«Wir Gemeinden stehen voll hinter dem Projekt»

Do, 15. Aug. 2024
Das teuerste Projekt der Aargauer Mobilitätsgeschichte: Mit einem Tunnel soll das Suhrer Gemeindegebiet vom überbordenden Durchgangsverkehr befreit werden. (Bild: zVg.)

Das Projekt «Verkehrsinfrastruktur-Entwicklung Raum Suhr», kurz «Veras», wird teurer als bisher angenommen. Statt um die 250 Millionen sind es jetzt 366 Millionen Franken. Auch bis zur Fertigstellung dauert es drei Jahre länger als vormals angekündigt. Gebaut wird von 2027 bis 2033.

rc. Der eigentliche Grund für die Medienkonferenz am Dienstagmorgen dieser Woche war das Geld. Regierungsrat Stephan Attiger übergab das Wort aber vorerst an den Kantonsingenieur Dominik Studer, der im Detail erklärte, welche Massnahmen «Veras» beinhaltet. Die Karte, auf der alle 80 geprüfte Varianten mit roten Strichen eingezeichnet sind, gleicht auf den ersten Blick einer frühen Arbeit eines Primarschülers – auch der von Kulmer Grossräten immer wieder thematisierte Autobahn-Halbanschluss «Wynental» ist darauf zu erkennen und ist demnach geprüft, aber letztlich verworfen: Das Bundesamt für Strassen «Astra» wolle mit den bestehenden Anschlüssen arbeiten und keine neuen bauen, hiess es. Studer erläuterte zuletzt, welche Massnahmen nun definitiv kommen:

• Ein Tunnel zwischen Suhr und Gränichen unter der Wynematte

• Eine SBB-Überführung über die Bernstrasse Ost in Suhr

• Eine Entlastungsstrasse von der Gränicherstrasse zur Suhrentalstrasse.

Dazu kommen zahlreiche Nebenprojekte, wie die Aufwertung von Bachläufen und Grünräumen. Auch die Velo- und Fusswege werden ausgebaut und sicherer gemacht. Insbesondere die Gemeinde Suhr soll danach vom motorisierten Durchgangsverkehr entlastet sein.Auch die Gemeinde Gränichen und das Wynental profitieren von den Massnahmen, weil das Tal schneller erreicht, resp. verlassen werden kann. Man erhofft sich dadurch neue Impulse für die Wirtschaft und als Wohnort.

Kanton trägt 80 Prozent der Kosten

Bisher schätzte der Kanton die Investitionen grob auf 250 Millionen Franken, bei einer Schätzungs-Ungenauigkeit von 30 Prozent. Jetzt ist aber klar, dass das Projekt viel mehr kostet, nämlich 366 Millionen Franken − und auch hier besteht noch eine Kostenungenauigkeit von plus/minus 10 Prozent. Veras ist damit das teuerste Projekt der Aargauer Mobilitätsgeschichte. Die starke Teuerung im Bausektor sei dafür verantwortlich, unterstrich Regierungsrat Attiger, dazu kämen Anpassungen und Ergänzungen im Projekt und auch bei den Werkleitungen müsse man mehr investieren als angenommen.

Gränichen zeigt sich solidarisch

366 Millionen Franken kostet also ein bauliches Vorhaben, von dem der Kanton Aargau nicht mehr abrücken wird. Seit 2002 ist eine «Ost- und Südumfahrung» im Richtplan eingetragen und zu sehr hat sich der dringende Handlungsbedarf in den letzten Jahren akzentuiert. Der Kanton steuert demnach rund zwei Drittel der Kosten bei, nämlich 246 Millionen Franken. Der Anteil des Bundes beträgt 79 Millionen Franken und die Werke wie TBS oder Astra übernehmen 31 Millionen Franken. Die Gemeinde Suhr − an der Medienkonferenz vertreten durch Gemeindepräsidentin Carmen Suter-Frey − profitiert von den Verkehrsentlastungen im Dorf, wo auch die meisten baulichen Massnahmen umgesetzt werden. Suhr muss demnach 14 Millionen Franken beisteuern, wobei der Betrag durch Beiträge noch auf rund 10 Millionen sinken wird. Solidarischer Natur ist der freiwillige Beitrag Gränichens von 2 Millionen Franken. Der an der Medienkonferenz ebenfalls anwesende Gränicher Gemeindeammann Andreas Fetscher sagte gegenüber dem Wynentaler Blatt: «Für uns bringen die Massnahmen in erster Linie einen besseren Verkehrsabfluss. Wir hoffen aber auch, für das Gewerbe und als Wohngemeinde attraktiver zu werden». Fetscher fügt an, dass die Gemeinde an sich keinen Einfluss auf das Projekt hat, «aber wir solidarisieren uns und unterstützen mit diesem Betrag unserer Nachbargemeinde, immerhin schlucken die auch unseren Verkehr.» Wie in Suhr muss auch der Gränicher Beitrag noch von der jeweiligen Gmeind im Herbst genehmigt werden. Von allen drei Gemeindevertretern – auch Oberentfeldens Gemeindeammann Yvette Körber war zugegen – wurde klar festgehalten: «Wir Gemeinden stehen voll hinter dem Projekt». Eine Tatsache, die der Regierungsrat Attiger sehr schätzt. «Das ist nicht selbstverständlich», sagte er.

Es gibt auch Kritik

Vonseiten der einladenden Behörden gibt es keinen Zweifel, dass das Projekt in der vorgestellten Form umgesetzt wird. Umgesetzt werden muss. Doch es gibt auch kritische Stimmen: Weitere Gemeinden im Wynental müssten sich an den Kosten beteiligen, hiess es aus der Politik. Und auch die Befürchtung wurde geäussert, dass eine bessere Infrastruktur in erster Linie mehr Verkehr anzieht, statt für eine Entlastung zu sorgen. Offenbar sind auch andere Interessen im Spiel, wie jene eines Bürgers, der sich an der Medienkonferenz gemeldet hat. Er wisse zwar, dass sein Anliegen nicht Teil von «Veras» ist, dennoch wolle er vom Regierungsrat wissen, ob die Tramstrasse in Suhr im Zuge der geplanten Massnahmen nicht mit einer Tempo 30-Zone belegt werden könnte. Man sei im Gespräch mit der Gemeinde, sagte Attiger, wollte aber beim Thema Veras bleiben und die Fragerunde den Medienschaffenden offen lassen.

Eröffnung im Jahr 2033

Läuft alles nach Plan, sollen in diesem Herbst die Gemeindebeiträge genehmigt werden, danach soll das Bewilligungsverfahren, einschliesslich Behandlung der Einsprachen, bis Ende 2026 abgeschlossen sein. Parallel läuft das Kreditverfahren auf Kantonsebene. Mitte 2027 beginnt die sechs Jahre dauernde Bauphase. Zuerst würden die Werkleitungen gebaut und anschliessend mit dem Tunnelbau begonnen. Fertiggestellt wäre dann alles im Jahr 2033.

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