Ein Brite braut das erste Rüebli-Bier

Do, 20. Mai. 2021
Handarbeit: Nur «J» kennt die genaue Zusammensetzung des Aargauer Rüebli-Biers «made im Suhrental». Es soll eine Spur englischer Charme enthalten sein. (Bilder: zVg.)

Jason ODoherty hat im Zuge seiner Ausbildung zum Betriebswirtschaftler ein eigenes Bier erfunden, das es überraschenderweise bisher nicht gegeben hat: ein Aargauer Rüebli-Bier. Dass das Craft-Bier von einem waschechten Briten im Suhrental erschaffen wurde, ist dabei kein Zufall.

rc. «Bier ist ein Genussmittel», ist Jason O’Doherty überzeugt. «Natürlich gibt es auch Biere, mit denen man einfach den Durst löscht, aber mein handgemachtes Rüebli-Bier ist nicht so eines.» Produziert hat er es in der Kleinbrauerei von Daniel Heer mit Rüebli von Morgenthaler-Gemüse aus . Derzeit steckt das Gebräu noch in Flaschen ohne Etikette, 150 Liter davon wurden produziert. Viele Flaschen hat «J» oder «Jay», wie ihn seine Freunde nennen, schon verschenkt oder probieren lassen. «Ich mache damit keinen Gewinn, vielleicht decke ich mit der zweiten Serie die Kosten.» Er mache das einerseits, weil er im Rahmen seiner Ausbildung zum Betriebswirtschafter eine Diplomarbeit zu schreiben hatte und andererseits, weil sich das Thema Bier geradezu aufgedrängt hat.

Die Nase voll vom Lagerbier

Aufgewachsen ist Jason O’Doherty nämlich im Südosten Englands. Das berühmte ‹The Kursaal› in Southendon-Sea, Essex − früher ein Vergnügungspark, später ein Casino − jeweils mit vielen Pubs − war lange eine Art Heimat für den heute 47-Jährigen. Hier arbeitete er viele Jahre und eine Zeitlang hing sogar ein Schild mit seinem Namen am Eingang, weil er das Patent inne hatte. Als ihn die Liebe vor 20 Jahren in die Schweiz zog, gehörte er der ersten Crew des «Ye Olde Penny Farthing» in Aarau an, gründete eine Familie und wurde in Muhen sesshaft. Vor zwei Jahren schloss er sich der IG Bierheilige an, die sich im Suhrental mit allerlei Ideen einen Namen machen will. «Dazu gehört die 1. Suhrentaler Bierwanderung, die nun leider schon das zweite Mal verschoben werden musste», erklärt O’Doherty etwas traurig.

Arbeits- und Wohnort haben sich bis heute geändert, geblieben ist die Liebe zum Bier. «Ich hatte die Nase vom normalen Lagerbier aber voll. Um so besser gefallen mir die vielen tollen Biere, die in den zahlreichen Kleinbrauereien gemacht werden. So etwas wollte ich auch schaffen. Als ich nachgeschaut habe, war ich ziemlich überrascht, dass es im Aargau noch kein Rüebli-Bier gibt», erinnert sich der Brite. So tüftelte der zweifache Familienvater an der Rezeptur und fügte dem Sud sowohl beim Kochen der Würze, wie auch bei der späteren Gärung Rüebli zu.

«Das Säuerliche geht ins Süsse über»

Das fertige Produkt gefällt auch dem Bier-Sommelier Jürg Maurer. «Ich habe es mir zwar etwas leuchtender orange vorgestellt, das Auge trinkt schliesslich mit», schickt der Müheler voraus. Der Schaum komme cremefarben daher und bringe eine mittellange Beständigkeit mit. Der Rüebligeschmack im Bier sei aber nicht dominant. «In der Nase noch etwas brotig oder keksig, geht die leichte Säure auf der Zunge in eine mittlere Süsse im Gaumen über und gleite im Nachtrunk wieder in eine angenehme leichte Säure», beschreibt der ausgebildete Sommelier seine Erkenntnisse. Der Geschmack komme aber zum Glück nicht einem Biss in ein Rüebli gleich, «eine gewisse, vom Gemüse herrührende bekannte Süsse kommt jedoch sehr gut durch.»

Jedes Bier hat seine Geschichte

Gute Noten also für «J’s Aargauer Rüebli Bier», das der Experte lobend als «gsöffig» bezeichnet und eine gute «Drinkability» attestiert; ein Getränk, das man nicht bloss «aus Gwunder» konsumiere. «In England kommt man sehr früh in Berührung mit Bier, es war mir schon wichtig, ein gutes Bier zu brauen», erinnert sich Jason O’Doherty an seine Jugend und freut sich über die Rückmeldung des Sommeliers. Biertrinken sei ja nicht nur eine Sauferei. «Für mich ist es spannend, die Geschichte hinter einem Bier zu erfahren, woher es kommt und warum es gebraut wurde.» Was diesen Teil der Bierbraukunst angeht, ist es «J», gelungen ein leckeres Bier mit einer schönen Geschichte zu brauen. Jetzt braucht es eigentlich nur noch gutes Wetter und offene Biergärten – und für Jason O’Dohertys Ausbildung noch etwas Durchhaltevermögen.

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