Oben
Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht mindestens eine Zusendung mit einem Foto eines Himmelsphänomens in unserem Mail-Postfach landet. Gerade in den letzten Wochen gab es ja eine ganze Menge davon: Nächtliche Nordlichter, glutrote Sonnenuntergänge, saharastaubgetrübte Sonne, fast flach liegende Mondsichel, Farbprismen in Wolken, um nur einige zu nennen. Es ist faszinierend zu sehen, was sich da über uns alles abspielt.
Ich war als kleiner Bub ein richtiger Hans-guck-in-die-Luft. Offenbar habe ich diese Eigenschaft des unbekümmert durch die Welt Gehens mittlerweile etwas verloren. Dies wurmt mich ein wenig, vor allem der verpassten Nachtlichter wegen, die ich doch schon seit Jahren auf meiner Bucket List führe. Aber die eintreffenden Fotos entschädigen für so manches.
Alles Gute kommt von oben, heisst es. Die Redewendung stammt gemäss Google aus der Bibel (Jakobus) und bedeutet, dass Segen, Glück oder Geschenke von Gott oder einer höheren Macht stammen. Dass die Herkunft dieser Redensart aus einer Zeit stammt, in der der «Himmel» mit goldener Pforte und harfespielenden Engelchen wohl noch so aussah, wie uns Hollywood dies heute nur noch in kitschigen Filmen glauben machen will, ist offensichtlich.
Die Realität ist wohl etwas nüchterner und leider weit weniger romantisch. Ob beispielsweise all jene, die heute täglich mehrmals unter Sirenengeheul und Drohnenlärm in Luftschutzbunker flüchten müssen, unterschreiben würden, dass alles Gute von oben kommt, da hege ich doch gewisse Zweifel. Ich wünschte ihnen unseren unbeschwerten Blick nach oben.
Roland Marti

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