Damit endet die Saisonehe des Paars. Das Weibchen sitzt nun rund einen Monat auf dem Gelege und macht sich durch das Tarngefieder für Feinde unsichtbar. Die Fürsorge für den Nachwuchs, der 7 bis 13 Junge umfassen kann, dauert nach dem Schlüpfen nochmals fast zwei Monate, bis die Küken selbständig sind. Die Ente steckt damit all ihre Reserven in die Brutpflege.
Im Hochsommer geht die Brutzeit zu Ende. Es wird ruhig, da bei den Enten die Gefiedererneuerung (=Mauser) ansteht. Der Erpel verliert sein Prachtkleid und auch seine Flugfähigkeit für ca. einen Monat. Er zieht sich ins Röhricht zurück, wo er sein Sommerkleid erhält, das sich ausser dem gelben Schnabel nur noch unwesentlich vom Gefieder der Ente unterscheidet.
In der Rubrik «Bio-Mümpfeli» blickt der ehemalige Bio-Lehrer Ernst Hofmann aus Unterkulm auf aktuelle Naturereignisse und Naturphänomene.

