Fällig
«Nächstes Jahr erledige ich sie früher!» Ich weiss noch genau, wie ich vor wenigen Monaten endlich − nach zwei kostenpflichtigen Mahnungen − erleichtert die Enter-Taste drückte und meine Steuererklärung 2024 virtuell auf den Weg ans Steueramt schickte. Hoch und heilig schwor ich mir, dass sich das Drama der letzten Wochen nie wiederholen dürfe.
Dabei gab es durchaus gute Gründe für mein Versäumnis. Eigentlich hätte ich die Erklärung ja gleich nach Erhalt der Unterlagen erledigen wollen. Eigentlich ... aber dann kamen Skiferien dazwischen, eine heimtückische Erkältung, die mir alle Energie raubte sowie der eine oder andere Termin am Wochenende, der mich davon abhielt. Und so kam es, dass ich − wie jedes Jahr − Ende März erst einmal eine Fristerstreckung beantragen musste. Erleichtert und ohne den Atem des Steuerkommissärs im Nacken, liess ich danach ein paar Wochen verstreichen. Es pressierte ja nun nicht mehr so. Und so kam es, wie es kommen musste: Auch die erstreckte Frist verstrich ungenutzt, und ich machte mich viel zu spät ans Werk. Jetzt aber ernsthaft! Flugs den bereits eingescannten Lohnausweis erfasst, bis ich merkte, dass der zweite Lohnausweis für einen Kommissions-Posten in der Wohngemeinde noch nicht erfasst war. Ein Griff in die «Steuerbelege»- Schublade und … weiter suchen, da dort nicht auffindbar. Schliesslich doch gefunden in den Unterlagen der Kommission. Also rasch einscannen … der Drucker-Kopierer-Scanner verweigert alle seine Funktionen, so lange die Farbpatrone leer ist. Farbpatrone gewechselt, Lohnausweis eingescannt und in eTax eingetragen.
Ein Bankbeleg fehlt auch! Es ist der Zinsabschluss des Anlagekontos. Gut, den findet man online im E-Banking − das aber zuerst nach dem Setzen eines neuen Passworts verlangt, weil ich dieses Login schon lange nicht mehr benützt habe. Schliesslich schaffe ich auch diese Hürde, speichere den Bankbeleg ab und erfasse ihn in der Steuererklärung.
Die Zusammenstellung der Krankenkasse ist so klein geschrieben, dass ich die beleuchtete Leselupe benötige … aber die Knopfbatterie ist leer. Also Batterieschublade auf, und das erste, was ich sehe, ist der zuvor verschollene Bankbeleg, der in eine tiefere Etage gerutscht war. Egal. Aber wenn ich schon mal dran bin: Die Fernbedienung vom Fernseher braucht auch neue Batterien und … gleich kommt die Tagesschau.
Nach der «Arena» erwachte ich auf dem Sofa. Ich fragte mich, ob ich den ganzen Schmarrn nicht doch einem professionellen Steuer-Dienstleister anvertrauen soll. «Aber jetzt ist ja schon das Meiste erledigt. Den Rest schaff ich jetzt auch noch.» Und irgendwann, etliche Belege, Knopfbatterien, Farbpatronen und TV-Abende später, schaffte ich es dann doch noch.
Und nun sitze ich da am Computer und schicke mich an, die Frist zu verlängern. Dazu brauche ich erst einmal das Couvert mit den Unterlagen vom Steueramt. Wenn ich nur wüsste, wo ich … «Nächstes Jahr erledige ich sie früher! Gaaanz sicher!»
Roland Marti

Neuen Kommentar schreiben