Streiflicht

Do, 29. Aug. 2024

Veryoungboysen

Kennen Sie das Verb «veryoungboysen»? Es soll im Jahr 2007 von einem Schweizer Blogger erstmals verwendet worden sein und bedeutet so viel wie «trotz guter Ausgangslage scheitern». Man kann erahnen, dass der Begriff aus der Zeit stammt, als die Fussballer des BSC Young Boys eine jahrzehntelange (und inzwischen überstandene) Durststrecke ohne Titel durchmachten. In Schweizer Fussballerkreisen ist das Wort inzwischen mehr oder weniger geläufig, obwohl Google unter diesem Begriff gerade mal 914 Suchtreffer findet. Noch nicht geschafft hat «veryoungboysen» die Aufnahme in den Duden. Das Standardwerk der deutschen Sprache ist letzte Woche in seiner 29. Auflage erschienen und umfasst neu 151’000 Begriffe. Rund 3000 neue seien hinzugekommen. Für mich als Kaffee-Abstinenzler nicht so relevant ist der Kaffeevollautomat, der wohl dank dem aktuellen Kaffee-Hype die Aufnahme geschafft hat. Dafür freut mich, dass das Balkonkraftwerk inzwischen so relevant ist, dass es im Duden stehen darf. Leider haben aber auch Begriffe wie Ukrainekrieg oder Klimakleber die nötige Relevanz erlangt, um im Duden zu erscheinen. Der Duden widerspiegelt halt, was unser Leben bewegt. So verwundert es nicht, dass unter den neuen Begriffen auch Ansteckungskette und Atemschutzmaske zu finden sind. Und weil Deutschland nicht das Mass aller Dinge ist, kommen auch wichtige Ausdrücke aus der Schweizer Mundart zum Zug. So figuriert neu die schweizerisch umgangssprachliche «Badi» als Übersetzung für das deutsche Freibad im Duden. Wieso unsere Badis auf einmal so wichtig geworden sind, das fragen Sie am besten mal einen Klimakleber.

Demgegenüber gibt es auch Wörter, die von der Duden-Redaktion eliminiert wurden. Als Pastaliebhaber lagen mir seit der Rechtschreibreform 1996 die Spagetti, die ein Italiener als «Spatschetti» aussprechen würde, schwer auf dem Magen. Mit dem neuen Duden ist diese unappetitliche Schreibweise verschwunden – ab sofort gehört das «H» in Spaghetti wieder zwingend auf die Menükarte. Auch der Tunfisch – ohne H – schmeckt der Duden-Redaktion nicht mehr und heisst nun wieder offiziell Thunfisch (obwohl es die in Thun gar nicht gibt).

Ui, ich bin abgeschweift, und der mir für dieses Streiflicht zur Verfügung stehende Platz wird schon sehr knapp. Dabei wollte ich mit Ihnen zusammen ein neues Wort kreieren, das es dann in die nächste, 30. Auflage des Dudens schaffen könnte.Aber da habe ich jetzt eben leider veryoungboyst.

Roland Marti

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