«Das Wynental ist nicht besonders auffällig»

Do, 15. Jan. 2026
Die Chefs der Kapo Aargau gaben Auskunft: (v.l.) Kommandant Michael Leupold, Kriminalpolizist Markus Gisin, Heinz Meier von der mobilen Polizei und Matthias Schildknecht von der Abteilung stationierte Polizei. (Bild: Remo Conoci)

Einmal im Jahr zieht die Aargauer Kantonspolizei Bilanz über ihre Tätigkeit. Dabei zeigt sich, dass die Kriminalität das Niveau aus den Jahren vor der Pandemie wieder erreicht hat. Obwohl die Meinung stark verbreitet ist, so lässt sich etwas statistisch nicht untermauern: Das Wynental ist aus polizeilicher Sicht in keinem Bezug ein besonderer «Hotspot»

Die offiziellen Zahlen werden zwar erst im März 2026 publiziert, der Trend ist jedoch klar: Nach einer «Flaute» während den Corona-Jahren, als auch der Kriminaltourismus zurückgegangen war, haben die Straftaten das Niveau von früher wieder erreicht. Konkret lag die Anzahl der gemeldeten Delikte in den Jahren 2014 und 2025 bei rund 2700 gemeldeter Fälle. Im Jahr 2020 waren es knapp über 1000. Die Aufklärungsrate ist mit 20 Prozent tief, weil die Straftäter das Land oft schnell wieder verlassen.

Neben einleitenden Worten von Regierungsrat Dieter Egli und Polizeikommandant Michael Leupold, äusserte sich der Chef des Kriminalpolizei Markus Gisin zur Art der Straftaten: Rund 60 Prozent seien Vermögensdelikte, also Diebstähle, Einbrüche und Betrügereien. Die restlichen 40 Prozent teilen sich auf Gewaltdelikte, Sexualstraftaten, Freiheitsberaubungen oder Geldwäscherei auf. Gewaltstraftaten haben dabei deutlich zugenommen, offenbar gibt es immer mehr Konflikte im öffentlichen Raum. «Zum Glück kommt es nur selten zum Tötungsversuch: 10 Fälle wurden registriert, fünf davon wurden vollendet. Die Aufklärungsquote hierbei lag auch 2025 bei 100 Prozent», so Gisin.

Auch die Cyber-Kriminalität nimmt zu, wobei auch Private Computer gesperrt oder die Daten verschlüsselt werden, immer im Zusammenhang mit einer Geldforderung. 20 solcher «Ransomware»-Angriffe seien auf Firmen verübt worden, wobei ein grosses Schadenspotenzial bestehe. «Behalten Sie Ihre Software auf dem aktuellen Stand, vertrauen Sie keinen unglaublich tollen Angeboten, die sind nämlich wirklich unglaublich», sagt etwa Kriminalpolizist Gisin weiter. In den Jahren 2021 bis 2023 haben mindestens 700 Überweisungen an Kriminelle stattgefunden. Auf diese Weise gehen pro Jahr gegen 20 Millionen Franken verloren
– die Aufklärungsrate ist eher tief.

Es gibt aber auch gute Nachrichten: Kritische Infrastrukturen wurden in den letzten Jahren nur einmal angegriffen, als in Rheinfelden ein Stromkabel durchtrennt wurde. Seit vielen Jahren geht auch die Anzahl Verkehrstoter im Aargau zurück, im Jahr 2025 waren es elf, davon fünf Fahrzeuglenker, ein Beifahrer, drei Fussgänger, ein E-Bike-Fahrer und ein Lenker eines Motorfahrrads. Grund für schwere Unfälle sei oft die Ablenkung. Gesunken ist die Anzahl Schwerverletzter, doch Unfälle mit E-Trottinets nehmen exponentiell zu. Polizeikommandant Michael Leupold hat dazu eine klare Meinung: «Das Mindestalter zum Führen solche Fahrzeuge muss angehoben werden».

Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig: 117 anrufen ist eine gute Idee

Bei einem Rundgang durch die Kanonale Notfallzentrale (KNZ) erklärten Matthias Schildknecht von der Abteilung stationierte Polizei und Dienstchef Urs Steffen, man erhalte täglich 600 Anrufe auf die Notfallnummern 117, 118 und 144 und sogar 911, die alle in der Aarauer Telli angenommen werden. «Es kommen auch Anrufe verärgerter Bürger, deren Altpapier nicht abgeholt wurde rein», erzählt der Polizist. Dafür sei die Rufnummer 117 natürlich nicht gedacht. «Aber selbst in einem solchen Fall bekommt der Anrufer einen guten Rat, wenn nicht gerade viele Notrufe eingehen.» Für alle Notfälle, aber auch Beobachtungen und Auffälligkeiten, ist die Nummer 117 jedoch die richtige Anlaufstelle. In vielen Fällen seien Einsatzkräfte in wenigen Minuten vor Ort, in 86 Prozent der Fälle spätestens nach 15 Minuten. «Zur Lokalisierung etwa einer Unfallstelle, helfen der Polizei moderne Technologien. Ideal ist es aber, wenn der Anrufer in einem Notfall zuerst sagt, wo er ist und was passiert ist», so Steffen.

Abseits der Verkehrsunfälle kam es im letzten Jahr auch zu 4400 «Interventionen im öffentlichen Raum» – das sind Einsätze wegen verbaler Streitigkeiten, Drohungen und Auseinandersetzungen. Dabei sind die Ballungszentren Aarau, Baden und Brugg an der Spitze der Rangliste. Ausgelöst werden die Einsätze oft von so genannten «Intensivtätern» die immer wieder auffallen, mit Wohnsitz in der Schweiz, aber auch Asylbewerber aus Afghanistan, Algerien, Eritrea, Somalia und Marokko sind Auslöser.

Keine überdurchschnittlich hohe Deliktrate im Wynental

Während Einbrüche meist in Autobahnnähe stattfinden, ist auf einer Grafik zu erkennen, dass diese Interventionen im öffentlichen Raum vor allem in den Ballungszentren Aarau, Baden und Brugg stattfinden. Die WB-Region ist auf der Grafik farblich auch erkennbar, aber: «Das Wynental fällt nicht besonders auf», sagt Hans Meier, Abteilungschef der Mobilen Polizei nach der Medienkonferenz gegenüber dem «Wynentaler Blatt». Es gebe natürlich auch im Wynental Orte, wo sich zum Beispiel Autoposer treffen, jedoch nicht in einem übergeordneten Masse. «Für Anwohner ist die Wahrnehmung natürlich eine andere, wir beobachten jedoch die Szene und sind regelmässig vor Ort», versichert Meier. «Auch bei anderen Straftaten oder Einbrüchen ist es im Wynental nicht gefährlicher als anderswo.»

Gleiches gelte für die Unfallzahlen: Im Wynental finden nicht überdurchschnittlich viele Unfälle statt, auch nicht auf der Böhlerkreuzung in Unterkulm: «Wir registrieren dort Unfälle, doch über diese Kreuzung fahren die Verkehrsteilnehmer in der Regel sehr vorsichtig.» Meier unterstreicht damit die These, wonach Lichtsignale Verkehrsteilnehmer auch in falsche Sicherheit wiegen können.

Die Botschaft am Ende des Jahresberichts ist eine Wiederholung, die nicht oft genug wiederholt werden kann: Nachbarschaft beobachten, wachsam sein, sowohl online wie auch im echten Leben. «Schliessen Sie Ihr Auto ab, Ihre Haustüre», sagen die Exponenten. «Es bleibt ja nicht nur der materielle Schaden. Niemand will fremde Menschen in seinem persönlichen Rückzugsort.» Die Kantonspolizei werde demnach auch im neuen Jahr mit aktiver Kommunikation und Prävention die Bevölkerung sensibilisieren, denn viele der jährlich 154’000 Anrufe in der KNZ stammen nicht von Geschädigten, sondern von wachsamen Beobachtern.

Remo Conoci

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