Die wundersame Welt der Sagen

Do, 21. Nov. 2024
Das eingespielte Duo konnte seine langjährige Erfahrung zur Geltung bringen und zeigte dabei auch vollen Körpereinsatz. (Bilder: jaf.)

Es war Clo Bisaz letzter Auftritt. Zumindest in seiner Zeit als Leiter des Theaters am Bahnhof in Reinach. Zusammen mit Christian Hänni als musikalischer Begleiter nahmen sie vergangenen Samstag die rund 100 Besucher mit in die heimliche Welt der Sagen.

jaf. Mit dem Programm «Nachtvolk und süsser Käs», welches Clo Bisaz zuvor mit den Worten «unheimlich, heimlich, schön» beschrieb, verwirklichte der passionierte Schauspieler seinen Wunsch, noch einmal selbst auf der Bühne zu stehen.

Der stolze Coiffeur

Das schlichte Bühnenbild, worin ein Holztisch und zwei Stühle im Zentrum standen, ergänzt mit einem Hasen und einem kleinen Bild im Hintergrund, versetzte die Zuschauer in eine urchigheimelige Hüttenszene im 200 km entfernten Bergün im Albulatal.

Wortlos trat Bisaz auf die Bühne, setzte sich hin und schenkte sich ein Glas Rotwein ein. Im Hintergrund untermalte Christian Hänni mit den hellen Klängen der Geige die Szene. In der Ruhe selbst blickte Bisaz mit einem breiten Schmunzeln ins Publikum, welches sichtlich amüsiert darüber war. Es war ungewiss, ob er diesen Moment nochmal besonders genoss oder ob er bereits in seinem Element als Schauspieler war. Es weckte die Neugier im Publikum. Was geschieht nun?

Bisaz richtete sich auf seinem Stuhl ein und prostete den Zuschauenden zu. Worauf die Stunde der fantastischen Erzählungen aus seinem Heimatdorf beginnen konnte.

«Im Dorf gab es ein paar komische Vögel. Da war zum Beispiel ein Coiffeur. Er hatte als erster im Dorf ein Töffli und am Sonntag nach der Predigt bat er die Kirchgänger, am Strassenrand auf ihn zu warten. Und dann kam er mit seinem Töffli. Strahlend fuhr er das Dorf aufwärts und abwärts. Immer und immer wieder und bleicher und bleicher wurde er. Aufwärts und abwärts. Die Leute am Strassenrand fingen schon mal an, zum «z’Mittag» essen nach Hause zu gehen. Später erfuhr man in der Beiz, dass der Coiffeur noch stuuundenlang aufwärts und abwärts fuhr. Er wusste nicht mehr, wie man das Töffli abstellt und musste deshalb so lange fahren, bis der Tank leer war».

Die Mischung aus Erzählung und Schauspiel hielt das Geschehen stets unerwartet. Die abenteuerlichen Geschichten waren facettenreich, teils wunderlich, teils anmutig und dann wieder humorvoll. Das Geigenspiel von Hänni fing die Stimmung der Sagen eindrucksvoll auf und intensivierte die Emotionen aus dem Schauspiel und den Erzählungen.

Auch Hänni und Bisaz erwischte es teilweise, dass sie über die kuriosen Erzählungen selbst ins Lachen verfielen und sie verstärkten damit die nahbare, familiäre Atmosphäre, die diesen Abend begleitete.

Ein süsser Abschluss

Nach einer vielfältigen Sagenstunde zeigte das Publikum seine Begeisterung mit einem langanhaltenden Applaus. Hänni und Bisaz bedankten sich. «Es ist ein Stück, welches wir vor zwanzig Jahren das erste Mal gespielt haben» sagte Hänni. «Unsere Regisseurin Gunhild Hamer meinte, wir müssen das Programm anpassen», ergänzte Bisaz lachend. Hänni übergab Bisaz ein Stück Bündnerfleisch. Es war des Rätsels Lösung der letzten Sage im Programm. Einer Kuh fehlte ein Stück Fleisch, welches sich in der Geschichte nie auflöste. Mit dem Bündnerfleisch verhalf Hänni der Geschichte auf humorvolle Weise zu einer Auflösung. Das Publikum und Bisaz amüsierten sich über den Spass.

Clo Bisaz bedankte sich, nicht nur für den Zuspruch des Abends, auch für die gesamten Jahre im TaB, die er dort miterleben und gestalten durfte. Denn der Leitungswechsel steht kurz bevor, ab Januar wird der engagierte Daniel Hölzinger das TaB Reinach allein leiten.

Passend zum Programm konnten das Publikum, Clo Bisaz und Christian Hänni im Anschluss den Abend bei einem reichhaltigen Käsebuffet und einem Glas Wein ausklingen lassen.


Interview mit Clo Bisaz

Welche Gedanken waren vor dem Auftritt besonders präsent?

«Wir haben das Stück vor 12 Jahren das letzte Mal gespielt. Aber es ist ein Stück, das wir früher sehr oft aufgeführt haben. Dementsprechend wollte ich es nochmals spielen, als Abschiedsstück von der Bühne als Betriebsleiter. Ein wichtiger Gedanke, der mich zuvor begleitete war, ob ich es noch in derselben Qualität wie früher spielen kann. Aber ich konnte zusammen mit Christian Hänni nochmals zeigen, dass ich es kann, und das war mir für meinen Abschluss als Schauspieler enorm wichtig. Ich habe mich sehr gut vorbereitet und wir haben auch viel geprobt. Besonders nach so langer Zeit und der spezielle Moment, welcher auch meinen Abschied bedeutete, machte diesen Auftritt sehr besonders. Daher war ich schon nervös, aber ich habe mich auch wahnsinnig gefreut. Als ich alle Freunde, Bekannte, Verwandten und Gönner gesehen habe und überhaupt das gesamte Publikum, was so herzlich und warm war und so gut zugehört hat, beflügelte es mich, auf dieser Bühne mein Abschiedsstück spielen zu dürfen. Ich bin sehr glücklich darüber.»

Woher kommen die Sagen und was ist die Faszination daran?

«Sie sind wirklich von meinem Grossvater und sie entsprechen den Tatsachen. Zum Beispiel auch, dass ich als Kuhhirte Heimweh hatte und und und. Ich habe aber auch nach Sagen gesucht und mich auf sie spezialisiert. An den Bündner Sagen haben die Menschen ihre Freude und ich erzähle einfach wahnsinnig gerne Geschichten. Für jedes Alter. Ich glaube, gute Geschichten zu erzählen, das ist einfach mein Gebiet. Das Publikum zu faszinieren, wo sich die Frage stellt, was ist wahr oder was vielleicht doch nicht, eben heimlich. Aber es darf auch etwas unheimlich sein, gar etwas gefährlich, wenn es dann schön wird, ist alles gut. Das Geschichten erzählen wird gewiss immer ein Teil von mir bleiben, egal in welcher Form.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Christian Hänni?

«Wir kennen uns seit 25, wenn nicht 30 Jahren. Wir haben uns in Beinwil am See kennengelernt, da unsere Kinder im selben Alter waren. Christian Hänni ist ein festes Mitglied im Ensemble des Amateurtheaters und wir haben schon viele verschiedene Projekte zusammen gemacht.»

Wurden die Erwartungen am vergangenen Samstag erfüllt?

«Für Christian Hänni und mich war es ein Fest auf der Bühne. Wir haben uns auch viel mehr Zeit gelassen, miteinander gespielt und ich habe noch intensiver als Figur gearbeitet. Es freute mich, dass die Kinder, Freunde, Familie, mein Bruder, der Gemeindeammann, Sponsoren und alle hier waren. Es war wunderbar.»

Kategorie: 

Neuen Kommentar schreiben

CAPTCHA
Diese Frage soll automatisierten Spam verhindern und überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind.

Kommende Events

Stellen

Immobilien

Diverses