Eine Liste ihrer Projekte oder Auftrittsorte zu erstellen, würde eine Weile dauern. Doch mit diesem Radius hätten die Gründer von «La Jalousie» selbst wohl am wenigsten gerechnet.
«Eigentlich fängt alles damit an, dass ich einen Cousin habe, der seit über 30 Jahren als Gründer in einem Kinderhilfswerk in der Provinz Bolivar arbeitet», schildert Sabine Bachmann-Frey. «Er hat vor über zehn Jahren Kontakt zwischen Veranstaltern und meinem Vater Peter Frey hergestellt.» Dieser sei dann nach einigem organisatorischem Hin und Her mit seinem Akkordeonorchester in Ecuador auf Tournee gegangen. Diese Konzerte haben in den Köpfen der Menschen Wurzeln geschlagen. «Vor etwas über einem Jahr bekam mein Vater die Anfrage für neue Auftritte. Doch er befand, Alter und Energie sprächen nicht mehr dafür.»
Die Nachfolge antreten
Seine Tochter Sabine und Ehemann Sven Bachmann als «Nachfolger» vorzuschlagen, lag nahe. Was ging ihnen beiden in diesem Moment durch den Kopf? Sven Bachmann schmunzelt: «Das war und ist eine lange Liste, die sich immer wieder umgestaltet.» Die Formation «La Jalousie» habe die Veranstalter noch nicht überzeugt. «Es bestand der Wunsch nach etwas «Grösserem», facettenreich und «heimatlich». «Also haben wir angefangen, über mögliche Werke, über Stücke nachzudenken und über Musiker, die bei einem solchen Abenteuer mitmachen würden», fügt Sabine Bachmann-Frey hinzu. «Dieses Nachdenken hat uns gezeigt, eigentlich haben wir schon «Ja» gesagt», vervollständigen sie.
Aus dem Trio ist ein Orchester geworden: Sabine Bachmann-Frey (Akkordeon), Andrea Stocker (Akkordeon), Sven Bachmann (Klarinetten), Monika Bättig (Jodel), Susanne Geist (Blockflöte), Erich Güntensperger (Perkussion), Thierry Roggen (Kontrabass), Franziska Wigger (Gesang, Jodel) und Hanspeter Wigger (Büchel, Alphorn, Trompete). Einzelne Künstlerinnen und Künstler kennen sich persönlich, haben schon zusammengearbeitet. Andere wissen bisher nur voneinander. «Aus einem Kontakt hat sich fast immer die nächste Idee ergeben.» «Der Austausch, ob telefonisch oder online, war äusserst lebhaft.» Die Begeisterung des Paares zeigt sich daran, wie sie sich untereinander in ihren Schilderungen abwechseln. Es spielt keine Rolle, wer spricht, das grosse Ganze bewegt.
Fragen, die sich noch nie stellten
Die musikalischen Gegebenheiten sind eine Seite der «Expedition Ecuador». Die andere beginne bei Einreiseformalitäten und höre bei medizinischen Vorkehrungen nicht auf. «Es braucht nicht nur Einfuhrgenehmigungen für Instrumente, sondern auch Versicherungen, denn der Transport ist eine sensible Angelegenheit.» Fragen, die sich ihnen noch nie gestellt hätten, verlangten Lösungen. «Unterbringung, Essen, Verkehr, die Ausstattung der Veranstaltungsorte – vieles lässt sich nicht detailliert abklären. Was wir mit Sicherheit wissen, ist: Wir werden improvisieren.»
Bis zum Flug am 7. April sind es noch 53 Tage. Einen Probezyklus im klassischen Sinn haben «La Jalousie plus» nicht. Sie starten am Sonntag um 17 Uhr mit einem Konzert im Musiksaal Polifonia in Seengen. Auf dem Flyer heisst es unter anderem: «Traditionelles wie wenig Gehörtes halten Einzug in ihr Programm, in dem gelebte Spielfreude und Musikantentum grossgeschrieben werden. Die neun Musiker, alles hochkarätige, konzerterprobte Meister ihres Fachs, präsentieren Einheimisches, Alpenländisches und Unerwartetes in unüblicher Zusammensetzung.» Das Paar erklärt: «Ob Soli, Kleinstformationen oder im ganzen Orchester – alles dreht sich um den musikalischen Dialog untereinander und mit dem Publikum.» Die Vorfreude ist auf ihren Gesichtern zu sehen. «Das Können jedes einzelnen Orchestermitgliedes erlaubt diese Improvisation».
Graziella Jämsä

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