«Der Ausgleich ist wichtig»
24.07.2025 Suhren-/Rueder-/Uerkental, Uerkheim, SportSeit 2022 ist er als Kunstturner im Schweizer Nationalkader. Doch seine sportlichen Anfänge fand Florian Langenegger beim STV Schlossrued. Im Gespräch erzählt der Uerkheimer, wie seine Karriere ihren Anfang nahm und wohin die Reise noch führen soll.
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Seit 2022 ist er als Kunstturner im Schweizer Nationalkader. Doch seine sportlichen Anfänge fand Florian Langenegger beim STV Schlossrued. Im Gespräch erzählt der Uerkheimer, wie seine Karriere ihren Anfang nahm und wohin die Reise noch führen soll.
mek. «Ich habe im Fernsehen Kunstturnen gesehen, genau gesagt den Swiss Cup Zürich und habe dann gefunden, das will ich auch machen.» So erinnert sich Florian Langenegger an seine Anfänge im Kunstturnen zurück. Auch wenn es ihn früh faszinierte, brauchte er einige Probetrainings, bevor er richtig mit dem Sport begann. Beim STV Schlossrued fand er schliesslich seine sportliche Heimat und mit sieben Jahren begann eine Leidenschaft, die ihn inzwischen bis zu den Olympischen Spielen 2024 in Paris brachte. Am Kunstturnen fasziniert den 22-Jährigen besonders, was man mit dem Körper alles machen kann. Auf der Website des Schweizerischen Turnverbandes steht folgendes: «Gute Kunstturnerinnen und Kunstturner zeichnen sich durch Kraft, Schnelligkeit, Beweglichkeit sowie koordinative Kompetenzen aus.» All diese Fertigkeiten unter einen Hut zu bringen ist nicht einfach, doch Florian Langenegger scheint dies gelungen zu sein.
Als Kind trainierte der Uerkheimer einmal in der Woche. «Ab neun oder zehn Jahren wird es mehr», erklärt er. Früh kam er nach Niederlenz in das regionale Zentrum und von da an trainierte er fünf bis sechs Mal in der Woche. «Als Kind muss man alles unter einen Hut bringen. Nach der Schule vier Stunden zu trainieren ist streng.» Er musste auf vieles verzichten, aber es wurde darauf geachtet, dass die sozialen Kontakte nicht zu kurz kamen. Ein Punkt, der Florian Langenegger auch heute noch wichtig ist. So tankt er Kraft aus der Zeit, die er mit seiner Familie und seinen Freunden verbringt. Dabei geht es meist nicht um das Turnen, sondern um alles andere. «Der Ausgleich ist wichtig. Ich bin froh, am Wochenende mal weg vom Turnen zu kommen», sagt er mit einer kleinen Prise Humor in seiner Stimme.
«Ich hatte eine Riesenfreude»
In diesem Jahr hat Florian Langenegger bereits zwei Grossanlässe hinter sich: Die Europameisterschaft in Leipzig und das Eidgenössische Turnfest in Lausanne. An beiden Orten konnte er eine gute Leistung erzielen und Erfolge feiern. Ganz besonders: In Leipzig schrieb er mit dem Nationalkader Schweizer Turngeschichte. Mit einem hervorragenden Wettkampf holte sich Langenegger gemeinsam mit Noe Seifert, Luca und Matteo Giubellini und Ian Raubal die Silbermedaille. «Ich hatte eine Riesenfreude, wir waren ein super Team», erinnert sich Florian Langenegger an den Moment, «man merkt, die ganze Arbeit zahlt sich aus. Es war Sowieso ist das Team für Florian Langenegger ein wichtiger Teil des Ganzen. «Man schaut füreinander und aufeinander. Im Team zu trainieren ist etwas vom wichtigsten, man kann sich so verbessern.» Denn wenn man allein trainiert, hat man kein Bild, wo genau man steht. Ausserdem sehe er bei seinen Kollegen manchmal Details, die er gleich bei seinen eigenen Übungen anwenden kann, erläutert er. Auch wenn im Kunstturnen jeder Turner einzeln bewertet wird und die Sportart von vielen Menschen oft als Einzelsportart angesehen wird, so wird doch deutlich, dass ein Team eine unglaubliche Bedeutung hat.
Keine Ferien nach der EM
So waren gute Einzelleistungen an der EM auch gerne gesehen, aber «das Ziel war eine möglichst gute Teamwertung zu erreichen.» Dazu brauche es einen sehr guten Wettkampf von allen, sagt Florian Langenegger. Genau das ist dem Schweizer Team in Leipzig gelungen. Für den Uerkheimer gab es dennoch eine kleine Enttäuschung: Trotz dem hervorragenden fünften Platz in der Mehrkampfqualifikation durfte er nicht am Final teilnehmen. Grund dafür war die Regelung, dass nur zwei Athleten pro Nation an einem Final teilnehmen dürfen. Da sowohl Noe Seifert als auch Matteo Giubellini besser platziert waren, traf diese Regel Florian Langenegger. «Es war schön zu sehen, dass man dabei wäre und das Potenzial hätte. Die Landesregel kann einem auch zugute kommen. Jetzt musste ich halt in den sauren Apfel beissen», meint er abgeklärt. Als Sportler muss man eben das Gewinnen und das Verlieren verkraften können.
Normalerweise gibt es nach einem Grossanlass wie einer Europameisterschaft eine Pause, doch für Florian Langenegger und seine Teamkollegen war dieses Jahr alles etwas anders. Das Eidgenössische Turnfest in Lausanne folgte knapp zwei Wochen später. An diesem wurde er Zweiter im Mehrkampf, einzig Noe Seifert war besser. «Es war sehr speziell. Die Halle war sehr warm, etwa 35 Grad.» Normalerweise ist eine Halle, in der die Kunstturner ihre Leistungen zeigen, eher kühl.
2028 nach Los Angeles
Jetzt, im Anschluss an diese beiden Anlässe, kann er seine wohlverdienten Ferien geniessen. «In den Ferien kann ich runterfahren», erörtert er. Neben dem Sport fährt er als Ausgleich gerne Töff und macht ein Bachelorstudium in Betriebsökonomie. Dies absolviert er im Fernstudium. Am Montag gibt es jeweils eine Vorlesung, den Rest muss er sich unter der Woche selbst beibringen. «Ich mache mir eine To-Do-Liste und teile mir ein, was wann zu tun ist», erklärt er sein System. So behält er den Überblick und sorgt dafür, dass die 25 Stunden Training, die nötige Regeneration, das Studium und die Freizeit alle Platz haben. «Es ist sehr viel Aufwand», gibt er zu, «aber man gewöhnt sich daran.»
Sein nächstes grosses Ziel sind klar die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles. «Paris war ausserordentlich. Die Eindrücke sind mir geblieben, besonders der Einmarsch war ein Gänsehautmoment.» Mit seinen aktuellen Leistungen im Team ist Florian Langenegger sicher auf dem richtigen Weg zu seinem Ziel, aber ausruhen darf er sich nicht zu sehr. Im Training versucht er aktuell sein Programm zu steigern. Das heisst, es werden neue, schwerere Elemente trainiert. Wenn alles klappt, dann möchte er bereits an den Weltmeisterschaften in Jakarta im Oktober ein schwierigeres Programm turnen, als er dies in Leipzig tat. «Bis zur Olympiade kann ich das Programm dann festigen», sagt der Uerkheimer.
Zukunftspläne? Unklar
Angesprochen auf seine Heimat sagt er überzeugt: «Mein richtiges Zuhause ist Uerkheim. Magglingen ist mehr mein Trainings- und Arbeitsort.» In Uerkheim wird er auch manchmal erkannt. «Besonders am Dorffest wurde ich auf meine Leistung angesprochen und es wurde mir gratuliert», schildert Florian Langenegger. Vor allem die Sportinteressierten kämen öfters auf ihn zu. «Es ist schon cool und ich freue mich, wenn mich Leute darauf ansprechen», gesteht er. Neben den Sportinteressierten seien es oftmals Kinder, die ebenfalls turnen. «Man ist vor allem im Turnzentrum in Lenzburg ein grosses Vorbild für die Kleinen.» Ein eigenes grosses Vorbild hatte Florian Langenegger als Kind nicht: «Ich fand alle cool.»
Über seine Zukunft nach dem Kunstturnen macht er sich noch nicht zu viele Gedanken. «Ich probiere mich darauf vorzubereiten mit dem Studium. Dann habe ich etwas in der Hand. Aber konkret weiss ich noch nicht, was ich machen werde», erklärt er. Klar habe er Vorstellungen, aber noch nichts Definitives. Wenn alles richtig läuft, dann muss er sich auch nicht so schnell darüber klar werden. Denn mit 22 Jahren stehen ihm hoffentlich noch einige Jahre im Spitzensport vor.







