Ein Sturm im Wasserglas

Mi, 20. Mai. 2020

Vergangene Woche fand die Abgeordnetenversammlung des Gemeindeverbands aargauSüd impuls statt. Auf virtuellem Weg wurden unter anderem die Ziele für das laufende Jahr definiert. Darin ist von einem Zusammenschluss zur «Gemeinde aargau-Süd» die Rede. Was steckt da dahinter?

rc. Die Zielvorgabe des Gemeindeverbands aargauSüd impuls für das Jahr 2020 im Wortlaut: «Bis Ende 2020 wird der Auftrag der Gemeindeammänner Bezirk Kulm als angedachter Zusammenschluss einer ‹Gemeinde aargauSüd› mit einem Runden Tisch angegangen. Für die Weiterführung der Gespräche liegt eine Willensbekundung der betreffenden Gemeinden vor.»

Die «Aargauer Zeitung» fragte daraufhin: «Fusionspläne Wynental – Entsteht hier bald die grösste Aargauer Gemeinde?» Der Artikel löste an den wiederbelebten Stammtischen unterschiedliche Reaktionen aus. Von einem ziemlich schlechten April-Scherz war die Rede, es gibt aber auch Stimmen die sagen, darüber könnte man ruhig einmal sprechen.

Erinnert man sich an vergangene, weitaus kleinere, aber gescheiterte Fusionsprojekte, fragt man sich aber schon, wie man beim Gemeindeverband darauf kommt, die Fusion von neun Wynentaler Gemeinden von Burg bis Teufenthal in die Agenda zu schreiben. Bei aargauSüd impuls heisst es, man sei in diesem Fall nur ausführende Kraft. «Wir erhielten im letzten Herbst einen klaren Auftrag von der Gemeindeammännervereinigung des Bezirks Kulm, im ersten Quartal 2020 einen Info-Anlass über das Thema ‹künftige, vertiefte Zusammenarbeit der Gemeinden› zu organisieren», sagt Präsident Martin Widmer auf Anfrage. «Diesen Anlass haben wir auftragsgemäss am 12. März durchgeführt.»

«Eine intensivere Zusammenarbeit ist ein Muss»

Es ist also der Mist eines anderen, auf dem die Idee gewachsen ist. Geben wir die Frage an die Gemeindeammänner-Vereinigung des Bezirks Kulm weiter, deren Präsident Reinachs Ammann Martin Heiz ist. «Aus meiner Sicht ist eine intensivere Zusammenarbeit ein Muss für die Gestaltung der Zukunft. Rekrutierungsprobleme beim Fachpersonal sind momentan in vielen kleinen Gemeinden auf der Traktandenliste. Verschiedene Verwaltungsabteilungen könnten mit relativ wenig Aufwand und ohne Fusion in einem oder zwei Dienstleistungscenter in der Region zusammengelegt werden. Mit der Digitalisierung ist der persönliche Gang auf die Gemeinde immer weniger nötig.»

Das sind schon klarere Worte – Was aber ist mit der «Willensbekundung», von der beim Gemeindeverband die Rede ist?

Renate Gautschy, Gemeindeammann von Gontenschwil sagt: «Grundsätzlich kann man über alles sprechen. Die Erfahrungen zeigen, dass Fusionen nicht zwingend zu finanzieller Besserstellung führen. Insbesondere sollte in dieser Region eine Vertrauensbasis für bessere Zusammenarbeit geschaffen werden». Sie unterstreicht, dass die «Willensbekundung» so zu verstehen ist, dass man miteinander redet. Von einem Vorhaben, eine Fusion voranzutreiben sei man weit entfernt – heisst es auch aus anderen Amtsstuben. In einer Umfrage unter den weiteren Wynentaler Gemeindamännern war von «Wir bieten jederzeit Hand für eine Zusammenarbeit» über «für uns kein Thema», bis hin zu einem «ich würde es als Zeitungsente abtun», alles zu haben.

Jetzt kommen wir der Sache näher

Als Initiant der «Fusions-Idee» gibt sich bei der Umfrage Daniel Heggli, Gemeindeammann von Zetzwil zu erkennen. Die Überschrift in der AZ habe er schmunzelnd zur Kenntnis genommen, sagt er. «Auch wenn die Aussage der grössten Gemeinde im Kanton Aargau reizvoll tönt, wollte der Verfasser wohl in erster Linie provozieren», sagt Heggli. Er unterstreicht, dass er oder der Gemeinderat von Zetzwil zurzeit keine Fusionsstrategien verfolgen, fügt aber ebenso entschieden an: «Die Einwohnerinnen und Einwohner von Zetzwil erwarten von mir als Gemeindeammann und Verantwortlicher für die Finanzen ein ausgeglichenes Budget. Dies ist mein Auftrag, den ich konsequent verfolge. Der Spielraum für Sparmassnahmen ist für eine Gemeinde wie Zetzwil sehr gering. Wenn wir unsere Ausgaben nachhaltig reduzieren oder sogar sparen wollen, müssen wir auch die Möglichkeiten ausschöpfen, die sich in der Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden ergeben.» Dass dabei der Fusionsgedanke geäussert wird, liege in der Natur der Sache. Daniel Heggli verspricht sich vom Runden Tisch aber vielmehr, «dass Strategien zur Reduktion der Ausgaben erarbeitet werden» und will, dass lautes Nachdenken erlaubt ist: «Man muss das Unmögliche denken, um das Mögliche bewältigen zu können.»

Fazit

Unter dem Strich bleibt vorläufig ein Sturm im Wasserglas. Die aus einer simplen Zielvorgabe suggerierte baldige Fusion hält bei genauerem Hinschauen in keiner Weise stand. Man diskutiert zwar irgendwas, irgendwo im Hintergrund, aber das ist ja auch die Aufgabe der regionalen Denkfabriken.

Auf der anderen Seite bringt die Sache ein leicht behebbares Defizit zu Tage: An der proaktiven Öffentlichkeitsarbeit von Verbänden und Vereinigungen liesse sich durchaus noch arbeiten.

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